Der Frankfurter Garten ist insolvent

Boris Wenzel vom Frankfurter Garten hegt die Pflanzen und hofft, dass das auch so bleiben kann.Foto: René Vigneron  Foto: René Vigneron

In den Hochbeeten wachsen Salatpflänzchen, Kräuter und Tomaten, Bienen umschwirren ihre Behausungen, Kinder buddeln im Sandkasten: Im Frankfurter Garten, eines der größten...

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FRANKFURT. In den Hochbeeten wachsen Salatpflänzchen, Kräuter und Tomaten, Bienen umschwirren ihre Behausungen, Kinder buddeln im Sandkasten: Im Frankfurter Garten, eines der größten Urban-Gardening-Projekte in Hessen, sieht alles aus wie immer.

Aber das idyllische Bild trügt. Der gleichnamige Verein, Träger des Projekts auf dem Danziger Platz im Ostend, ist insolvent. Aktuell werde ein Sanierungsplan erarbeitet, sagt Ilona Lohmann-Thomas, Vereinsvorsitzende seit 2015. Mit den Gläubigern werde verhandelt. Einer davon ist das Finanzamt. Über die Höhe der Schulden sagt Lohmann-Thomas nichts, davon habe der mit dem Rettungsplan befasste Rechtsanwalt abgeraten.

Keiner weiß, wie es zu so vielen Schulden kam

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Unter den Gärtnern kursieren Summen im mittleren fünfstelligen Bereich. Wie die Schulden entstehen konnten, kann sich keiner von ihnen so recht erklären. Die Stadt überlässt dem Verein das 2500 Quadratmeter große Areal umsonst, Mainova sponsert das Wasser. Firmen wie Fraport, die Baumarktkette Hornbach und der Regionalpark Rhein-Main unterstützten das Projekt, als es 2013 startete. Für diese Anschubfinanzierung hätte Mehrwertsteuer gezahlt werden müssen, sagt Lohmann-Thomas. Der damalige Vorstand habe aber keine Steuererklärung gemacht. „Das schlägt unfassbar zu Buche. Ich bin die Erste, die Jahresabschlüsse gemacht hat.“

Jetzt hat der Verein die Notbremse gezogen. „Wir haben alle Kosten runtergefahren, wir kommen zurzeit mit 1000 Euro im Monat aus.“ Die würden für die Toilettenanlage gebraucht, für Versicherungen, für den Bauzaun um das Gelände. Um Geld zu sparen, ist der Markt am Mittwoch abgeschafft worden, es gibt keinen Strom mehr.

„Wir arbeiten jetzt ganz exklusiv mit Autobatterie“, sagt Lohmann-Thomas selbstironisch. Das reiche aus, um Getränke zu kühlen, die der kleine Kiosk verkauft. Ohnehin ist die Gastronomie nicht mehr jeden Tag geöffnet, sondern nur noch am Wochenende. Samstags und sonntags gibt es von 12 Uhr bis 18.30 Uhr Kaffee und Kuchen.

Auf diesem Niveau kann es erst einmal weitergehen, aber auf Dauer werden rund 40 000 Euro gebraucht, um das Projekt weiterführen zu können. Der Verein ruft zu Spenden auf, sie fließen auf ein Treuhandkonto. Vorstandsmitglied Boris Wenzel betont: „Jeder bekommt eine Spendenquittung. Wenn wir scheitern sollten, gibt es das Geld zurück.“

Wie schwierig es ist, Spenden und Sponsoren zu bekommen, haben sie schon erfahren. Im Herbst habe der Verein versucht, Sponsoren an Bord zu bekommen, erzählt Lohmann-Thomas. 300 große Firmen habe man angeschrieben und „nette Antworten“ bekommen. Aber keine einzige Zusage. Bis August ist Zeit, das Geld zusammenzukriegen. Geht das schief, wird der Verein nach Angaben von Lohmann-Thomas wohl aufgelöst. Findet sich ein anderer Träger, kann es trotzdem weitergehen. Wenn nicht, ginge ein Projekt zu Ende, das 2013 ambitioniert begonnen hatte. Zuerst standen nur einige bepflanzte Blumenkübel auf dem Danziger Platz, bis dahin ein öder Parkplatz. Dann wurde eine kleine Werkstatt gebaut, ein Gewächshaus, die Gastronomie, Bienenstöcke kamen dazu.

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In Veranstaltungen, Workshops und Seminaren ging es um kleine Fragen („Wie baue ich ein Hochbeet“), aber auch um große: Nachhaltigkeit, die essbare Stadt. Bis Anfang des Jahres bewirtschaftete der Frankfurter Garten einen Holzpavillon in der Innenstadt, in einem Brückenpfeiler wurden Pilze gezüchtet.

Die Stadt würde begrüßen, wenn es weiterginge. Man habe die Zwischennutzung des Platzes immer befürwortet, sagt ein Sprecher des Planungsamtes.

Lohmann-Thomas wünscht sich mehr Unterstützung der Stadt. Gerade jetzt wäre ein bisschen Werbung hilfreich, meint sie. Aber noch gebe es ja Hoffnung: „Wir haben Wasser, wir haben Pflanzen, wir haben Gärtner.“