Bei Siggi brennt der Baum

Sigmar Gabriel will überzeugen und seine SPD wieder zu einem Schwergewicht machen. Sein eigenes Wahlergebnis deutet nicht darauf hin, dass die Genossen mit ihm gehen wollen. Archivfoto: dpa

Elektrisch oder wie früher – der SPD ist das völlig egal. Hauptsache, sie kann mal wieder einen Chef, der gewählt werden will, zum Weihnachtsmann machen.

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. Es ist ja so, dass die rheinland-pfälzische Finanzministerin Doris Ahnen (SPD) fast immer weiß, wo bei der SPD der Hammer hängt. Deshalb hat die SPD sie auch nicht Ministerin in Berlin werden lassen. Das ist menschlich nachvollziehbar, denn Frauen, die zu viel wissen, sind ja schon für konservative Männer gefährlich (wir erinnern da nur an einen gewissen Horst S. und eine gewisse Angela M.) – und wie dann erst für Sozi-Männer, die ja irgendwie gefühlt mindestens vier Ehren absolvieren, siehe den Fall von Gerd S. aus H. Und so sprach Doris Ahnen dann beim SPD-Bundesparteitag in Berlin bei der Wahl von Siggi Gabriel die Worte, die immer und überall inhaltsschwer sind, wenn eine Frau sie mit Blick auf einen Mann spricht: „Das hat nicht funktioniert.“

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Gemeint war zu diesem Zeitpunkt allerdings erst mal der gescheiterte Versuch, Gabriel quasi elektrisch zu wählen. Die Stimmen sollten „elektronisch auf dem tablet abgegeben werden“, schrieb Spiegel Online. Das müssen einige Genossinnen und Genossen dahingehend falsch verstanden haben, dass sie den Kopf Gabriels der SPD auf dem silbernen tablet servieren sollen, wie sich später herausstellte.

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Dann sagte Doris Ahnen, dass man zu dem „uns bekannten konventionellen Verfahren“ zurückkehre. „Schaatz, können wir zu dem uns bekannten konventionellen Verfahren zurückkehren?“

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Bei der SPD haben diese Aufforderung viele dann so verstanden: Nach alter SPD-Sitte demjenigen, der gewählt werden will, voll eine reinballern. Mit der Stimmkarte. Nur 74 Prozent! Lustig: Vor der Wahl hatte „Spiegel Online“ geschrieben: „Vor zwei Jahren war er nur auf 83,6 Prozent gekommen.“ SPD – Schwerstmasochistische Partei Deutschlands. Schlag mich. Prügel mich. Drangsalier‘ mich. Gut, Siggi ist Kummer gewohnt. 2003 verlor er in Niedersachsen die Landtagswahl gegen – Christian Wulff! Dabei hatte der zu jener Zeit noch nicht mal seine schärfsten Waffen zur Hand, das Klinkerhaus und das Bobbycar. Nein, auch Bettina noch nicht, die heiratete er erst 2008. Also, genauer gesagt: sie heiratete ihn.

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Es gab dann nach dem SPD-Parteitag Überlegungen bis in CDU-Kreise hinein, ob man ein Stirnband mit „Je suis Siggi“ tragen sollte. Gegen das Stirnband sprach die Erwartung, dass sich CSU-Mitglieder under cover beim CDU-Bundesparteitag einschleichen würden, wo ja der Seehofer, Magic Horst, reden durfte, wobei die CDU allerdings laut böser Zungen überlegte, ob man den Seehofer vorher erkennungsdienstlich behandeln und von ihm eine Garantieerklärung fordern solle, dass er einen Unions-Integrationskurs absolvieren werde. Falls Seehofer ausgebuht würde, war damit zu rechnen, dass jene under cover CSUler Stirnbänder mit „Je suis Magic“ anlegen würden, womit das Prinzip Stirnband desavouiert würde. Der Horst hat dann aber nur gesagt: „Bayern ist das Land der gelingenden Integration.“ Da kann man ihm nicht mal widersprechen, denn immerhin hat Bayern Pep Guardiola, Robert Lewandowsi, Frank Ribéry, sogar kleine Goudas wie Arjen Robben und Ausländer wie den Dortmunder Mario Götze integriert. Ferner gibt es Gerüchte, wonach in München sogar schon mal Niederbayern und Franken Asyl bekommen hätten.

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Während man es letztlich irgendwie erwartete, dass Gabriel noch mal durchkäme, ist die Ankündigung, dass Harald Schmidt demnächst als Kriminaloberrat Schöllhammer im „Tatort“ agiere, das größte Comeback, seit Lazarus von den Toten auferstand. Offenbar ist es auch kein Scherz, denn der zuständige SWR ist ein ernsthafter Sender, meistens. Da ist zu erwarten, dass die dicken Kinder von Landau bald als Mordopfer auftauchen. Wunderbar könnten wir uns diese Szene vorstellen: Kommissarin Lena Odenthal aus Ludwigshafen ruft bei Schöllhammer an und flötet mit verstellter Stimme: „Lieber ‘arald, könntest Du mir nischt schicken eine Flasche von die Bier, die so schön hat geprickelt in meine Bauchnabel?“ Wir Älteren erinnern uns sehr gerne an die Französin Nathalie Licard aus der Schmidt-Show! Wir haben sie sogar mal live erlebt, als Außenreporterin. Februar 2005. Auf der Bühne im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz: George W. Bush, auf Staatsvisite neben Kanzler Schröder. Im Auditorium unter anderem: Außenministerin Condoleezza Rice, Condi, wie wir sie nennen, die einzige Frau, die feindliche Mittelstreckenraketen mit den Zähnen unschädlich machen kann, und Nathalie Licard. Was für ein Tag!! Nur Bush und Schröder haben ein bisschen gestört.