Die Spezialisten für Verbrennungsopfer

aus Leser helfen

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Der kleine Zian wurde mit schweren Verbrühungen auf der Kinderintensivstation eingeliefert. Sein Vater (l.) ist fast rund um die Uhr bei ihm, Stationsleiter Prof. Dr. Stephan Gehring schaut regelmäßig nach dem kleinen Patienten. Foto: hbz/Kristina Schäfer

Die Aktion „Leser helfen“ für Kikam startet wieder. Jeder gespendete Euro kommt der Mainzer Kinderintensivstation zugute. Hier werden auch Kinder mit Verbrühungen behandelt.

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RHEINHESSEN. Zian liegt ruhig in seinem Krankenbett. Sein Oberkörper ist mit Vakuumverbänden bedeckt, in seinem rechten Arm hält er fast liebevoll ein großes Spielzeugauto. Bis er mit diesem wieder über Wohnzimmerparkett und Küchenteppich flitzen kann, wird es noch Wochen dauern: Der kleine Junge, der im Dezember drei Jahre alt wird, wurde mit schweren Verbrühungen in die Mainzer Unimedizin eingeliefert und liegt auf der Kinderintensivstation.

„Es geht wieder los“, sagt Stationsleiter Prof. Dr. Stephan Gehring: „Winterzeit ist Verbrennungszeit.“ Und tatsächlich belegt nicht nur Zian eines der Spezialbetten für Verbrennungsopfer auf der Kinderintensivstation. Neben ihm liegt ein weiterer kleiner Junge, etwas jünger – Ärzte und Pfleger versorgen ihn gerade, legen einen Zugang, mit dem dem Kleinkind dann Medikamente gegeben oder Blut abgenommen werden kann. „Damit muss er nicht immer wieder gestochen werden“, erklärt Gehring. Die kleinen Patienten sollen so wenig wie möglich traumatisiert werden – das ist ein Anliegen des Teams. Gerade bei Kindern mit solch schweren Verletzungen, die lange in der Klinik bleiben.

Sowohl Zian als auch sein kleiner Bettnachbar haben Bekanntschaft mit Wasserkochern gemacht. „Das passiert leider immer wieder“, sagt Gehring. „Kleinkinder ziehen an Kabeln und Tischdecken, reißen Wasserkocher und Teekannen mit kochend heißem Wasser runter.“ Die Verletzungsmuster sind typisch: schwere Verbrennungen im Gesicht, an Armen, im Brustbereich. Das Unglück mit Zian ereignete sich vor drei Wochen. Er spielte, zog am Wasserkocher – und schon war es passiert, die heiße Flüssigkeit ergoss sich auf den Kleinen.

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„Es war einfach furchtbar“, erinnert sich sein Vater Tari Rachid. Der reagierte schnell und instinktiv richtig, riss seinem Sohn die nassen Sachen vom Leib und brachte ihn umgehend ins Krankenhaus. Die Klinik im Saarland überwies den Patienten an die Spezialisten in der Mainzer Unimedizin. Dreimal wurde Zian hier bislang operiert, dabei wurden Transplantationen vorgenommen, zerstörte Haut wurde durch gesunde ersetzt. „Wir sind so froh, dass unser Kind hier so gut aufgehoben ist“, sagt Tari Rachid erleichtert; er und seine Frau sind im Ronald-McDonald-Haus untergebracht, um rund um die Uhr in der Nähe ihres Sohnes sein zu können.

Noch steht der Kleine unter Medikamenteneinfluss, muss zum Beispiel starke Schmerzmittel nehmen. Doch es geht stetig bergauf. „Das Erfreuliche ist, dass solche Verletzungen bei kleinen Kindern gut verheilen“, sagt Prof. Gehring. Dennoch ergeht sein dringender Appell an Eltern: „Sichern Sie Wasserkocher und Teekannen so, dass kleine Kinder nicht drankommen – auch nicht an die Kabel.“

Kinder mit schweren Verbrennungen und Verbrühungen sind nur ein winziger Teil des Spektrums an Fällen, die das Team der Kinderintensivstation Tag für Tag zu sehen bekommt. Säuglinge mit angeborenen Herzfehlern, Jungen und Mädchen mit seltenen Gendefekten oder Stoffwechselerkrankungen gehören ebenso zu den Patienten wie Kinder, die an Infekten erkranken. Gerade hier sind moderne Diagnosegeräte ein Segen. „Innerhalb einer Stunde wissen wir, mit welchem Virus, mit welchem Bakterium wir es zu tun haben“, sagt Gehring – gerade bei sehr jungen Kindern, die schnell „abbauen“, zählt jede Minute. Und natürlich kommt dieser Hochleistungsdiagnostik in Corona-Zeiten eine besondere Bedeutung zu. „Damit sind wir bislang gut durch die Pandemie gekommen“, betont der Stationsleiter – sowohl Patienten als auch Personal werden engmaschig kontrolliert.

Ohne den Förderverein Kikam wäre die Ausstattung der Kinderintensivstation mit solch hochmodernen Geräten nicht möglich. Daher bittet die Rheinhessen-Redaktion im Rahmen ihrer Weihnachtsaktion „Leser helfen“ um eine Spende, die Kikam und somit der Kinderintensivstation zugutekommt. Jeder Euro zählt – damit kranken und verletzten Kindern auch in Zukunft die bestmögliche Behandlung zuteil wird.