Breidenbachs Woche: Mutter Beimer reloaded

Hans-Georg Maaßen. Foto: dpa

Ja verrreck, der Seehofer. Magic Horst haben wir ihn ja schon immer genannt. Aber erst jetzt macht er seinem Namen so richtig Ehre.

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. Alle Welt redet vom seitherigen Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, der Einfachheit halber nennen wir ihn ab sofort Verfassungs-Schorsch. Dank dem Horst ist der Schorsch gar nicht mal in einer schlechten Verfassung, gemessen an dem, was er verzapft hat. “Verfassungs-Schorsch”, das wird auch der Mainzer Sängerin Margit Sponheimer gefallen, hatte sie doch vor einigen Jahren einen Hit, der hieß: „Schorsch, ach Schorsch, ach Schorsch//häät’ste nit geheirat’ wärsde noch en Borsch.“ Ja.

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In seiner äußeren Erscheinung ist Verfassungs-Schorsch ja durchaus auffällig, gerade in seiner Physiognomie, da sieht schon jeder Student im 3. Semester Psychologie: Der Mann ist als Kind nicht lange genug gestillt worden! Dass es da später Probleme mit Merkel geben würde, war klar. Man muss natürlich genau untersuchen: Wo kommt das alles her? Wo ist der Mann geboren? In Mönchengladbach. Ein gutes oder ein schlechtes Omen? Nun, heutzutage eine gute Adresse, aber die Stadt hatte ihre Verwerfungen zu überstehen. Sie hieß früher, kein Scherz, München Gladbach. Erst 1960 wurde der offizielle Name in Mönchengladbach geändert. Wahrscheinlich dachten sich die Stadtväter: Machen wir’s jetzt, ehe in ein paar Jahren der Uli Hoeneß kommt und uns brachial dazu zwingt.

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So richtig auf die Weltbühne trat Mönchengladbach exakt am 29. Mai 1965. Da trafen im Spiel der Aufstiegsrunde zur 1. Fußballbundesliga im altehrwürdigen Stadion zu Worms, also bei uns, Borussia Mönchengladbach und Wormatia Worms aufeinander. Wir waren, elfjährig, dabei. Dummerweise und aus Versehen aber im Gästeblock, was ein echter Nachteil ist, wenn der Gast mit 5:1 gewinnt. „Scheiße, nä“, hätte Lukas Podolski gesagt. In der Gladbacher Mannschaft tummelten sich junge aufstrebende Menschen, sie hießen zum Beispiel Günter Netzer oder Jupp Heynckes und erreichten auch später noch eine gewisse Bekanntheit. Sicher hat sie das wunderbare Wormser Klima beflügelt. Zwei Tore schoß Heynckes, zwei weitere der Gladbacher Mittelstürmer Bernd Rupp, der vor und nach seiner Bundesliga-Karriere beim SV Wiesbaden spielte. Wieder hängt also alles mit allem zusammen. Netzer trug damals noch kurze Haare, wenn auch nicht mehr lang. Und es fällt natürlich als Gemeinsamkeit von Netzer und Maaßen total auf, dass die unkonventionellen Frisuren den aufgepeitschten inneren Aufbruch zeigen, Netzer: junger Wilder, Maaßen: Mutter Beimer reloaded.

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Hätte man am 29. Mai 1965 im Wormatia-Stadion zu Worms geahnt, dass in Mönchengladbach bei der Familie Maaßen gerade ein zweieinhalbjähriger kleiner Schorsch die Worte „Asyltourismus“, „Obergrenze“ und „Ankerzentren“ übte, hätte man sich vielleicht schon Sorgen gemacht. Am 5:1 hätte das freilich auch nichts geändert. Zur Ehrenrettung der Wormatia muss allerdings erwähnt werde, dass im Rückspiel in Mönchengladbach die Gladbacher erhebliche Mühe hatten, mit einem 1:1 den Bundesliga-Aufstieg perfekt zu machen. Zuvor hatte Gladbach in Kiel sogar 2:4 verloren. Könnte es sein, dass ganz Mönchengladbach, auch die Borussia, in den Tagen vor den Spielen in Kiel und zuhause gegen Worms nervös wurde, weil sich in Mönchengladbach doch herumsprach, dass da ein zweieinhalbjähriger Schorsch die Worte „Asyltourismus“, „Obergrenze“ und „Ankerzentren“ übte?