Achtung, Blitzer!

Radarkontrolle. Archivfoto: RMB/Friedrich Windolf

Sie lauern nicht nur an jeder Ecke, sondern mittlerweile auch auf freiem Feld: Die Radarkontrollen der Stadt Mainz. Ob das noch was mit Verkehrserziehung zu tun hat?

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. Was waren das noch Zeiten als das Autofahren in Mainz noch Spaß gemacht hat. Es geht nicht um dummes Rasen mit 100 über die Rheinstraße oder rücksichtslos durch 30er-Zonen. Es geht um das entspannte Fahren hinter dem Steuer ohne die Angst im Nacken (oder auf dem Tacho) zu haben, an jeder Ecke und bei jedem Stundenkilometer zu viel direkt ins Portemonnaie greifen zu müssen.

Seit einem Jahr sind diese paradiesischen Zeiten in und um Mainz aber vorbei. Seit die Stadt beschlossen hat, ihre klammen Kassen durch die Einnahmen von Temposündern (und die Erhöhung der Hundesteuer) aufzufüllen, lauert die Gefahr an jeder Ecke. Ein weißer und ein blauer VW-Kombi mit abgedunkelten Scheiben machen sich täglich auf die Jagd nach "Rasern".

Unbestritten sollte man sich natürlich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen halten. Die Stellen, an denen die Freunde mit den Kameras stehen, haben aber nur selten was damit zu tun, dass für die Sicherheit von Passanten gesorgt werden soll. In einer 60er-Zone bergab und kein Zebrastreifen weit und breit? Oder unter einer Brücke, weit entfernt von Ampeln und Zivilisation? Wer soll das glauben? Ich nicht. Die meisten Orte werden einfach nur ausgewählt, weil dort viele Fahrer in die Falle tappen und die Kasse regelmäßig klingelt - nicht, weil dort Passanten geschützt werden. Wo sind denn die Blitzer vor Schulen oder Kindergärten? Ich sehe sie nicht.

Was ein Zufall, dass meine subjektiven Eindrücke in der vergangenen Woche durch den Hannoveraner Verkehrsexperten Karl-Friedrich Voss gestützt wurden. Blitzen habe mehr mit Geldverdienen denn mit der Erhöhung der Verkehrssicherheit zu tun - wie wahr!

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Diese Schikanierung, die mit jedem Mainzer Autofahrer mittlerweile betrieben wird, treibt bei mir schon so bunte Blüten, dass ich morgens auf dem Weg zur Arbeit auf den Parkplatz des Standesamtes schaue und die pure Erleichterung durch meinen Gasfuß fährt, wenn ich beide mobilen Blitzer seelenruhig dort stehen sehe.

Sobald einer oder sogar beide Kombis aber nicht zu erkennen sind, halte ich automatisch Ausschau, ob ich am Wegesrand entweder einen blauen oder weißen VW mit abgedunkelten Scheiben oder ein kleines Blitzergerät stehen sehe. Mittlerweile gilt meine Konzentration mehr dem Straßenrand als der Strecke selbst. Aber ganz ehrlich: Schön ist doch anders! Die Stadt soll einfach zugeben, dass sie die Autofahrer braucht, um ihre Kassen zu füllen. Das macht die Sache nicht besser, aber ehrlicher.

Dennis Rink