Breidenbachs Woche: Gott mit dir, du Land der Bayern

Er macht der Kanzlerin den Horst: Innenminister Seehofer und Kanzlerin Merkel vor der Sitzung der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag in dieser Woche. Foto: Kay Nietfeld / dpa

”Mach ihn, mach ihn – er macht ihn!!” Das war Mario Götze, WM-Finale 2014. Wir Älteren erinnern uns dunkel. Da keine deutsche Mannschaft im eigentlichen Sinn bei der WM...

Anzeige

. Beim DFB konnte sich natürlich niemand hinstellen und das sagen, was kürzlich Horst Seehofer mit Blick auf Angela Merkel gesagt hat: „Ich kann mit dieser Frau nicht mehr zusammenarbeiten.“ Also blieb der Jogi, mit all seiner Nivea-Creme, seiner Sonnenbrille und seinen T-Shirts, die so eng sind, dass sich ein 58-jähriger Mann fragen lassen muss, warum er sich damit vor ein paar Millionen Fernsehzuschauern im Stadion hinstellt.

*

In der GroKo, bestehend derzeit aus CDU und CSU, stritt man sich über die Frage, ob Südkoreaner und in Zukunft vielleicht auch Fidschi-Insulaner und welche aus San Marino an der deutschen Strafraumgrenze am besten wieder von Per Mertesacker, der seine Eistonne inzwischen wohlbehalten verlassen hat, gestoppt und in Registrierungszentren, sogenannte „Mixed Zones“ verbracht werden sollten. Dort solle ihnen der „Masterplan Migration“ des CSU-Vorsitzenden Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn jetzt intensiver denn je nennen, zum Auswendiglernen für eine Stunde überlassen und hernach die 63 Punkte in einem schriftlichen Test abgefragt werden. Wer spickt oder abschreiben lässt, fliegt sofort raus – allerdings erhebt Amnesty International schwerste Bedenken gegen eine sofortige Rückführung nach Österreich. Bestanden hat den Test nur, wer alle 63 Punkte auswendig niederschreiben kann und zudem noch die bayerische Nationalhymne „Gott mit dir, du Land der Bayern“ hinzufügt, wobei es nicht als Fehler gerechnet wird, wenn statt „Gott“ „Seehofer“ steht.

*

Anzeige

Ja verreck, der Horst. „Ich bleibe“, lässt er die „Bild“-Zeitung titeln. Zu fragen ist allerdings nach der Rechtsgrundlage eines solchen Bleiberechts. Bleiberecht resultiert normalerweise oft aus einer Duldung – aber hier? Der Höhepunkt, jedenfalls intellektuell, war erreicht, als der Horst laut Süddeutscher Zeitung gesagt hat, er lasse sich nicht von einer Kanzlerin entlassen, „die nur wegen mir Kanzlerin ist“. Das sei für ihn eine unvorstellbare Situation: „Die Person, der ich in den Sattel geholfen habe, wirft mich raus“ – richtiger wäre natürlich „wirft mich ab“. Nun, da verarbeitet der Horst möglicherweise ein altes Trauma, nämlich, dass er einem solchen Raus-/Abwurf damals nur knapp entgangen ist, bei der Sache mit der aushäusigen Dame und dem unehelichen Kind.

*

Bei „wegen mir“ deutet sich allerdings schon an: Der Seehofer macht sich nicht zum Horst, also zum Deppen, sondern er macht der Merkel den Horst, das heißt, es geht um „Was sich liebt, das neckt sich“. Der Horst hat sich heimlich nur gewünscht, dass seine Kanzlerin mit dem Lied „Wegen dir“ antwortet, mit dem eine berühmte Landsmännin vom Horst, nämlich die Schlagersängerin Nicki aus Plattling, Landkreis Deggendorf, 1986 in die Hitparaden kam: „Oft hob I weiche Knia//und I woaß du bist der Grund dafia.// Was is los mit meim Herz, manchmoi fühl I ganz an bsondern Schmerz.//Und den konnst halt nur du vertreibn// In deiner Näh// wird alles schee!//Wegen dir, woaß l manchmoi net, was I dua. Genau.

*

Literarisch fast noch anspruchsvoller hat es die Berliner Band...wie meinen? Nein, nicht die SPD! Also, die Band „Die Ärzte“ drückt die potenziellen „Wegen dir“-Kanzlerinnen-Gefühle gegenüber Seehofer so aus: „Oh, ich kann dich nicht vergessen.//Was ist nur los mit mir?//Oh, ich will nichts mehr essen//Ich werde noch verhungern wegen dir.//Wegen dir habe ich mich lächerlich gemacht.//Wegen dir lag ich wach fast jede Nacht.“ GroKo bis die Ärzte kommen.