Das hat die Deutschen 2022 bei Google besonders interessiert

aus Google Trends

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Einfach mal nachschauen:  Die meisten Menschen nutzen die Online-Suchmaschine von Google.

Google weiß mehr über uns, als uns lieb ist. Das führt dazu, dass der Google-Trends-Jahresrückblick ein guter Spiegel der Ereignisse und Fragen ist, die uns 2022 bewegt haben.

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Deutschland. Wer im Internet sucht, der nutzt dafür (fast immer) Google. Mit über 90 Prozent Marktanteil ist der Konzern mit dem bunten Logo absolut dominant im Bereich der Internet-Suchmaschinen. Und deshalb ist das, was die Menschen dort suchen, auch durchaus ein aussagekräftiger Jahresrückblick. Fast schon ein Spiegel der Gesellschaft. Und was da so genau gefragt beziehungsweise gegoogelt wird, macht das US-amerikanische Unternehmen seit Jahren auf einer Website namens Google Trends öffentlich: für Deutschland und den Rest der Welt.

Doch wie sieht es 2022 aus? Wir haben nachgefragt – und von Google die Top-10-Suchbegriffe für Deutschland bekommen. Über die Methodik ist allerdings wichtig zu wissen: Die Listen der Top-Aufsteiger sind laut Google die sogenannten „trending searches“, also die am stärksten aufsteigenden Suchbegriffe des Jahres 2022. Dies sind Begriffe, bei denen die betreffenden Suchanfragen 2022 für eine anhaltende Phase einen besonders starken Anstieg im Suchinteresse im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet haben.

Platz 10: Bürgergeld

Unter den Top-Schlagzeilen des Jahres bei Google landet das von der Ampel-Koalition beschlossene Bürgergeld. Pünktlich zum Jahresstart 2023 soll die neue Grundsicherung fließen. Ab Mitte des Jahres sollen Arbeitslose zudem weit besser als bisher betreut werden. Die Sätze steigen um rund 50 Euro. Künftig soll die zu erwartende Preisentwicklung zeitnäher in die Berechnung der Grundsicherung einfließen. Für alleinstehende und alleinerziehende Leistungsberechtigte gibt es ab 1. Januar 502 Euro im Monat, für zwei erwachsene Partner einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft jeweils 451 Euro. Auch Kinder und Jugendliche erhalten mehr Geld. Dabei ist das Bürgergeld nicht unumstritten. Vor allem aus derUnionsfraktion kam teils heftige Kritik wegen geplanter Lockerungen der Sanktionen. Nach langem Ringen passierte die Sozialreform schließlich Bundestag und Bundesrat.

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Platz 9: Katar

Des Deutschen Lieblingssportart – Fußball – feiern und gucken oder lieber doch WM-Boykott? Keine Fußballweltmeisterschaft in der Geschichte war so umstritten wie die Winter-WM in Katar 2022. Fußball in der Wüste, keine Fußballkultur im Gastgeberland, Korruption bei der WM-Vergabe, Tote auf den Baustellen der Stadien, das Verhalten Infantinos, der FIFA und des DFB im Allgemeinen – nein, diese WM war in Deutschland kein Zuschauermagnet und Stimmung wollte einfach nicht aufkommen. Zugegeben: Das erneut frühe Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in der Gruppenphase machte es den Boykottierenden einfach, weiter wegzuschauen und nicht einzuschalten. Allerdings gilt auch: Nicht überall auf der Welt wurde die WM so kritisch gesehen. Die arabische Welt zum Beispiel feierte die erste WM in ihrer Region. Und auch asiatische und afrikanische Länder berichteten wohlwollend über das kleine Emirat. Entscheidend wird sein, was von dieser WM bleibt – aber vor allem, was sich nach dieser WM in Katar und am kaputten und korrupten System Fußball ändern wird. Die Fans werden weiterhin ein Auge auf die Verantwortlichen haben.

Platz 8: Energiepauschale

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine und der damit verbundene Engpass bei Erdgaslieferungen machten auch Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland schwer zu schaffen. Die Inflation zog im Laufe des Jahres erheblich auf Rekordwerte (aktuell 10 Prozent) an. Energiesparen ist weiterhin das Gebot der Stunde, nicht nur wegen des Engpasses, sondern weil die Menschen die Preiserhöhungen schmerzlich im Geldbeutel spüren. Die Bundesregierung beschloss daher die Energiepauschale: Zunächst gab es im September für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einmalig 300 Euro (brutto).

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Auch Rentnerinnen und Rentner wurden zuletzt mit 300 Euro unterstützt. Studierende haben einen Anspruch auf 200 Euro – müssen die Pauschale aber beantragen. Über den Link lesen Sie alles Wichtige zur Energiekrise.

Platz 7: Taiwan

Xi Jinping, Präsident von China.
Xi Jinping, Präsident von China. (© Pang Xinglei/Xinhua/AP/dpa)

Kriegsgefahr im Osten. Nein, damit ist nicht die Ukraine gemeint, in der seit dem 24. Februar 2022 wieder Krieg auf europäischem Boden herrscht. Weiter entfernt in Asien entwickelt sich zwischen China und Taiwan eine weitere gefährliche Konfliktlage, die die ganze Welt in einen neuen Weltkrieg stürzen könnte. China erhebt Anspruch auf den weltwirtschaftlich bedeutenden Inselstaat im Südchinesischen Meer, der nach seiner Unabhängigkeitserklärung zur Demokratie heranwuchs und zum führenden Produzenten von Halbleitern geworden ist. Mit ein Hauptgrund für die USA, der Republik Taiwan den Rücken zu stärken und im Notfall militärisch einzugreifen, sollte Chinas Staatspräsident und Machthaber auf Lebenszeit, Xi Jinping, seine Drohungen gegenüber Taiwan wahrmachen.

Platz 6: Will Smith

Die Ohrfeige saß – und das vor einem Millionenpublikum bei der Oscarverleihung 2022. Will Smith konnte sich nach einem Spruch des Moderators Chris Rock über seine Ehefrau nicht zurückhalten, während Rock den Preis für den besten Dokumentarfilm bei der 94. Verleihung der „Academy-Awards“ im Dolby Theatre in Los Angeles/Hollywood überreichte. Smith lief auf die Bühne und schmetterte seine flache Hand direkt ins Gesicht des Laudators. Danach ein paar Schimpfwörter seitens des ehemaligen „Prince of BelAir“-Schauspielers, Raunen im Publikum und ... „The Show must go on.“ Der Nachhall auf Social Media und die Konsequenzen für Smith waren jedoch verheerend.

Platz 5: Layla

Das Schlagerlied “Layla” ist auf Mallorca auf dem Ballermann sehr beliebt. Seitdem mehrere Volksfeste sich dagegen entschieden haben, das Lied zu spielen, ist eine Debatte entbrannt.
Das Schlagerlied „Layla” ist auf Mallorca auf dem Ballermann sehr beliebt. Seitdem mehrere Volksfeste sich dagegen entschieden haben, das Lied zu spielen, ist eine Debatte entbrannt. (© dpa)

„La-la-la-la-la-la-la-Layla“ – da bekommt man beim Lesen schon Symptome wie bei einem Alkoholrausch. Die (!) Diskussion im Sommer: Soll der Ballermann-Song verboten werden, oder nicht? Der Text über eine „Puffmutter“ namens „Layla“: frauenfeindlich und sexistisch. Die Aufregung darum: so alt wie der Ballermann selbst. Einen Hit zu canceln, führt zu Trotzreaktionen und Gegenbewegungen. Erst durch Partywut der Ballermann-Fans hat „Layla“, von DJ Robin und Schürze, eine größere Plattform bekommen. 

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Am Jahresende kürten die Ermittler der offiziellen Deutschen Charts von GfK Entertainment „Layla“ zur Nummer eins der Single-Jahrescharts. Das Lied ist damit offiziell der „Hit des Jahres“.

Platz 4: Hitzewarnung

Der Klimawandel ist bei uns angekommen. Wieder mal Rekordtemperaturen im Sommer über 40 Grad Celsius. Und eine historische Dürre. Das kann gefährlich werden – besonders für Alte und Kranke. Auch in diesem Sommer mussten wieder Hitzetote beklagt werden. Die Hitzewarnung im Vorfeld konnte dies nicht verhindern. Vorläufige Daten deuten darauf hin, dass es in den drei Sommermonaten 2022 in Europa zu etwa 100.000 hitzebedingten Todesfällen gekommen sein könnte, womit der Sommer noch vor dem Hitzesommer 2003 mit ca. 70.000 hitzebedingten Todesfällen läge.

Bei uns in der Region kam es neben dem historischen Niedrigwasser im Rhein auch zu mehreren großflächigen Waldbrändenund tagelangen Löcheinsätzen der Feuerwehren.

Schauen Sie sich das Video zum Waldbrand in Münster an

Platz 3: 9-Euro-Ticket

Mit dem Auslaufen des Neun-Euro-Tickets ist in den Zügen auf dem deutschen Bahnnetz wieder der Normalbetrieb eingekehrt.
Mit dem Auslaufen des Neun-Euro-Tickets ist in den Zügen auf dem deutschen Bahnnetz wieder der Normalbetrieb eingekehrt. (© Arne Dedert/dpa)

Für 9 Euro vom Bodensee bis nach Sylt. Theoretisch möglich. Mit der Regionalbahn allerdings umständlich und zeitaufwendig. Dennoch: Das 9-Euro-Ticket war ein Erfolg. Neben Pendlerinnen und Pendlern nutzten viele Familien das günstige ÖPNV-Ticket, um Ausflüge zu machen oder mal zu testen, das Auto fürs Klima und in Zeiten hoher Spritpreise stehenzulassen. Wir begleiteten den Start des 9-Euro-Tickets mit einem Live-Tag und berichteten von den Bahnhöfen aus Mainz, Darmstadt, Wiesbaden und Wetzlar.

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Der Nachfolger des Feldversuchs für einen für alle erschwinglichen Nahverkehr in Deutschland steht auch schon fest – nur noch nicht, wann es das 49-Euro-Ticket zu kaufen geben soll. Voraussichtlich wird es im April 2023 soweit sein.

Ein Blick auf die eine Grafik zu den Auswirkungen des 9-Euro-Tickets

Platz 2: Affenpocken

So sehen Hautsymptome von Affenpocken-Patienten aus.
So sehen Hautsymptome von Affenpocken-Patienten aus. (© Institute of Tropical Medicine, Antwerpen/dpa)

Droht uns eine schlimmere Pandemie als mit dem Coronavirus? Die Angst ging um in Deutschland und der Welt, als im Sommer in Europa ungewöhnlich häufig Affenpocken bei Menschen diagnostiziert wurden. Es kam sogar teils zu unbegründeten Stigmatisierungen gegenüber der LGBTIQ-Szene aufgrund einer prozentual höheren Infizierten-Zahl in dieser Bevölkerungsgruppe. Auch in unserer Regioninfizierten sich viele Menschen mit dem Virus. Das führte zu vielen Fragen bei Betroffenen und Besorgten: Was sind die Symptome? Wird es eine neue Pandemie geben? Viele davon haben auch wir beantwortet. Nach dem Sommer war das Virus dann aber kaum noch Thema. Ein ähnliches Ausmaß wie bei Corona nahmen die Affenpocken nicht.

Die Ausbreitung der Affenpocken in der Welt auf einen Blick

Platz 1: Ukraine

Eine Frau weint in den Armen einer Rettungskraft in der südostukrainischen Industriestadt Krywyj Rih.
Eine Frau weint in den Armen einer Rettungskraft in der südostukrainischen Industriestadt Krywyj Rih. (© Evgeniy Maloletka/AP/dpa)

Das bewegte die Menschen 2022, nicht überraschend, bei Google am meisten: Mit dem 24. Februar 2022 hat sich die Welt auf den Kopf gestellt. Wladimir Putin, russischer Präsident, gab mit falschen Behauptungen und Lügen den Befehl zum Angriff auf die Ukraine. Die Folgen des Krieges bestimmen seither unser Leben auch hier in Deutschland. Und die ganze Welt wird diesen Vernichtungskrieg und seine Folgen im gesamten 21. Jahrhundert spüren. „Zeitenwende“ – das gewählte Wort des Bundeskanzlers Olaf Scholz beschreibt, dass geglaubte Gewissheiten nicht mehr gelten. Nicht vergessen werden sollen aber vor allem die unzähligen Toten und Verletzten, Vergewaltigten, Kinder und Hungernden sowie Trauernden in der Ukraine.

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Und das Morden geht täglich weiter. Eine Verhandlungslösung: nicht in Sicht. Der Krieg könnte laut Militärexperten noch Monate, wenn nicht gar Jahre andauern. Wofür? Das weiß nur Putin.

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