Die Sache mit der Lokalkompetenz

Der Mainzer Dom bei Tag. Archivfoto: Alfred Nachtsheim

Neue Redaktion, neue Stadt und neue Menschen, die hier etwas zu sagen haben. Da ist Lokalkompetenz gefragt. Am besten gleich auf der Stelle. Mit einem Fingerschnippen. Doch für...

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. Blut und Wasser habe ich geschwitzt. Der erste Tag in einer neuen Redaktion. In einer neuen Stadt. Und dann sofort - ich habe meinen neuen Arbeitsplatz noch gar nicht eingerichtet - der erste Termin mit dem Dienstwagen, der größere Maße hat, als mein kleiner Stadtflitzer. Der erste Gedanke: Bloß nicht bei einer Irrfahrt durch die City das Firmenauto kaputt fahren. Das würde peinlich enden!

Der Mainzer, der hilft gerne weiter!

Doch dafür muss ich überhaupt erst einmal losfahren. Die Parkhaus-Suche ist ja ein überaus schwieriges Unternehmen, wenn man mit vielen weiblichen Genen gesegnet, über null Orientierungssinn verfügt. Der stellvertretende Redaktionsleiter erklärt mir, wo das Parkhaus mit dem Dienstwagen steht. Ich schaue ihn mit großen Augen an. Gassen von denen noch nie ein Nicht-Mainzer gehört hat.

Ganz kapiert, wo das Parkhaus nun sein soll, habe ich es noch nicht. Aber ich ziehe mal los. Als angehende Journalistin hat man schließlich eine große Stärke: Leute anzuquatschen ist kein Problem. Freundlich, wie der Mainzer an sich ja so ist, hilft er gerne weiter. Und irgendwann findet sich doch tatsächlich dieses Parkhaus. Jetzt wird durch die City gecruist. Mit Navi und mit Kompass geht’s geradeso. Gut, dass mit dem Kompass war ein Scherz. Aber die Erfindung des Navi war auf jeden Fall ein Glücksfall für die Volontärin ohne Lokalkompetenz.

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Und immer wieder der Perspektivwechsel

"Lokalkompetenz" - so nennt man in unserem Fachjargon das, was mir jetzt gerade in dieser Redaktion fehlt. Dass ich nicht weiß, wer der Ortsvorsteher von diesem und jenem Stadtteil ist, wie der Mann aussieht und welche Probleme es eigentlich in dem Vorort gibt. Die Lokalkompetenz, sie kommt mit jedem Tag und mit jeder Unterhaltung mit den erfahrenen Kollegen.

Die "Ausbildung" zum Kenner der Landeshauptstadt ist harte Arbeit. Aber dafür habe ich den Blick von außen auf diese Stadt. Eine Perspektive, die die Mainzer so nicht kennen. Es ist ein Perspektivwechsel, den wir bei unserer Arbeit alle paar Wochen wieder neu erleben. Schließlich durchlaufen wir regelmäßig verschiedene Redaktionen in unterschiedlichen Städten. Und nur eine davon ist Heimatstadt und -redaktion. Aber so lernt man Rheinhessen kennen. Und das ist doch auch was.

Claudia Wössner