Der Uli muss ins Eckige

Uli Hoeneß. Foto: dpa

Hoeneß‘ andere Liga: Der Hofgang ist rund und das Spiel dauert diesmal dreieinhalb Jahre.

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. Der Herr Hoeneß, Umschluss-Uli, wie wir ihn nennen, wird seine Justizvollzugsanstalt innerhalb einer Saison in die Champions League führen. Das ZDF überträgt live. Kommentar-Experte: Silvio Berlusconi. Erkenntnis aus dem Prozess: Mit Zocken kommt man locker zu 28 Millionen. Böse Zungen behaupten, die Richter hätten in Prozesspausen ihre Buchmacher angerufen und hohe Summen auf eine dreieinhalbjährige Haftstrafe für den Angeklagten gewettet... Quatsch, ist nur einer unserer rüden Scherze. In den hinteren Sitzreihen des Zuschauerraums wollten verwegen aussehende Mitbürger Tische aufstellen, zum Hütchenspielen. Franck Ribéry sieht seinen ehemaligen Boss Hoeneß jetzt mit ganz anderen Augen und denkt bewundernd: "Mon Dieu, dass ich wegen unerlaubtem Zweikampfverhalten mit einer minderjährigen Prostituierten angeklagt war, ist ja geradezu Sommerfußball im Vergleich zu dem, was der Alte da liefert."

* Wir wissen jetzt auch nicht, wieso uns beim Stichwort "28 Millionen Euro" das Thema "Frauenhandtaschen" in den Sinn kommt. Jedenfalls stießen wir im Internet auf "SOI". Das bedeutet "Sorgfalt und Intelligenz" und ist nicht der PR-Slogan der Steuerberatungskanzlei von Uli H. aus M., sondern - Achtung, Männer, wir müssen jetzt alle ganz stark sein - ein Beleuchtungskörper für das Innere von Frauenhandtaschen! Was wir schon immer predigen: Innere Werte. Schönheit vergeht//Lampe besteht. Durchmesser von SOI: 70,2 Millimeter, Höhe 22 Millimeter, Gewicht: 41 Gramm - echt nicht viel, aber dennoch hören wir vor unserem geistigen Auge: "Schaaatz, meine Handtasche ist sooo schwer wegen dem neuen Licht. Ich brauch‘ eine neue."

* Auf "handtaschenlicht.com" lesen wir, eine Handtasche sei "mobiler Lebensraum" und "beherbergt all das, was Frau tagtäglich braucht". Also auch Waschmaschine, Bügelbrett, Howard-Carpendale-CD. Mobiler Lebensraum, nun, für unsere niederländischen Mitbürgerinnen muss es die Handtasche also vor allem mit Anhänger-Kupplung geben. Frau Antje macht mobil//bei Gouda, Sport und Spiel. Fazit: SOI ist das neue SOS. My Home ist my Handtasch‘. Wir lesen weiter: "76 Tage ihres Lebens verbringen Frauen im Durchschnitt damit, in ihrer Handtasche etwas zu suchen." Bisher ohne SOI. 76 Tage - Die wunderbare Rettung der verunglückten Kumpel in der Grube von Lengede dauerte gerade mal 14 Tage.

* Wir dachten ja immer, der Slogan "im Dunkeln ist gut munkeln" sei unsterblich, aber gut, es werde Licht. Wir lesen: SOI basiere auf einer speziellen Sensorik, "bei der bewusst auf aktiv zu betätigende Schalter verzichtet wurde". Aus gutem Grund: Frauen und Technik. SOI wird aktiv "durch bloße Annäherung der Hand oder leichte Berührung". Nun, wie sollen wir das formulieren: Diese Systematik ist aus sehr vielen Abläufen des menschlichen Lebens bekannt. So weit wir das beobachten können, suchen Frauen in ihren Handtaschen ohne SOI bislang vornehmlich nach dem Prinzip "Probebohrung", also massiv rein, rummss, und Wühlen, oft bar jeder Sensibilität.

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* Kommen wir zum wirklich erschütternden Kern der Dinge. Wir lesen: "Frauen haben mehrere Handtaschen und wechseln diese manchmal mehrmals täglich." Wow! Ein Link führt uns glücklicherweise weiter zu "frauenzimmer.de" und dort zu einer Umfrage: Wie viele Handtaschen besitzt Ihr? Und da schreibt dann unter dem Datum 1.11.08 "Sunny girl": 180! Unsortiert wie manche Handtaschen dann weiter unten plötzlich ein Blog-Eintrag: "Ich bin Saarländer...." Okay, vielleicht ist das der Freund von "Sunny girl", der sich mental irgendwie am Leben halten muss. Ferner erfahren wir auf "frauenzimmer.de", dass es bei Handtaschen "nicht nur auf den Inhalt" ankomme, sondern auch auf "Vielfalt und Design". Nun, ist das nicht bei Frauen genauso? Insofern bestätigt sich wieder die alte Weisheit: Wie der Herr (in diesem Fall die Herrin)//so‘s Gescherr.

* Nur mal so aus Jux haben wir gesucht, was so was kosten kann, und stießen bei "World‘s Luxury Guide", einem unserer Lieblingsportale, auf eine rubinrote Sonderanfertigung "Diamond Birkin" aus dem Hause Hermès. Einhundertzweiundfünfzigtausend Euro. Nein, meine Damen, der coole Typ an der Kasse ist im Preis nicht drin. Andererseits versteht damit jeder, warum Männer, um anständige Weihnachtsgeschenke zusammenzubringen, Spekulationen tätigen, bei denen 28 Millionen schnell aus dem Blick geraten können.