Wortpiratin rot-weiß: Mara Pfeiffer besucht den Mainzer...

Wortpiratin Mara Pfeiffer besucht Christoph Kaster in seiner Kneipe „Hafeneck“. Er wünscht sich, dass Mainz 05 zu seiner Identität durch die treuen Fans zurückfindet.Foto: Malino Schust  Foto: Malino Schust

„Ich sitze hier als Veteran“, diesen Satz sagt Christoph Kaster beim Dreh zur Kolumne gleich mehrfach. Es hat eine Bedeutung für ihn, quasi immer dabei gewesen zu sein bei...

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MAINZ. „Ich sitze hier als Veteran“, diesen Satz sagt Christoph Kaster beim Dreh zur Kolumne gleich mehrfach. Es hat eine Bedeutung für ihn, quasi immer dabei gewesen zu sein bei Mainz 05. So, wie er umgekehrt eine Bedeutung hat für viele, die den Verein im Herzen tragen, weil er dessen Geschicke in guten wie in schlechten Zeiten begleitet. Früher zum Beispiel mit dem Hafeneck-Bus, der vor allem nach dem ersten Aufstieg etliche Auswärtsspiele ansteuerte.

Wortpiratin Mara Pfeiffer besucht Christoph Kaster in seiner Kneipe „Hafeneck“. Er wünscht sich, dass Mainz 05 zu seiner Identität durch die treuen Fans zurückfindet.Foto: Malino Schust  Foto: Malino Schust

„Da waren 50, manchmal in zwei Bussen auch 100 Leute unterwegs und trotzdem war hier die Hütte voll“, erinnert er sich und macht dabei eine ausladende Geste durch seine Kneipe, das Hafeneck in der Neustadt. Legendäre Ausflüge waren darunter, wie der im Mannschaftsbus der Amateure zur TSG Hoffenheim. Weil die Polizei glaubt, die Truppe sei irgendwie offiziell, werden die Fans ans Stadion eskortiert. Dabei singen sie: „Wir sind die Spielerfrauen.“ Kaster lacht kehlig bei der Erinnerung. Schön war das, damals.

Zugegeben, gerade die zehn Jahre von Wolfgang Frank bis Jürgen Klopp taugen für Anekdoten, die jedem 05er das Herz aufgehen lassen. „Das sollte man sich bewahren“, findet Kaster, aber betont zugleich: „Wir sollten der Zeit nicht nachtrauern.“ Zwar sei früher mehr Rock’n’Roll gewesen, die Atmosphäre im Stadion eine andere, aber: Neue Geschichte wird immer in der Gegenwart geschrieben. Und die, so der 05-Veteran, gelte es zu gestalten.

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„Ich finde, sie sollten auf junges Publikum setzen“, empfiehlt Kaster in Richtung des Vereins, auf eine echte Szene eben, denn: „Mit Kunden gewinnt man keine Meisterschaft.“ Wobei das weniger sportlich gemeint ist, als in Bezug auf die Stadionatmosphäre. Hier lassen die 05er aus der Sicht des leidenschaftlichen Wirtes viel brachliegen, auch in der Gastronomie. „Andere Vereine haben nicht einen Caterer, sondern mehrere lokale Kneipiers. Jeder betreibt einen Stand und steht dafür mit seinem Namen. Was da möglich wäre!“

Was ihm gleichfalls am Herzen liegt, ist die Musik im Stadion. Nicht nur, weil er mit seiner Punkband „Die Frohlix“ Mitte der 1990er die 05-Platte „Wir seh’n die Welt nur rot-weiß-rot“ aufgenommen hat. „Es gab damals so viele Bands, musikalisch ganz verschieden, die alle den FSV besungen haben. Das war einmalig in der Art und der Verein hat leider nichts daraus gemacht.“ Wieso die Hymne „Mainz 05, Liebe meines Lebens“ der Rimini Piranhas nicht längst „You’ll Never Walk Alone“ ersetzt hat, kann Kaster nicht nachvollziehen, immerhin ist Identität aktuell wieder ein großes Thema im Verein.

Es gehört zu den Eigenschaften des Mister Hafeneck, den Finger auch mal in Wunden zu legen. Früher hat er dies unter der Überschrift „Es ist 5 Uhr morgens“ im Forum Kigges getan, heute eher im persönlichen Gespräch an seiner Theke nach den Spielen der 05er. Dabei raucht er Selbstgedrehte, gibt Anekdoten zum Besten und lacht, dass die Wände wackeln. Es gibt ja auch ernsthaft keine Alternative: Probleme sind da, um gelöst zu werden. Und die guten alten Zeiten können wir nur alle gemeinsam ins Hier und Jetzt übertragen.

Von Mara Pfeiffer