Breidenbachs Woche: Ehebruch und Versteckspiele

Der britische Premierminister Boris Johnson führt den Vorsitz bei den morgendlichen Treffen zum Coronavirus von der Downing Street Nr. 11 aus. Nachdem Johnson positiv auf das Coronavirus getestet wurde, ist er in häuslicher Quarantäne.  Foto: dpa

In Quarantäne kommen normale Menschen, aber auch ein Premierminister auf die unglaublichsten Ideen.

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. Die Deutsche Presse-Agentur teilt uns mit: Edeka und Kaufland übernehmen 141 Real-Märkte. Nach einer geheimen Vertragsklausel aber nur, wenn alle Klopapier-Regale bei Real aufgefüllt sind. * Engländer liegen weinend am Boden, ringen nach Luft, fallen ins Koma. Vor Lachen. Nicht etwa, weil bekannt geworden wäre, dass Tofiq Bachmarow, Linienrichter aus Aserbaidschan beim WM-Finale England – Deutschland 1966 in Wembley, von schwerem Corona-Fieber geschüttelt war, als er das dritte Tor der Engländer, das keins war, hinter der Linie gesehen haben will. Nein, etwas anderes, kein Scherz: Boris Johnson, angeblich Premier, in Wahrheit aber ein blonder Wischmopp auf Ecstasy, hat aus seiner häuslichen Quarantäne heraus, nachdem er alle Böden gewischt hatte, an seine Landsleute geschrieben: „Es ist wichtig für mich, ehrlich mit Ihnen zu reden.“ * Ihr Briten der Welt, hört auf unsere Worte: Eher wird der Papst schwanger, als dass Boris Johnson ehrlich wird. „Unser Premierminister hat zwei Stärken: Ehebruch und Versteckspiele.“ Diese brillante Analyse veröffentlichte Alison Louise Kennedy, 1965 im schottischen Aberdeen geborene Schriftstellerin, am 9. Januar in der Süddeutschen Zeitung. Und, ein Satz für die Ewigkeit: „Er ähnelt am ehesten einem schläfrigen, verwöhnten Gesäß, das aus einem Heuballen hervorgrinst.“ Richtig. Johnson ist eher eine Ulknudel, und an ihm etwas Seriöses zu finden, ähnelt gerade in Corona-Zeiten der Suche nach der Nudel im Heuhaufen. Und die Redewendung „bloß keine schlafenden Hunde wecken“ muss jetzt umgedichtet werden in „bloß keine schläfrigen Gesäße wecken“. Denn das könnte nach hinten losgehen. Frau Kennedy hat nicht nur 2016 den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf bekommen, sondern 2008 auch den Eifel-Literatur-Preis. Also fast eine von uns.

Erinnerungen an andere Literaten. Martin Luther: „Aus einem verzagten A… kommt kein fröhlicher Furz.“ Oder der Liedermacher Ulrich Roski, 1975: „Mitunter es gelingt//aus einem Hintern ein Gesicht zu machen, wenn man ihn gut schminkt.“ Was Boris Johnson betrifft, sind wir uns also alle einig. Laut „Spiegel Online“ (SPON) tobt hinter den Kulissen schon ein Streit über die Johnson-Nachfolge, wenn er entmündigt wird. Eigentlich wäre Außenminister Dominic Raab dran, aber laut SPON hat er dafür nicht das Format. Wobei sich nach Johnson wirklich die Frage des Maßstabs stellt. Dann statt Dominic Raab doch besser Stefan Raab? * Sehr originell sind in Corona-Showdown-Zeiten auch die Schilder geschlossener oder zutrittsbeschränkter Geschäfte. In echt eine Kostprobe aus einer mittleren Mittelstadt in der Pfalz. An der Tür eines Schlüsseldienstes, ein Schlüsselsatz: „Aufgrund des Anlasses versuchen wir weiter, für Sie da zu sein.“ Erinnert emotional an einen rheinhessischen Klassiker: „Dodedorch dass….“ = dadurch dass, wegen. Nebenan: „Wie von der Bundesregierung erlassen, ist unser Geschäft geschlossen.“ Boris Johnson würde sagen: „Worauf du einen lassen kannst.“ An einer Apotheke: „Dieser Eingang ist geschlossen. Er befindet sich ausschließlich links um die Ecke.“ Ja, wie jetzt? Wenn dieser Eingang geschlossen ist, hilft es ihm auch nichts, links um die Ecke zu sein, auch da kommt dann keiner rein. Man sieht den armen kleinen Eingang förmlich hilflos auf der Straße herumirren. Er ist praktisch der Boris Johnson unter den Eingängen.