Breidenbachs Woche: Turteltäubchen Horst und Angela

Horst Seehofer (CSU) und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Sitzung der Unions-Bundestags-Fraktion. Foto: dpa

Jetzt, wo es praktisch zu spät ist, kommt der Bundesinnenhofer mit einer ganz scharfen Nummer. Die Bahn streikt. Merkt kein Mensch.

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. Ja, verreck, der Horst. Ein Bischof fragt, ob Seehofer unkeusche Gedanken habe, wenn er an Angela Merkel denke. Seehofer antwortet: „Hochwürden, Wunder kann ich nicht vollbringen.“ Das ist aber nur Satire, geschrieben im „Spiegel“ in einem unfassbaren Interview mit dem Magic Innenhorst! Alles ist gut! „Sie ist die Beste“, sagt Seehofer über Merkel, und er muss das wissen, der alte Schlawiner, wir denken da nur an die Affäre mit der aushäusigen Dame und dem unehelichen Kind. Auf die Frage: „Bewundern Sie Angela Merkel?“, antwortet der Horst: „Ja. Absolut.“ Der bayerische Begriff „Ja, do legst di nieder“ erstrahlt da in ganz neuem Weihnachtsglanz. Die Interviewer rufen in Erinnerung, welch großer Lästerer Seehofer im Allgemeinen sei, dass er zum Beispiel den weiland Verteidigungsminister Guttenberg als „Glühwürmchen“ bezeichnete. Auch Merkel ist oft hart angegangen worden: Als sie Umweltministerin war, erfand der unübertreffliche Joschka Fischer den Beinamen „brennstabpolitische Sprecherin“ für sie. Aber jetzt, der Horst, spricht von „streckenweiser Zuneigung“ zur Kanzlerin. Diese Strecke hätten wir gerne mal gesehen. War dann wohl eher keine Strecke, die von der Bahn diese Woche bestreikt wurde, was die meisten Passagiere aber nicht merkten, weil sie sich sagten: Stundenlange Verspätung oder der Zug kommt überhaupt nicht – was heißt hier „Streik“, ist doch wie jeden Tag?

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Aber wir wollen nicht abschweifen. Wenn wir die beiden Turteltäubchen Horst und Angela so sehen, fällt uns das alte Volkslied ein: „Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß//als heimliche Liebe, von der niemand nichts weiß.“ Wobei zu beachten ist: Kohle, nicht Kohl! Sonst hieße es ja „Bimbes“.

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Mal ganz was anderes, ein Luxusproblem, aber einmal im Jahr geht das. Wir denken an all die Menschen, die an oder um Weihnachten herum geboren wurden und deshalb unausweichlich immer an oder um Weihnachten herum Geburtstag haben und deshalb bei den Geschenken benachteiligt sind. Wir denken da intensiv konkret an zwei Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, jetzt am Samstag und Sonntag, aber wir verraten nix, das bleibt entre nous, wie der Franzose sagt, respektive intra muros (Latein), also unter uns. Anderes Beispiel: jemand in unserer Familie, Herz aus purem Gold, Fels in der Brandung, hatte am 2. Weihnachtsfeiertag Geburtstag. Trotzdem: Mehr als zwei kleine Geschenke o d e r e i n größeres kam nicht rum. Gut, das war in den sechziger Jahren, die Zeiten waren andere, bessere, wenn Sie uns fragen, trotz weniger Kohle. Zum Beispiel stand noch nicht im Grundgesetz, dass immer eine Frau Kanzler sein muss. Oder: Wir kamen in die erste Grundschulklasse rein, konnten aber schon lesen und schreiben. (Böse Zungen behaupten allerdings, seitdem sei keine Weiterentwicklung bei uns erkennbar). Heute kommen manche Kids aus der 13. Klasse raus, können aber noch immer überhaupt nicht lesen oder schreiben. Noch viel zu tun in der Bildungspolitik, das nur nebenbei.

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Harter Übergang. Für d a s weltbewegende Hammerthema dieser Woche leider keine Zeit mehr, folgt demnächst: London. Wie meinen? Brexit? Leute, lasst uns bloß mit dem Affenzirkus in Ruhe! Nein. Sondern: Scheidungsprozess Becker gegen Becker. Im Namen des Volkes: Äähh.