Atemlos in Wöllstein

Helene Fischer. Foto: dpa

Mannheim ist toll, aber manchmal gefährlich. Die Tiefe Rheinhessens dagegen entpuppt sich als Hort purer Freude.

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. Mannheim, super Stadt. Erfinderisch. 1886 erfand Carl Benz hier das Auto. Berühmte Leute wurden in Mannheim geboren: 1897 Josef "Seppl" Herberger, Erfinder des Fußballs. 1971 Xavier Naidoo, Erfinder von, ...äähh...von..."Dieser Weg wird kein leichter sein". 1939 Peter Graf, Erfinder der Netto-Einnahmen. 1969 Steffi Graf, Erfinderin der ansatzlosen Rückhand ohne Stöhnen. Berühmte Unternehmen: Bilfinger, Erfinder des ansatzlosen Rausschmisses von Ex-Ministerpräsidenten mit Stöhnen. Manchmal ist Mannheim ein heißes Pflaster. Wir, mein Kater Bébé und ich, haben mal da gewohnt. Wie in Rio oder New York gibt es Ecken, in die man besser nicht geht, wenn man sich nicht auskennt. Mannheim heißt "Quadrate-Stadt", weil die City nach Plan-Quadraten sortiert ist, zum Beispiel: R 3,1 ist das Planquadrat R 3, Hausnummer 1. Behördenpraktikantinnen im Rest der Republik haben wir die Quadrate immer so erklärt: Es ist wie beim Schiffe-Versenken. (Liebe Kinder, fragt Eure Eltern, was das ist). Heißt aber auch: Es passieren hier schon mal Sachen, bei denen man nicht nur im Dreieck, sondern im Quadrat springt. Roland Koch, so hört man, springt nach seinem Rausschmiss sogar im Sechseck.

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Kommen wir zu wirklich wichtigen Dingen. Helene Fischer. Nun, wir mussten uns erst einarbeiten, registrieren nun aber mit Hochachtung: Sie ist derzeit Deutschlands meistgegoogelte Frau, füllt Arenen und hat 6 Millionen Tonträger verkauft. Und ihr Bild in der "Bild"-Zeitung (deshalb heißt die Zeitung schließlich so) am Dienstag, fast seitenhoch, mmhh, ja, jaja, sehr schön. Wir können das hier locker zu Protokoll geben, weil wir bekannt dafür sind, dass Frauen bis 30 für uns unter "Kind" rangieren. Am Dienstag wurde Helene Fischer 30, und im Interview sagte sie: "Ich werde öfter schon mal älter geschätzt." Ruhig, Kind, ganz ruhig, das muss nichts Negatives bedeuten.

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Was kaum jemand weiß: Helene, wie wir sie nennen, ist eine von uns! Sie wurde in Sibirien geboren und siedelte mit ihren Eltern 1988 nach - Wöllstein im Landkreis Alzey Worms! Wie meinen? Da kam sie vom Regen in die Traufe? Leute, lasst Eure Unverschämtheiten! Also. Wer bei Wikipedia über Wöllstein nachliest, findet unter "Persönlichkeiten"..... nicht so viele. Insgesamt vier. Zwei sind tot. Dann Helene und - Hans E. Lorenz, Strafrichter und beim DFB Vorsitzender des Sportgerichts. Noch bekannter, als er ohnehin schon war, wurde er, als er 2013 ein Tor, das definitiv keins war, weil der Ball von außen durchs Netz rutschte, zum Tor erklärte. Wir wissen nicht, ob sich Helene und Hans E. Lorenz je in Wöllstein begegnet sind. Dann hätte er ihr beibringen können, was "Abseits" bedeutet, weil Frauen das nie verstehen. Dafür hätte sie ihm nahe bringen können, dass "drin" nur im Fall von richtig drin "drin" ist. Jedenfalls: Dass Helene ein Star werden würde, hat sich früh abgezeichnet, mit Wöllstein, und dann besuchte sie auch noch die Realschule in Wörrstadt. Helene ist damit die Antwort Rheinhessens auf Madonna und Shakira gleichzeitig.

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Helenes aktueller Hit heißt "Atemlos durch die Nacht", und davon kann vielleicht auch Hans E. Lorenz ein Lied singen, denn nach seiner lustigen Torentscheidung war er wahrscheinlich - mental oder tatsächlich - auf der Flucht vor dem einen oder anderen Fußball-Fan. Unabhängig davon ist "Atemlos durch die Nacht" eine weitere dieser deutschen Hymnen, bei denen sich in riesigen Arenen Angehörige unterschiedlichster IQ-, Geschlechts- und Altersgruppen bei Dämmerlicht euphorisch in den Armen liegen. Das ist gut, denn bei anderen solcher Hymnen sind uns enorme Defizite aufgefallen. Zum Beispiel: "An der Nooordseeküste am plattdeutschen Strand//sind die Fische im Wasser und selten an Land." (Klaus & Klaus). Unglaublich bescheuert. Was sollen die Fische denn an Land? Da ist doch die Gefahr viel zu groß, zum Fischstäbchen zu werden. Oder Wolfgang "Wolle" Petry, das ist der, der seine Karriere vorübergehend beenden musste, weil er wegen seiner drei Millionen Freundschaftsbänder an der linken Hand einen Tennisarm bekam. In seinem Lied "Verlieben, verloren, vergessen, verzeih‘n" sind Infinitive ("verlieben", wobei das reflexive "sich" fehlt!), Partizipien ("verloren") und Begriffe, die sowohl das eine wie das andere sein können ("vergessen") völlig unstrukturiert aneinandergereiht! Ein noch dickerer Grammatik-Hammer beim Volkslied "Ein Rudi Völler//es gibt nur ein Rudi Vööööller...." Wo es doch "...nur einEN Rudi Völler..." heißen muss! So was würde Helene dank Realschule Wörrstadt nie passieren!