Tote Syndia: Stilles Gedenken und mahnende Worte im Dom

Gedenken an Syndia im Wormser Dom. Foto: BK / Andreas Stumpf

Knapp einhundert Menschen haben bei einem ökumenischen Trauergebet im Wormser Dom der getöteten Syndia gedacht. Während des Gottesdienstes fielen auch kritische Worte.

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WORMS . Auf Luther- und Parmaplatz politische Statements und Versammlungen, einen Steinwurf weiter im Dom Stille, Trauer, Mitgefühl und Zeichen der Solidarität mit der verstorbenen Syndia und ihren Hinterbliebenen: Knapp 100 Menschen, darunter auch OB Michael Kissel und etliche Stadtratsmitglieder, waren zum ökumenischen Trauergebet gekommen. Viele trugen sich auch in das ausliegende Kondolenzbuch ein.

Viele verweilten in stillem Gedenken

„Du sollst den verdienten Frieden finden und die wohlverdiente Ruhe“, stand dort zu lesen. Auch längere, Trost spendende Sätze, aber auch ganz kurze Anmerkungen wie „In Trauer“ oder die klagende Frage „Warum?“ Einige Gottesdienstbesucher zündeten Kerzen an, stellten sie auf die Treppenstufen am Altaraufgang und verweilten in stillem Gedenken vor den beiden aufgestellten Tafeln, die an Syndia erinnerten.

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Propst Tobias Schäfer, der zusammen mit seiner evangelischen Kollegin, Pfarrerin Jutta Herbert, den Gottesdienst hielt, hatte sich als einer der ersten im Kondolenzbuch eingetragen. Und das aus gutem Grund, denn die einem Verbrechen zum Opfer gefallene junge Frau war im Dom getauft worden und hatte dort auch ihre Erstkommunion empfangen. Man habe bewusst den Dom geöffnet für dieses von beiden Kirchengemeinden getragene Trauergebet. Um das Entsetzen über die schreckliche Tat zum Ausdruck zu bringen, auch Wut und Fassungslosigkeit. „Aber aushalten können wir alle das nur, weil wir hier zusammen sind, unser Mitgefühl zeigen und unsere Trauer um Syndia teilen“, sagte Jutta Herbert.

„Trauer darf nicht instrumentalisiert werden.“

Einig waren sich die beiden Geistlichen in ihrer Ablehnung politisch motivierter Anteilnahme. „Es ist eine Frage des Anstandes, wie man traumatisierte Menschen in ihrer tiefen Trauer begleitet“, mahnte Propst Schäfer und meinte damit die zeitgleiche Mahnwache der AfD auf dem Lutherplatz. Jutta Herbert wurde noch deutlicher: „Trauer darf nicht instrumentalisiert werden. Populistische Stimmungsmache, die sich pauschal gegen Asylbewerber richtet, geht gar nicht.“ Wobei sich beide Geistliche auch nicht scheuten, von einem grausamen, schrecklichen Verbrechen zu sprechen.

Während des würdevollen, stillen Trauergottesdienstes, der etwa eine Dreiviertelstunde dauerte, gingen auch zwei Körbchen durch die Reihen mit der Bitte, die Familie auch auf diesem Wege zu unterstützen.