3500 Euro für drei tote Hunde in Hamm

Weil er seine Tiere in einem überhitzten Transporter zurückgelassen hatte, wurde der Halter jetzt zu einer Geldstrafe verurteilt.

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HAMM. Es war das schreckliche Ereignis im vergangenen Wonnegau-Jahr, das für am meisten Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Und zwar bundesweit. Sogar auf die Online-Startseite Deutschlands größter Boulevard-Zeitung hatte es der Vorfall geschafft. Ende April hatte in Hamm ein Hundebesitzer seine drei Tiere alleine in einem Kleintransporter zurückgelassen, während er zu einem geschäftlichen Termin ging. Ein Gespräch, das rund eineinhalb Stunden dauerte. Eineinhalb Stunden, in denen bei fast 30 Grad Außentemperatur erbarmungslos die Sonne auf den Transporter knallte. Die Hunde, zwei Leonberger und ein junger Bullmastif, hatten – zumal ohne Luftzufuhr – keine Chance. Michael Sehr von der Tierrettung Rhein-Neckar, der damals vor Ort war, schätzte, dass es in dem Fahrzeug mindestens 60 Grad heiß gewesen sein muss. Die drei Hunde starben noch am selben Abend in einer Ludwigshafener Tierklinik. Und Tierretter Sehr, dessen Rettungsversuche in diesem Fall vergeblich waren, erstattete Anzeige bei der Polizei in Worms.

Strafmaß wird unterschiedlich gewertet

Wie diese Zeitung auf Nachfrage nun erfahren hat, wurde der Mann aus dem Landkreis Bad Dürkheim zwischenzeitlich zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 50 Euro – also zu 3500 Euro – verurteilt. Diese Strafe, so die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller in Mainz, habe er auch vollständig gezahlt. Das Verfahren sei somit abgeschlossen.

Als diese Zeitung Tierretter Michael Sehr erreicht, um ihn über die Strafe zu informieren, muss er schlucken: „Das ist aber wenig.“ Sehr hätte sich ein härteres Durchgreifen gewünscht. Auch wenn er zugibt, dass es schwierig ist, das richtige Maß in einem solchen Fall zu finden. Schließlich sei das Ganze natürlich keine Absicht gewesen.

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Aber eben auch kein tragischer Unfall, der nicht zu verhindern war. Sehr vermutet, dass zur Urteilsfindung auch beigetragen hat, dass der Mann selbst stark daran zu „knabbern“ hatte. Trotzdem hätte Sehr sich vor allem gewünscht, dass der Mann ein allgemeines Tierhalteverbot ausgesprochen bekommt. Das ist nicht der Fall.

Im Nachgang des Vorfalls ist durch das Veterinäramt der Kreisverwaltung Bad Dürkheim die Tierhaltung des Hundehalters kontrolliert worden. Zu diesem Zeitpunkt, so eine Sprecherin der Kreisverwaltung, habe der Mann Vögel und eine Katze gehalten. Hunde hatte er keine mehr. „Bei der Kontrolle konnten keine tierschutzrechtlichen Verstöße festgestellt werden“, so die Sprecherin. Da der Mann keine Hunde mehr gehalten habe, hätte auch keine Überprüfung der Eignung zur Haltung von Hunden stattgefunden. „Sollte sich der Tierhalter erneut Hunde anschaffen, kann die behördliche Überprüfung der Haltungseignung nachgeholt werden“, heißt es vonseiten der Kreisverwaltung.

Auch die bekannte Tierrechtsorganisation „Peta“ hatte den Mann damals angezeigt, nachdem sie durch die Medien vom Tod der drei Hunde erfahren hatte. Und während Sehr die Strafe für den Hundehalter zu gering findet, schlägt „Peta“ andere Töne an. „Das sind tolle Nachrichten“, sagt Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechtsabteilung von Peta, als er vom Strafmaß erfährt. Er ist überrascht. „Man muss in diesem Land froh sein, wenn es überhaupt zu einer Strafe kommt“, so Haferbeck. Zu oft würden Verfahren im Tierschutzbereich einfach eingestellt werden und Täter ungeschoren davonkommen. Und dabei sind nach dem Tierschutzgesetz bei Tierquälerei bis zu drei Jahren Haft möglich.

Von Pascal Widder