Unbekannte kleben arabische Schriftzeichen auf Ortsschilder in...

Die Schriftzeichen auf einem Ortsschild. Foto: Stadt Worms

Unbekannte haben an mehreren Stellen im Stadtgebiet Aufkleber mit arabischen Schriftzeichen auf Ortsschilder geklebt. Nach ersten Erkenntnissen könnte der Schriftzug „Stadt...

Anzeige

WORMS. Unbekannte haben an mehreren Stellen im Stadtgebiet Aufkleber mit arabischen Schriftzeichen auf Ortsschilder geklebt, die für einigen Wirbel gesorgt haben. Die Polizei hatte zunächst im Polizeipräsidium in Mainz die Fachdienststelle Terrorismus/Extremismus damit befasst, weil erste Übersetzungen den Schriftzug als „Stadt der Toten“ oder „Tote Stadt“ interpretierten. Allerdings bestätigte die Polizei am Dienstagnachmittag, dass die Worte wohl „unsere Stadt“ bedeuten. Die Ermittlungen seien deshalb eingestellt worden.

Ohnehin hatte die Polizei auf Nachfrage gleich betont, dass sie zunächst keinen strafrechtlichen Hintergrund sehe. Gleichwohl habe sich die Übersetzung als schwierig erwiesen, zumal verschiedene Fachleute dem Schriftzug unterschiedliche Bedeutungen zuordnen. Ein Übersetzer habe es als den Namen der Stadt „Medina“ gelesen, die zweitwichtigste Heilige Stadt des Islam im heutigen Saudi-Arabien. Die arabische Sprache wird weltweit von geschätzt mehr als 200 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, es gibt zahlreiche Dialekte.

Aufkleber direkt entfernt

Die Polizei hat die Aufkleber, die auf Ortsschildern in der Mainzer Straße, am Fahrweg und an der B9 in Höhe der Karl-Kübel-Brücke aufgetaucht waren, sofort entfernt. Dies sei besonders vorsichtig und spurenschonend erfolgt, berichtet Polizeisprecher Markus Winter. Die Aufkleber seien aserviert worden, um sie später möglicherweise genauer untersuchen zu können. Diesen zeitlichen und finanziellen Aufwand betreibe man allerdings erst, sollte sich doch noch ein strafrechtlicher Hintergrund ergeben.

Anzeige

Besorgt zeigte sich Oberbürgermeister Michael Kissel, der sofort Strafanzeige erstatten ließ. Der Pressesprecher der Stadt, Hans H. Brecht, fügte hinzu, dass „wir seitens der Stadt die Aufkleber-Aktion weder unter- noch überbewerten, die Bevölkerung aber bitten, sich bei der Polizei zu melden, sollten solche Aktionen beobachtet werden.“

Aufkleber im Internet bestellbar

Wobei die Polizei sagt, strafrechtlich seien die Aufkleber nicht relevant, und damit nicht Sache der Polizei. Das Entfernen der Aufkleber habe keinerlei Schäden hinterlassen, also liege keine Sachbeschädigung vor. Da die Aufkleber auch keine wesentlichen Inhalte des Schildes verdeckten, die der Verkehrssicherheit dienen, könne auch nicht von einer Gefährdung des Straßenverkehrs ausgegangen werden.

Das Phänomen ist nicht neu und bundesweit zu beobachten. In Halle an der Saale etwa tauchten bereits von zwei Jahren arabische Aufkleber auf 20 Ortseingangsschildern auf, berichtet die Mitteldeutsche Zeitung. Dort wurden die Schriftzeichen mit „Geh zur Wohnung“ oder „Geh zum Haus“ übersetzt. Die Stuttgarter Zeitung berichtete im Oktober 2015 von 29 Ortsschildern, die beklebt wurden. In Ludwigsburg, in Bietigheim-Bissingen, Markgröningen, Schwieberdingen, Besigheim, Pleidelsheim, Kirchheim am Neckar sowie in Tamm und in Marbach waren damals unter den deutschen Namen des Ortes diese jeweiligen Namen in arabischer Schrift geklebt worden mit dem darunter in Klammern gesetzten Zusatz „ehemals“. Tatsächlich kann man diese Aufkleber im Internet bestellen, sie werden beworben als „Aufkleber auf original Verkehrs-Signal-Folie“. Es folgt der Hinweis, dass der Betreiber der Seite selbstverständlich nicht dazu aufforderte, Verkehrsschilder zu bekleben, dass dies aber, sollte man dabei erwischt werden, maximal eine Ordnungswidrigkeit sei.