Hauptzollamt Frankfurt hat Drogenschmuggel im Blick

„Das Darknet lässt grüßen.“ Mit diesen Worten beschreibt Albrecht Vieth, was sich im vergangenen Jahr auffällig geändert hat. Im sogenannten Darknet, dem dunklen Teil...

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FRANKFURT. „Das Darknet lässt grüßen.“ Mit diesen Worten beschreibt Albrecht Vieth, was sich im vergangenen Jahr auffällig geändert hat. Im sogenannten Darknet, dem dunklen Teil des Internets, gibt es auch Handelsplätze für Waffen, Rauschgift oder gefälschte Produkte. Wenn diese Sachen an die Kunden ausgeliefert werden, kommt Vieth ins Spiel. Denn er ist Leiter des Hauptzollamts Frankfurt, das auch für den Flughafen und die dort angesiedelten Fracht- und Postzentren zuständig ist. Dort wird ein großer Teil der illegalen Güter umgeschlagen. Und der Zoll stellt nach den Worten Vieths „eine extreme Verlagerung des Drogenschmuggels vom Reise- in den Postverkehr“ fest.

5296 Kilo Rauschgift sind im Jahr 2016 am größten deutschen Flughafen in Frankfurt sichergestellt worden. Das waren zwar 36 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie Vieth bilanziert. Die Zahl der Drogenfunde ist aber gestiegen: um 182 Prozent auf 4675. Der größte Teil davon wurde in der Post entdeckt: 4515 Mal wurde der Zoll bei Kontrollen fündig. Die übrigen Funde verteilen sich auf Reisende, ihr Gepäck und die Fracht.

Täglich landen 35 Hochrisikoflüge

Der Frankfurter Flughafen bleibt ein Drehkreuz für den weltweiten Drogenschmuggel. Jeden Tag landen 35 sogenannte Hochrisikoflüge auf Rhein-Main, in denen der Zoll Schmuggler vermutet, die Drogen oder geschützte Tiere im Gepäck haben. Diese Flüge werden mit besonderer Sorgfalt beobachtet – und keineswegs nur an den Schleusen, durch die jeder Reisende muss. Vieth betont, dass im Flughafen auch Zöllner in Zivil unterwegs sind und Reisende auch noch vor den Terminals mit Kontrollen rechnen müssen.

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34 Drogenkuriere wurden im vergangenen Jahr festgenommen, darunter neun sogenannte Schlucker, die das Rauschgift im Körper tragen. Der krasseste Fall war der einer jungen Frau aus Kolumbien, die ein Kilogramm Kokain in Brustimplantaten transportierte. Sie wollte eigentlich nach Spanien weiterreisen, um das Rauschgift abzuliefern. Den Zöllnern war sie aufgefallen, weil es ihr gesundheitlich nicht gut ging und sie sich bei der Befragung in Widersprüche verstrickte.

Umgerechnet 900 Euro waren der Mutter zweier Kinder für den lebensgefährlichen Kurierdienst versprochen worden. Stattdessen bekam sie zweieinhalb Jahre Haft.

Neben der Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität füllt der Kampf gegen Schwarzarbeit, Produktpiraterie, Geldwäsche oder Arzneimittelfälschungen die Arbeitstage der gut 900 Mitarbeiter des Frankfurter Hauptzollamts; rund 700 von ihnen sind am Flughafen eingesetzt.

Besonders stolz sind die Zöllner auch auf ihre vierbeinigen Kollegen: 32 Spürhunde stehen in Diensten des Hauptzollamtes. 26 sind auf Drogen spezialisiert, drei auf Tabak und Bargeld, einer auf geschützte Tierarten und zwei auf Waffen und Sprengstoff. Seit Kurzem gehören zwei Jagdhunde, ein Deutsch-Kurzhaar-Rüde und ein Weimaraner, zur Schnüfflertruppe, in der bisher meist Schäferhunde eingesetzt worden sind.

Von Rainer H. Schlender