Bestenfalls ein Appetithappen

Oliver Welke hatte in der „heute show“ nur Spott übrig für den Faltkarton aus dem Hause Klöckner – dabei ist die Mitnahmebox für Essensreste an sich eine prima Sache. Foto: Screenshot heute show

In Rheinhessen verwenden bislang nur fünf Restaurants die von Julia Klöckner propagierte Mitnahme-Schachtel „Beste-Reste-Box“. Woran liegt‘s?

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RHEINHESSEN. Seit Freitagabend dürfte sich der Bekanntheitsgrad der Initiative „Restlos genießen“ sowie der dazugehörigen Pappschachtel drastisch erhöht haben. In der ZDF-heute-show machte sich Oliver Welke minutenlang über die orange-grüne Box und ihre vermeintliche Erfinderin, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), lustig. „Für mich schon jetzt die Schlüsseltechnologie der Zukunft“, spottete der TV-Entertainer über die Innovation, die nichts anderes ist als ein Mitnahmekarton für Essensreste, und veralberte die Ministerin als „Boxenluder“.

Neue Restaurantkultur? Eine Wunschvorstellung

Ein zündender Gag. Allerdings irrt der gute Welke in einem Punkt: Die Aktion „Restlos genießen“ ist mitnichten eine Erfindung Klöckners. Sie berief sich lediglich darauf, als sie kürzlich unter Mediengetöse eine Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung startete. Der Startschuss zu „Restlos genießen“ fiel bereits im März 2015, als noch Klöckners Vorgänger Christian Schmidt (CSU) das Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung leitete. Zwei Partner taten sich damals zusammen, um gemeinsam das Wegwerfen von Essensresten in der Gastronomie einzudämmen: die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ aus dem Ministerium selbst sowie das Infoportal „Greentable“ für nachhaltige Gastronomieangebote. Fast 25 Kilogramm Lebensmittel pro Gast werden im Jahr in Restaurants, Großküchen und im Eventcatering weggeworfen, wurde damals errechnet. Abhilfe versprach die „Beste-Reste-Box“, eine faltbare und biologisch abbaubare Schachtel – sie sollte dem Personal das Einpacken und den Gästen das Mitnehmen nicht aufgegessener Speisen schmackhaft machen und „zu einem festen Bestandteil der Restaurantkultur werden“, wie es vollmundig hieß.

Eine Wunschvorstellung, muss vier Jahre später konstatiert werden. Ausweislich der Website des Ministeriums arbeiten in Rheinhessen gerade mal fünf Restaurants mit der „Beste-Reste-Box“: „Gebert’s Weinstuben“ in der Mainzer Neustadt, die Gutsschänke Hildegardishof in Bingen-Büdesheim, der Essenheimer Domherrnhof, das Restaurant Mundart in Saulheim, die Weinstube Zur Sandmühle in Wahlheim – Ende der Liste.

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Was natürlich nicht heißt, dass sonst keine Restaurants ihren Gästen übrig gebliebene Speisen einpacken. Allerdings werden woanders dazu meistens Schachteln aus Kunststoff verwendet. Die sind zwar umweltschädlicher, aber in der Anschaffung deutlich billiger. Womöglich ist das einer der Gründe dafür, dass die „Beste-Reste-Box“ – an sich eine prima Idee – in der knapp kalkulierenden Gastronomie keine flächendeckende Resonanz findet.

„Ein hübscher und appetitlicher Anblick“

In „Gebert’s Weinstuben“ in Mainz kommt die Schachtel schon länger zum Einsatz als Julia Klöckner Ministerin ist, wie Seniorchefin Marianne Gebert berichtet: „Eine saubere Sache! Wir brauchen keine Plastikschälchen mehr. Die Leute sind begeistert und wir müssen viel weniger wegwerfen als früher.“ Den Kollegen könne sie die Schachtel nur empfehlen. Ein Urteil, dem man sich im Saulheimer Restaurant Mundart nur anschließen kann. „Vielen Leuten ist es peinlich, darum zu bitten, Reste für sie einzupacken“, sagt Beatrix Hebestreit, die Frau des Inhabers. „Also fragen wir von uns aus, wenn etwas übrig bleibt, ob wir es einpacken dürfen. Die Leute freuen sich dann immer beim Anblick der Boxen: Die sehen einfach hübsch und appetitlich aus.“