Nachtruhe für das „Nizza“

Es ist eines der schönsten Fleckchen am Frankfurter Mainufer: das „Nizza“ zwischen Friedens- und Untermainbrücke. Bisher war es frei zugänglich, jetzt hat die Stadt...

Anzeige

FRANKFURT. Es ist eines der schönsten Fleckchen am Frankfurter Mainufer: das „Nizza“ zwischen Friedens- und Untermainbrücke. Bisher war es frei zugänglich, jetzt hat die Stadt einen Bauzaun um das 4,4 Hektar große Areal aufstellen lassen. Von 7 Uhr bis 21 Uhr ist geöffnet, nachts herrscht Ruhe.

„Die Pflanzen haben durch die starke Nutzung gelitten und müssen geschützt werden“, erklärt Heike Appel, stellvertretende Leiterin des Grünflächenamts. Deshalb könne man das Gelände, nach Angaben der Stadt einer der größten südländischen, öffentlich zugänglichen Gärten nördlich der Alpen, nicht rund um die Uhr offen halten wie bisher.

Zwischen Bananen und Dattelpalmen

Die Pflanzen sind mediterran bis exotisch, das hat dem Nizza seinen Namen verschafft. Bananen gedeihen hier, Dattelpalmen, Feigen, Korkeichen und Mammutbäume. Das hat mit der Südlage des Parks zu tun. Die Kaimauern aus rotem Sandstein halten den Wind ab, und der Main reflektiert die Sonneneinstrahlung.

Anzeige

Viele Menschen, viel Müll: Das kennt man auch von anderen Stellen am hoch frequentierten Mainufer. Aber da ist meist nur Gras, es kann nicht so viel kaputtgehen. Im Nizza schon. Es gebe „Personen, die insbesondere in den Nachtstunden quer durch die Beete laufen und dadurch die empfindlichen mediterranen Pflanzungen zerstören“, informiert ein Schild, das am Bauzaun um Verständnis für die Sperrung wirbt. Man habe jetzt nachgepflanzt, wo Pflanzen zerstört gewesen seien, sagt Appel.

Ein anderes Thema wird nicht offiziell erwähnt: Obdachlose, die im Nizza übernachtet und ihre Notdurft dort verrichtet haben. Das ist nicht neu. In den 1990er Jahren waren es vor allem deutsche Obdachlose, die dort die Nächte verbrachten. Vor drei Jahren registrierten die Stadtgärtner, dass Osteuropäer das Nizza zum Aufenthaltsort auserkoren hatten. Das Areal ist abgeschieden und durch seine Lage wärmer als andere Stellen am Ufer. Schon 2014 dachte das Grünflächenamt über einen Zaun nach.

Jetzt also ist es soweit. Der Bauzaun zeige Wirkung, sagt Appel. „Da kommt man nicht rüber.“ Falls das doch jemand versuchen sollte, habe das Ordnungsamt eine Handhabe für Sanktionen. Schön sieht das Gestell mit den Betonpfeilern allerdings nicht aus. Es soll auch nur eine Übergangslösung sein: „Wir wollen den Bauzaun durch einen festen Zaun ersetzen“, sagt Appel. Allerdings nicht vor dem Herbst. Das Nizza sei eine denkmalgeschützte Anlage, deshalb sei eine Abstimmung mit dem Denkmalamt nötig.

Dass pflegeintensive Anlagen nachts geschlossen seien, sei im Übrigen nicht außergewöhnlich. Auch der Bethmannpark mit seinem Chinesischen Garten im Nordend und der Koreanische Garten im Grüneburgpark würden abends zugesperrt. Und das Nizza wird schon seit Langem komplett zugemacht, wenn bei großen Ereignissen wie dem Museumsuferfest Hunderttausende Besucher am Main unterwegs sind.