Nach Abbau der Erdogan-Statue in Wiesbaden: Kritik an OB...

Die Erdogan-Statue. Foto: Erdal Aslan

Nach dem Abbau der Erdogan-Statue haben sich die Emotionen noch nicht abgeschwächt. Nun wird auch heftige Kritik an Wiesbadens OB Sven Gerich laut.

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WIESBADEN. Knapp 24 Stunden nach dem Abbau der Erdogan-Statue am Platz der Deutschen Einheit gehen die Emotionen weiterhin hoch. Auch heftige Kritik an Oberbürgermeister Sven Gerich wird laut. Dieser hatte das Kunstwerk entfernen lassen, was zuvor schon mehrere Organisationen gefordert hatten. Kurioserweise sowohl Erdogan-Befürworter als auch Erdogan-Gegner. Der türkische Generalkonsul aus Frankfurt sah den eigenen Präsidenten verunglimpft und schrieb im Internet, er erwarte, „von der Stadt Wiesbaden, die Statue so schnell wie möglich zu entfernen“.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland teilte mit: „Das hat mit Kunst nichts mehr zu tun. Ein Kunstobjekt von einem Diktator hat in Wiesbaden nichts zu suchen.“ Auch die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisierte, dass die Statue die Gefühle der Opfer von „Erdogans schweren Menschenrechtsverletzungen verletzt. Die Kunstfreiheit ist nicht schrankenlos, sondern stößt an ihre Grenzen, wenn sie die Gefühle anderer Menschen verletzt. Auch deutsche Staatsbürger werden willkürlich von Erdogan verhaftet und in Haft gehalten“.

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Der Vorsitzende der Europa-Union, Peter Niederelz, forderte von den Verantwortlichen der Biennale eine Entschuldigung und sagte: „Diese Aktion ist völlig inakzeptabel.“

"Abbau kommt Kunstzensur gleich"

Doch die Erdogan-Statue findet auch Zustimmung. Der Wiesbadener Künstler Andreas Petzold stellte fest: „Wenn Kunst und Kultur polarisieren, dann haben die Ideengeber, Macher und Verantwortlichen etwas richtig gemacht. Der Abbau der Skulptur kommt der Kunstzensur gleich.“

Klaus-Dieter Lork, der für die AfD im städtischen Kulturbeirat sitzt, fragte: „Wenn die Stadt nicht einmal einen Tag lang ein Kunstwerk schützt, weil die Sicherheit nicht mehr weiter gewährleistet werden kann, ist die Stadt dann überhaupt noch in der Lage die Sicherheit der Bürger in der Stadt zu gewährleisten?“ Er warf Oberbürgermeister Sven Gerich vor, zunächst „vollmundig“ die Freiheit der Kunst verteidigt zu haben. „Wenige Stunden später knickte er dann vor dem türkischen Gewaltpotenzial der Parallelgesellschaften im Inneren Westend ein.“

Auf Kosten der Steuerzahler aus dem Ruder gelaufen?

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Aus ganz anderem Grund griff Horst Klee, Alterspräsident des Hessischen Landtags und Wiesbadener CDU-Ehrenvorsitzender, den OB an: „Was mir gegen den Strich geht, ist die Aussage des Oberbürgermeisters, man habe nicht gewusst, wessen Statue da aufgestellt wird. Das kann doch niemand glauben, dass die beantragen, eine vier Meter hohe Statue aufzubauen – und im Rathaus weiß niemand, wer da gezeigt wird. Immer wenn’s eng wird, übernimmt der Oberbürgermeister nicht die Verantwortung.“

Im Nachgang des Großeinsatzes der Polizei forderte der Fraktionsvorsitzende von Freie Wähler/Bürgerliste, Christian Bachmann, eine Aufstellung der Kosten: „Die Aktion ist aus dem Ruder gelaufen – auch auf Kosten der Steuerzahler. Diese fahrlässig verursachten Kosten sollten nach dem Verursacherprinzip aus der Förderung wieder entnommen werden.“