Wie Luther: "Maria 2.0" schlägt Thesen an Kirchentüren

Andrea Keber (l.) und Beate Berdel-Mantz von der Reforminitiative Maria 2.0 Nieder-Olm schlagen ihre Thesen an die Kirchentüre des Mainzer Doms an.  Foto: dpa

Die Bewegung setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein. In Mainz und Umgebung haben sie ihre Thesen an rund 100 Kirchentüren gehängt.

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MAINZ / KÖLN / REGION. Die katholische Reforminitiative Maria 2.0 hat sich ein Beispiel an Martin Luther genommen und am Sonntag an mehreren Orten in Deutschland Thesen an Kirchentüren aufgehängt, auch in Hessen und Rheinland-Pfalz. In Mainz und Umgebung seien die sieben Thesen der Bewegung an rund 100 Kirchentüren angebracht worden, teilte Andrea Keber von "Maria 2.0" mit. Aktionen gab es unter anderem auch in München, Würzburg, Offenbach und Köln. Die feministische Bewegung setzt sich für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern in der Kirche ein. Sie kämpfen gegen sexuellen Missbrauch, Machtmissbrauch, den Pflichtzölibat und für eine offenere Sexualmoral.

"Wir wollen einfach darauf aufmerksam machen, dass wir da sind und sich unsere Forderungen nicht geändert haben", sagte Keber. Auch die hohen Austrittszahlen aus der katholischen Kirche dürften nicht ignoriert werden. "Wenn die Kirche es ernst meint, dann muss jetzt was passieren. Wer sich auf die Botschaft Jesus beruft, kann keine Menschen ausgrenzen."

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Protest gegen Zurückhaltung eines Missbrauchsgutachtens

2019 hatte "Maria 2.0" schon einmal mit einem Kirchenstreik die katholische Kirche aufgemischt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete Anfang Februar, dass sich die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre mit "Maria 2.0" befasse. Stein des Anstoßes soll ein Protest der Frauenrechtlerinnen gegen die Zurückhaltung eines Missbrauchsgutachtens durch den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sein.

Die Reformerinnen sehen sich nach den Berichten über eine Beobachtung durch den Vatikan in ihrer Arbeit bestätigt. "Das ist ein Ritterschlag", sagte die Mitgründerin der Bewegung, die Münsteranerin Lisa Kötter. "Es zeigt doch, dass wir einen Nerv getroffen haben."

Im Jahr 1517 hatte Martin Luther mit seinen 95 Thesen die Reformation und die Spaltung in die katholische und evangelische Kirche eingeläutet. "Das mit der Kirchenspaltung ist immer ein Gespenst, das aufgebaut wird, wenn Kritiker sich mit uns befassen", sagte Kötter kurz vor der Aktion. "Es heißt ja auch immer, Luther habe die Kirche gespalten, aber das stimmt doch nicht. Gespalten werden die Dinge, die erstarrt sind. Elastische Dinge können Sie nicht spalten."

Von dpa