Warum echte Bauklötze cool sind

Ein kleines Mädchen tippt auf seinen Tablet-PC.Foto: dpa  Foto: dpa

(reh). Smartphones, Tablets und PC faszinieren Kinder – auch ganz kleine im Vorschulalter. Das ist nicht per se schlecht, sie lernen dabei für die Zukunft. Aber zu intensive...

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FRANKFURT. (reh). Smartphones, Tablets und PC faszinieren Kinder – auch ganz kleine im Vorschulalter. Das ist nicht per se schlecht, sie lernen dabei für die Zukunft. Aber zu intensive Nutzung ist riskant. Die analoge Welt wird unattraktiv und schließlich ausgeblendet.

Die Techniker Krankenkasse (TK) und die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) wollen mit dem Pilotprojekt „DigiKids“ gegensteuern, es soll Kindern und Eltern den richtigen Umgang mit digitalen Medien vermitteln. Die Kooperationspartner sind dazu an Kitas in Hessen unterwegs und nutzen die Kontakte, die die HLS bereits hat. Interessierte Kindergärten können sich aber auch bei dem Projekt melden.

„Es geht darum, eine Balance zu finden zwischen On- und Offline-Zeit“, sagte Wolfgang Schmidt-Rosengarten, Geschäftsführer der HLS in Frankfurt, am Donnerstag bei der Präsentation von „Digi-Kids“. „Bei Kindern wird der Anteil der Zeit immer größer, die sie in der digitalen Welt verbringen.“ Da seien auch Erwachsene in der Verantwortung. Eltern, die während des Abendessens mal schnell ihre Dienstmails checken, geben eben kein gutes Vorbild. In bestimmten Situation müsse Mediennutzung tabu sein, etwa bei den Mahlzeiten oder im persönlichen Zwiegespräch.

Die Online-Welt solle nicht verteufelt oder verboten werden, betonte Thomas Holm, Leiter Gesundheitsförderung bei der TK: „Auf die Dosis kommt es an.“ Grenzen müssten sein: „Niemand würde sein Kind in ein Süßwarengeschäft lassen und sagen: Du wirst schon merken, wenn Du genug hast.“ Eine in dieser Woche publizierte Studie, die vor Suchtgefahr durch zu viel Konsum digitaler Medien warnte, gebe „dringende Hinweise, dass wir richtig liegen“.

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Projektleiter Benjamin Wockenfuß hat bei Workshops in Kindergärten seit April schon erste Erfahrungen gesammelt. Seine Botschaft: „Digital ist cool, analog erst recht.“ Erlebnisse in der realen Welt seien wichtig. Beispielsweise Seiten eines Buches umzublättern. Er erlebe Kinder, die stattdessen auf ein Bilderbuch tippen wie auf ein Smartphone. Manche digitalen Angebote seien einfach nicht sinnvoll: „Wir brauchen keine App, mit der Kinder Bauklötze aufeinanderstapeln.“

Das Pilotprojekt ist auf vier Jahre angelegt, die Techniker Krankenkasse stellt dafür 400 000 Euro zur Verfügung. Bei großem Interesse sei man bereit, die Summe deutlich zu erhöhen, sagte Holm.