Breidenbachs Woche: Wahnsinn bei Wunderwuzzi

Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich. Foto: dpa

Wenn Udo Jürgens, Ernst Happel, Falco und Niki Lauda wüssten, was gerade beim Kanzler Kurz in Österreich los ist, würden sie sich im Grab umdrehen.

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. Wir hören im Radio, dass Landeswahlleiter im Hinblick auf Sonntag Penetrationstests gegen Hackerangriffe durchgeführt haben. Safer Stimmabgabe. Interessante Bezeichnung: Penetrationstest. * „Schaaaatz...“ * Kurz nach Österreich – dieses wunderbare Land, wo der Gerichtsvollzieher „Exekutor“ heißt, ein Cabrioverdeck „Fetzendach“, ein Schiedsrichterassistent „Outwachler“, eine Mundharmonika „Fotzhobel“ und die Straßenbahn „Bim“. Das Land, das Genies wie Udo Jürgens, Niki Lauda und den Fußballtrainer Ernst Happel hervorbrachte, der 1983, als in Hamburg noch ernsthaft Fußball gespielt wurde, mit dem HSV Europapokalsieger wurde, seine Stars, wenn sie mit ihm sprechen wollten, jedoch beschied: „Wann‘s reden wollt‘s, müsst‘s Staubsaugervertreter werd‘n.“ * Schwieriger Übergang. Als Sebastian Kurz, der Wiener Sängerknabe, zum Bundeskanzler gekrönt wurde, schrieben wir in der „Woche“ vom 23.12.17 von „Weihnachten mit Wunderwuzzi“. Letzteres ist die österreichische Bezeichnung für einen Prachtkerl. Und jetzt? Wahnsinn mit Wunderwuzzi. Küss die Hände//Ä(E)nde. Bim//Alles schlimm. * Wir müssen jetzt mal eine generelle, keineswegs nur auf Österreich kaprizierte Betrachtung einstreuen: Auch das beste Land der Welt ist nicht dagegen gefeit, dass Hütchenspieler, Zuhälter oder Neonazis versuchen, Macht an sich zu reißen. Da muss man ihnen halt auf die Finger klopfen. * Wie kriegen wir jetzt den Übergang. Also. Wir wissen nicht, ob die FPÖ-Aktivisten Heinz-Christian Strache und Johann Baptist Gudenus auf Ibiza versucht haben, einen Penetrationstest zu machen. Jedenfalls haben sie der vermeintlichen lettisch-russischen Oligarchen-Nichte Aljona Makarowa versprochen, wenn sie an die FPÖ spende, bekäme sie Staatsaufträge. Bei „Oligarchen-Nichte“ könnte man an den Film von 1968 „Die Nichten der Frau Oberst“ nach Guy de Maupassant denken. Der Evangelische Filmbeobachter schrieb von einem „schwülstigen Porno-Streifen“. Kein gutes Omen für Strache und Gudenus. Oder? Sodann: der Name Makarowa. Erinnert das nicht sofort an die sowjetische Pistole Makarow? Wobei die Beschreibung „leere Patronenhülsen werden nach rechts oben ausgeworfen“ schon gut zur FPÖ passt. * Auffällig ferner, dass laut FAZ ein Begleiter der Makarowa den Decknamen „Julian Thaler“ trägt. Da denken wir Älteren sofort an die ZDF-Weihnachtsserie ....nein, nicht Weihnachtswunderwuzzi-Serie! – also, an „Timm Thaler, der Junge, der sein Lachen verkaufte“. Kein gutes Omen. Nicht zuletzt: Ibiza. Ganz berühmt in Ibiza-Stadt die Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert, Hauptaltar „Maria de las Nieves“, „Mariä Schnee“. Jetzt glaube bloß keiner, Leute wie Strache hätten was mit Kathe¬dralen im Sinn. Aber bei „Schnee“ fällt uns der geniale, leider allzu früh verstorbene Österreicher Falco ein, und sein Lied „Der Kommissar“, in dem es heißt: „Dieser Fall ist klar// lieber Herr Kommissar, auch wenn sie and‘rer Meinung sind.//Den Schnee, auf dem wir alle talwärts fahr'n// kennt heite jedes Kind.“ Klaro. Betäubungsmittel. Vielleicht war das das Geheimnis der Ibiza-Nacht von Herrn Strache und Frau Makarowa. Wieder mal hängt alles mit allem zusammen.