Betrüger setzen auf WhatsApp-Masche: „Hallo Mama, ich bin’s“

Seit jeher versuchen Betrüger mit unterschiedlichsten Maschen, potenzielle Opfer zur Herausgabe von Geld und Wertgegenständen zu bewegen. Neben Anrufen nehmen sie inzwischen auch per WhatsApp- oder SMS-Nachricht Kontakt auf.

Kriminelle geben sich per SMS oder Messenger-Nachrichten verstärkt als Angehörige aus und erbeuten auch in Rheinhessen hohe Summen. Die Maschen ähneln sich stets.

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Rheinhessen. Es war am vergangenen Sonntag, als ein 72-jähriger Mann aus Essenheim über den Messengerdienst WhatsApp eine Nachricht auf sein Mobiltelefon erhielt. Der Absender gab sich darin als seine Tochter aus. Sie befinde sich in Geldnöten. Also überwies der Mann mehrere Tausend Euro an die bislang unbekannten Täter. Der Betrug flog später auf, als der 72-Jährige Kontakt mit seiner echten Tochter aufnahm. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Seit Monaten häufen sich die Betrugsversuche per SMS oder Messengerdienste.

Erst wenige Tage zuvor, am Donnerstag vergangener Woche, waren zwei Frauen aus Ingelheim auf die Masche hereingefallen, überwiesen am Ende Beträge im mittleren vierstelligen Bereich. Ähnliches widerfuhr am 21. November einer 64-jährigen Mainzerin. Die Frau erhielt an jenem Montag eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Die Täter gaben sich in diesem Fall als ihr Sohn aus, brachten sie schließlich dazu, einen vierstelligen Betrag zu überweisen. Auch der Aufforderung, ein Bild der durchgeführten Überweisung zu senden, kam die Frau nach. Sie schickte dieses allerdings nicht nur an die Nummer der Betrüger, sondern versehentlich auch an die Nummer ihres echten Sohnes. Dieser meldete sich daraufhin umgehend bei seiner Mutter und der Betrug flog auf. Laut Polizei sei dadurch vermutlich ein noch größerer finanzieller Schaden verhindert worden.

Kriminelle geben sich als Angehörige aus

Das Vorgehen der Täter ist dabei stets ähnlich, nahezu identisch. Die Betrüger melden sich per Nachricht von einer den Betroffenen natürlich zunächst unbekannten Nummer, ziehen umgehend ihre Masche auf. Ein typisches Beispiel: „Hallo Mama, ich habe eine neue Handynummer, weil mein Handy kaputt ist.“ Im weiteren Chatverlauf kommt es dann in der Regel dazu, dass durch den vermeintlichen Sohn bzw. die vermeintliche Tochter mitgeteilt wird, dass man eine dringende Überweisung tätigen müsse, dies aber aus verschiedenen Gründen nicht könne. Weil das Handy verloren gegangen oder kaputt sei. Die Geschädigten werden schließlich gebeten, die Überweisung für die angeblichen Angehörigen durchzuführen. Meist werde darauf gedrängt, die Überweisung als Echtzeitüberweisung zu tätigen, so die Polizei. Die Bankdaten, an die das Geld überwiesen werden soll, würden dann ebenfalls per WhatsApp oder SMS weitergegeben.

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Glücklicherweise ohne finanziellen Schaden blieb ein Betrugsversuch vom 17. November. Eine 75-jährige Frau aus dem Mainzer Stadtteil Finthen erhielt zunächst eine Nachricht von ihrer vermeintlichen Tochter. Auch sie überwies einen vierstelligen Betrag. Doch der Betrug flog noch am selben Abend auf, als ihre echte Tochter sie anrief. Die Überweisung konnte letztlich noch einmal zurückgeholt werden. Die Frau kam mit dem Schrecken davon.

Das rheinland-pfälzische Landeskriminalamt (LKA) und die Verbraucherzentrale warnen immer wieder vor den Maschen der WhatsApp-Betrüger. Die Fachleute raten, in jedem Fall zunächst Angehörige oder Bekannte, als die sich die Betrüger in den Nachrichten ausgeben, auf deren „alter“ Nummer anzurufen. Außerdem sollten niemals Überweisungen auf Basis eines Chatverlaufs getätigt werden. „Sichern Sie gegebenenfalls den Chatverlauf durch Screenshots, da die entsprechenden Nachrichten in der Regel im Nachgang durch die unbekannten Täter gelöscht werden und geben Sie keine weiteren persönlichen Daten preis“, so die LKA-Fachleute. Diese Screenshots könnten später wichtige Beweismittel in möglichen Strafverfahren sein.

Neben der etwas jüngeren Masche des SMS- und WhatsApp-Betruges sind auch klassische Telefonbetrugsmaschen nach wie vor hochaktuell. Am gängigsten sind noch immer Anrufe falscher Polizisten und vermeintlicher Enkel. Am Telefon geben sich die Täter als Amtspersonen aus. Ein Angehöriger habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Nur gegen Zahlung eines hohen Geldbetrages komme er wieder frei. Auch die erfundene Geschichte von festgenommenen Mitgliedern einer Einbrecherbande, bei denen man einen Zettel mit Namen und Adressen der Angerufenen gefunden habe, nutzen Betrüger regelmäßig als Vorwand. Nun seien Geld und Schmuck zu Hause bei den Angerufenen nicht mehr sicher. Beamte in Zivil würden Wertgegenstände und Bargeld abholen und in Sicherheit bringen. Beim Enkeltrick geben sich die Täter als Angehörige aus. Sie seien in finanzieller Not. Jemand anderes werde das Geld abholen kommen, da man selbst verhindert sei.