Die magische Sieben oder der Versuch ein Meenzer Mädsche zu...

Das Kostüm der Bloggerin Lea Mittmann passt sehr gut zum Job und zur Fastnacht. Foto: VRM

"Siebe Schoppe musst du überstehen", verriet einst Tobias Mann singenderweise das Geheimrezept zum Mainzer-werden. Dazu gehört aber noch mehr: Siebenmal nämlich muss der...

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. Die Sieben ist eine magische Zahl - vor allem in Mainz. Denn an die sieben Stunden kann auch mal eine Fastnachtssitzung dauern, von denen ich mittlerweile mindestens sieben pro Kampagne "überstanden" habe. Ich fürchte: Ein Meenzer bin ich noch immer nicht.

Kommt man als junge Schreibkraft von der falschen Rheinseite ins altehrwürdige Mainzer Schloss, um über das dort stattfindende närrische Treiben zu berichten, so erfährt man zuerst einmal eines: Skepsis. Kann ein Dammschtädder Mädsche das denn? Es wird erklärt. Und erläutert. "Sie schreiben aber bitte Begge Peder - nicht Peter Beck!" Verwirrung. "Schon mit ,d‘, oder?" Verwirrung auf der anderen Seite. "Nein! Mit ,p‘ - Peeeeder!", so die vehemente Antwort des sichtlich aufgebrachten Pressesprechers.

Fastnachten für Fortgeschrittene

Schon fand ich mich wohlig wogenartig schunkelnd in meinem Matrosenkostüm inmitten fröhlicher Fastnachter. Schrie artig "Helau", als man es von mir verlangte, warf dabei den Arm einen Halbkreis formend in die Höhe, und zeigte recht schnell eine gewisse Textsicherheit. Während "Heile Gänsje" mir sowieso schon sicher von den Lippen ging (Kindheitserinnerungen!) und ich schon heftig humbatäteräte, gehörten auch "Olé Fiesta" und "Im Schatten des Doms" bald zu meinem Repertoire.

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Ich durfte fastnachten für Fortgeschrittene: Hörte Geschichten vom Klickerwasserfläschje bei der Wertschaftsfassenacht und tanzte im nächsten Jahr schon zur Weiberfassenacht "naggisch um de Weihnachtsbaum" - natürlich rein metaphorisch auf dem Schillerplatz, wo ich mich fröhlich hüpfend inmitten eines Marienkäfergrüppchens wiederfand.

Das kann doch kein Zufall sein!

Ist es denn Zufall, dass ich exakt ein Jahr später die allerallerletzte Prüfung meines Studiums an der Mainzer Uni am 11.11.2011 um 11 Uhr absolvierte? Mitnichten. Denn danach konnte ich mich endlich hauptberuflich dem widmen, was ich zuvor als Freie Mitarbeiterin getan hatte. Natürlich gehört auch als AZ-Volontärin die Fastnachtsberichterstattung zu den Kernkompetenzen. Ich zog von der Neustadt "in den Schatten des Doms" (im wortwörtlichsten Sinne!) und widmete mich während dieser ganz besonderen Wochen auch rund um die Landeshauptstadt der Bewahrung der Tradition. Schrieb in der Alzeyer Redaktion einen flammenden Kommentar, als in einem Stadtteil die Sitzungen ausfielen und beschwor den närrischen Nachwuchs, endlich zu reagieren, damit "die vierfarbbunten Lichter nicht bald ganz ausgehen". Ich meinte es so. Und verkleidete mich so, wie es sich als Nachwuchsjournalistin gehört: als Zeitung. Als wandelndes Printprodukt wurde ich fast so begeistert von den kleinen Narren auf der Kindersitzung empfangen wie Kollege Kruschel bei ähnlichen Terminen.

Das verflixte siebte Jahr in Mainz habe ich nun hinter mich gebracht. Ich habe alle Tipps des siebengescheite Manns befolgt. Bin ich jetzt ein Meenzer Mädsche? Ich weiß es nicht.

Lea Mittmann