Wohlklang auas Worten und Tönen: Musikkabarett mit Martin...

Es gibt Köpfe, in die möchte man lieber nicht gucken. Und es gibt das lockige Haupt von Martin Zingsheim: In diesen prall gefüllten Schädel möchte man immer wieder...

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MAINZ. Es gibt Köpfe, in die möchte man lieber nicht gucken. Und es gibt das lockige Haupt von Martin Zingsheim: In diesen prall gefüllten Schädel möchte man immer wieder schauen. Mit seinem Programm „Kopfkino“ überzeugte der Kölner sein Publikum im Unterhaus.

Zingsheim hat nicht nur Musik-, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften und Philosophie studiert, mit 33 Jahren ist er auch schon Vater von drei Kindern und hat bereits viele wichtige Kabarettpreise abgeräumt, darunter den Förderpreis des Deutschen Kleinkunstpreises 2015.

Zingsheims Texte entstehen in erster Linie nicht auf dem Papier, sondern im Kopf. Das macht ihn zu einem fähigen Erzähler. Sprache ist ein Thema, das ihn auch auf der Bühne immer wieder beschäftigt, die Sprache der Politiker zum Beispiel, die mitten im Satz die Richtung wechseln können, oder auch die simplen Online-Texte der Grünen, die wie die Doppelnamen ihrer Mitglieder von Bindestrichen durchzogen sind.

Zingsheim beherrscht nicht nur das gesprochene Wort. Als promovierter Musikwissenschaftler trifft er auch stets den richtigen Ton am Flügel. Zur Verstärkung in Sachen Rhythmus hat er Klaus Schulte und ein ganzes Schlagzeug mitgebracht – eine ungewöhnliche Kombination, die passt.

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„Ich will Sozialkritik, auf die man tanzen kann“, spottet der Rheinländer in einem seiner Lieder über die protestmüde Generation. „Auf der Straße sind die Studenten immer noch, aber unter Heizpilzen.“

Obwohl er seinen Kopf mit so viel Wissenschaft beschwert hat, bewahrte sich Zingsheim eine luftig-leichte Ausstrahlung. Er wirkt erfrischend unverbraucht und überrascht immer wieder mit neuen Einfällen. Gerne wendet er ein perfekt funktionierendes Komikprinzip an: Er bringt zusammen, was nicht zusammenpasst.

So lacht das Publikum laut auf über Bergbauernhemden von Deiters, die beim Zurück-zur-Natur-Erlebnis Allergien auslösen oder über arbeitslose Geisteswissenschaftler, die sich als Stadionsprecher versuchen („Nach einem Satz war Halbzeit.“). Das Gefühl im falschen Film zu sein, hat wohl niemand im Saal. Ganz großes Kopfkino eben.