„Leser helfen”: 65.000 Euro für die Kinderintensivstation

Dr. Claudia Martin (r.) und Katharina Engmann am Bett ihrer jungen Patientin Dina. Die Elfjährige leidet an einer sehr seltenen Autoimmunkrankheit, die die Lunge angreift.

Die Benefizaktion dieser Zeitung endet mit einem tollen Ergebnis. Die Redaktion und das Team der Kinderintensivstation sagen Danke an alle Spenderinnen und Spender.

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Rheinhessen/Mainz. In dieser „Leser helfen”-Kampagne, wie immer zugunsten der Kinderintensivstation initiiert, war oft von Wundern die Rede. Bei dem kleinen Kilian etwa, der als schwer herzkrankes Baby eingeliefert wurde und nur ein paar Wochen später wieder in sichtlich gutem Zustand nach Hause durfte - die überglückliche Mutter nannte es „ein Wunder”. Im Fall von Melike, die ebenfalls mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt gekommen war, sagen es sogar die Ärzte so: Wunderbar, dass das Mädchen die ersten kritischen Monate überlebt hat und heute, mit zweieinhalb Jahren, ein fröhliches Kind ist. Und ja, auch heute wollen wir von einem Wunder sprechen: 65.000 Euro haben die AZ-Leserinnen und -Leser für die Mainzer Kinderintensivstation und Kinderkardiologie gespendet, und das in einer Zeit, in der die finanziellen Belastungen so groß sind und Großzügigkeit keine Selbstverständlichkeit ist.

Die Mainzer klatschen nicht nur, sie unterstützen uns wirklich.

PS
Prof. Stephan Gehring Ärztlicher Leiter der Kinderintensivstation Mainz

Die Spenden werden von Kikam, dem Förderverein der Kinderintensivstation und der Kinderkardiologie an der Universitätsmedizin Mainz, in diesem Jahr vor allem für Fort- und Weiterbildungen der Mitarbeiter eingesetzt, darüber hinaus fließen sie in die Ausstattung der Station. Das hält das Niveau hoch, sowohl was das medizinisch-technische Equipment als auch das Know-how des Teams betrifft. Die hohe Spendensumme ist aber auch eine Anerkennung der Arbeit, die hier geleistet wird, und sie kommt zur rechten Zeit. „Wir freuen uns riesig über die Wertschätzung, die uns hiermit entgegengebracht wird”, sagt Prof. Stephan Gehring, Ärztlicher Leiter der Kinderintensivstation. „Die Mainzer klatschen nicht nur, sie unterstützen uns wirklich.” Er sei „einfach nur sprachlos” angesichts dieses Zuspruchs, erklärt Oberarzt i. R. Ralf Huth, der Kikam einst mitgegründet hat. „Wir können nur Danke sagen.”

Ein Wunder, dass es ihr so gut geht: Melike, mittlerweile zweieinhalb Jahre alt, und ihre Mutter Selina Karabulut in der kinderkardiologischen Ambulanz der Mainzer Unimedizin. Regelmäßig wird hier Melikes Herz untersucht.
Ein Wunder, dass es ihr so gut geht: Melike, mittlerweile zweieinhalb Jahre alt, und ihre Mutter Selina Karabulut in der kinderkardiologischen Ambulanz der Mainzer Unimedizin. Regelmäßig wird hier Melikes Herz untersucht. (© Lukas Görlach)
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Dabei ist kaum hoch genug zu schätzen, was das Team der Kinderintensivstation leistet, Tag für Tag. Freilich gibt es viele Erfolgserlebnisse, wie bei dem kleinen Kilian, wie bei Melike. Doch ebenso gibt es harte Tage, an denen Kinder ihre schweren Erkankungen nicht überleben, an denen Ärzten und Pflegekräften nur noch bleibt, sie zu begleiten bis zuletzt. Auch dann heißt es: weitermachen. Für Kinder wie Dina (Name von der Redaktion geändert) etwa, die im November eingeliefert wurde, nur noch 27 Kilo wog das elfjährige Mädchen, sie war so schwach, dass sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte.

Was fehlte dem Kind nur? Selbst die erfahrenen Experten auf der Kinderintensivstation waren anfangs ratlos. Dinas Lunge war in einem katastrophalen Zustand, so schlimm, dass bereits das Herz angegriffen war. Doch warum? „Wir dachten an Infektionen, sogar an die Folge einer Covid-Erkrankung”, sagt Oberärztin Dr. Claudia Martin. Doch alle Verdachtsdiagnosen zerschlugen sich. Und Dina ging es immer schlechter. „Kurz vor Weihnachten haben wir gedacht, wir verlieren sie.”

Eine sehr seltene Autoimmunerkrankung greift Dinas Lunge an

Für die Familie müssen diese Wochen die Hölle gewesen sein. „Und wir konnten den Eltern nicht einmal sagen, woran ihre Tochter eigentlich litt”, erzählt Dr. Martin. Das Team zog weitere Experten hinzu, irgendwann stand dann die Diagnose fest: Dina leidet an einer Autoimmunerkrankung. „Die ist schon bei Erwachsenen sehr selten, aber bei Kindern ist sie die Rarität der Rarität.”

Eine gute Nachricht war die Diagnose wahrlich nicht - doch nun konnte die Elfjährige zumindest gezielt behandelt werden. „Sie bekommt ganz moderne Medikamente, die Gott sei Dank gut anschlagen”, sagt ihre Ärztin. Seit den dramatischen Tagen um Weihnachten geht es mit Dina ganz langsam aufwärts. „Und wir hoffen, dass die Therapie die Krankheit zum Stillstand bringen oder sogar zurückdrängen kann.”

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Ärzte und Pflegekräfte sind rund um die Uhr für die kleine Patientin da

Dina wird sehr liebevoll von ihren Eltern umsorgt, die viel Zeit bei ihrer Tochter verbringen. Auch die Pflegekräfte kümmern sich intensiv, sie haben die Kleine liebgewonnen in den letzten Wochen. „Sie ist eine junge Patientin, die sich nie beschwert, die nicht klagt, die immer freundlich ist - obwohl sie es alles andere als leicht hat”, sagt Katharina Engmann, stellvertretende pflegerische Leiterin der Kinderintensivstation. Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen unterstützen Dina nach Kräften, begleiten sie bei ihren ersten Schritten zum Waschbecken, ans Fenster. Dass die Elfjährige ihr Krankenbett überhaupt ab und zu verlassen kann, ist der modernen Ausstattung auf der Station zu verdanken. Sie hat ein mobiles Beatmungsgerät - das ebenfalls mit Spenden auch von AZ-Lesern finanziert wurde.

Dina sei auf der Station sehr gut aufgehoben, sagt Dinas Mutter dankbar. Sie, aber auch Mediziner und Pflegekräfte, hoffen, dass Dina sich weiter stabilisiert. Es ist wieder viel ärztliches Können gefragt - und womöglich ein Wunder.