Die Schweiz - immer für einen WM-Rekord gut

Marco Streller verschießt den ersten Elfmeter der Eidgenossen. Archivfoto: dpa

Die Eidgenossen halten zwei WM-Rekorde für die Ewigkeit, die beide 2006 aufgestellt wurden. Dennoch schied die "Nati" früh aus. Das soll nach dem Last-Minute-Tor gegen Ecuador...

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. Von Björn-Christian Schüßler

Wer nach dem 2:1 in der letzten Minute der Nachspielzeit glaubt, das sei schon das kurioseste in der Schweizer WM-Geschichte, dem sei gesagt: Das war ja noch gar nichts. Denn die Eidgenossen halten seit der WM 2006 zwei Rekorde, auf die sie sicherlich nicht ganz so stolz sind wie auf das späte 2:1 gegen Ecuador.

2006 hätte das Jahr werden können für die Schweiz bei einem großen Turnier. Hatte man 1934, 1938 und bei der Heim-WM 1954 jeweils das Viertelfinale erreicht, war 2006 eine historische Chance. Frankreich, Togo und Südkorea schienen keine übermächtigen Gegner, Trainer Köbi Kuhn hatte eine schlagkräftige Truppe geformt. Hochkaräter wie Zuberbühler, Magnin, Spycher, Vogel, Wicky, Yakin, Frei und Streller versprachen ein großes Turnier.

Die Null steht

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Drei tolle Auftritte, darunter ein hart erkämpftes Remis gegen Frankreich, bescherten der Schweiz tatsächlich den Gruppensieg. Ungeschlagen und ohne Gegentor. Auf dem Papier war man gegen Achtelfinal-Gegner Ukraine klarer Favorit. Nach 90 Minuten hatten die Eidgenossen noch immer kein Tor zugelassen, in weiteren 30 Minuten Verlängerung den Kasten sauber gehalten. Doch im Elfmeterschießen war schließlich Endstation. Aus der Traum vom größten WM-Erfolg der Nati-Geschichte.

Dennoch sicherte sich die Schweiz Rekord Nummer eins: sie ist das einzige Team in der WM-Geschichte, das ohne Gegentor in der regulären Spielzeit aus dem Turnier ausschied. Noch dramatischer Rekord Nummer zwei aus dem Elfmeterschießen. Denn obwohl Schewtschenko den ersten Strafstoß für die Ukraine nicht versenken konnte, und mit Streller, Barnetta und Cabanas drei vermeintlich sichere Schützen für die Schweiz antraten, gewannen die Osteuropäer das Elfmeterschießen mit 3:0. Die Schweiz hatte als einziges Team in der WM-Geschichte in einem Elfmeterschießen keinen einzigen Treffer erzielt.

Anfeuerung mit kleiner Kuhglocke

Während der WM 2006 lernte ich beim Versuch, mit Fans aus allen Teilnehmerländern ein Fan-Buch zu entwickeln, auch Evelyn kennen. Die 26-jährige Schweizerin studierte damals in Frankfurt und fieberte mit ihrem Team mit. Dreimal hatte sie am Main gesessen, mit kleiner Kuhglocke ihren Star Marco Streller angefeuert und am Ende gejubelt. Im Achtelfinale blieb ihr Stammplatz jedoch verwaist. Auf einer Party hatte sie einen netten Kommilitonen kennen gelernt. Sein Name war Evgenj, und ausgerechnet am 26. Juni 2006 hatten die beiden ihr erstes romantisches Date. Und Fußball war irgendwie gar nicht mehr so wichtig. Das nächste kuriose: Evgenj, mit dem Evelyn noch immer zusammen in Frankfurt lebt, ist in Kiew geboren...

Im nächsten Beitrag widmen wir uns Honduras.