Wortpiratin: Meister der flachen Hierarchie

aus Wortpiratin Mara Pfeiffer

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Jan-Moritz Lichte (links) und Michael Falkenmayer sind seit Sommer 2017 Teil des 1. FSV Mainz 05. Ihre Wege hin zu diesem Job jedoch waren grundverschieden. Foto: Malino Schust

Jan-Moritz Lichte und Michael Falkenmayer sind Co-Trainer bei den 05ern.

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MAINZ. In der Generation alter, knorriger Trainer, denen der Nimbus von Unnahbarkeit anhaftete, fungierten Co-Trainer oft als lebendige Verbindungselemente zur Mannschaft. In einer Konstellation wie dem Trainerteam in Mainz wirken solche Mechanismen weit weg. „Sandro ist sehr nah an den Spielern, aber ich glaube, wir sind es auch“, sagt Jan-Moritz Lichte. Und über die Dynamik mit Michael Falkenmayer: „Wir haben nicht den Fall, dass einer den Guten und einer den Bösen spielt. Jeder hat als Typ seine Verbindung zu den Spielern.“ Beide, Lichte und Falkenmayer, sind seit Sommer 2017 Co-Trainer unter Sandro Schwarz. Ihre Wege hin zu diesem Job jedoch waren grundverschieden. Lichte, der als Spieler auf Oberliga-Niveau kickte, war zuvor unter anderem Co-Trainer bei St. Pauli und in Leverkusen. Dort bezeichnete Rudi Völler ihn als „hochbegabten Trainer“, den er schon damals (2012) für höchste Aufgaben berufen sah. Kein Wunder, schließlich war Lichte 2011 Jahrgangsbester seiner Trainerklasse, in der auch Stefan Hofmann saß. Die Fußballwelt ist eben klein. Das weiß auch Michael Falkenmayer. Er gehörte nicht nur mit Sandro Schwarz zur legendären Aufstiegsmannschaft der 05er unter Jürgen Klopp 2004, sondern stieg auch 2003 mit der zweiten Mannschaft in die Regionalliga auf. Es waren Verletzungen, die ihn immer wieder bremsten und so folgte schließlich der Abschied aus Mainz. Als die 05er vor sechs Jahren bei ihm anklopften, um ihn erneut für die zweite Mannschaft zu gewinnen, musste „Falke“ aber nicht lange überlegen – der Aufstieg in die 3. Liga war sein dritter mit dem Verein. „Ich bin in meiner Arbeit extrem geprägt von Sandro, weil das meine erste Assistenztrainer-Erfahrung war“, sagt Falkenmayer, der mit Schwarz auch im Nachwuchs arbeitete. Die aktuelle Zusammenstellung des Trainerteams empfindet er als ideal, „weil es einmal Leute sind, die den Verein gut kennen und Jan-Moritz nochmal ganz andere Impulse liefert.“ Während er laut nachdenkt, ob das für Lichte ebenfalls bereichernd sei, flachst dieser bereits: „Du tust mir gut.“ Die beiden wirken extrem eingespielt, aufmerksam im Umgang miteinander, fokussiert, wenn es um ihre Themen geht und sehr klar in ihren Positionen. Diese Klarheit erleichtert auch berufliche Entscheidungen. So spürte Lichte in seiner Arbeit im NLZ bei Hannover 96 vor ein paar Jahren, „die Entwicklung, so, wie ich sie mir vorstelle, wird nicht mehr machbar sein.“ Ebenso deutlich war für ihn in den Gesprächen mit Sandro Schwarz und Rouven Schröder, das passt, menschlich und inhaltlich – die Konsequenzen sind bekannt. Und Falkenmayer? Folgte intuitiv und Schritt für Schritt dem Weg in eine Karriere, die der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann so nie geplant hatte. Beide genießen es, heute gemeinsam an diesem Punkt zu sein, Co-Trainer in einem Team, in dem „jeder gehört wird. Das ist für mich wesentlich“, erklärt Lichte, dem die Geduld bei der wiederkehrenden Frage, ob er nicht „mehr“ wolle als das Co vorm Jobtitel, nicht ausgeht. „Ich muss mich nicht in allem durchsetzen. Entscheidend ist, dass alle im Team ernstgenommen werden. Dann bringen wir uns gegenseitig voran und die Mannschaft weiter.“