Von der Straße ins Hotel

INNdependence Hotel bietet Mainzer Obdachlosen einen geschützten Rückzugsort. Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler dankt bei ihrem Besuch den Mitarbeitern.

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MAINZ. OBERSTADT. Mit zwei Taschen bepackt kommt der neue Gast an – eine blau, eine rot. Leicht gebeugt. An der Rezeption wartet bereits Johannes Jung, Hotelleiter des „INNdependence Hotels“ in der Oberstadt. Hinter einer Plexiglasscheibe. Begleitet wird der neue Gast von Sozialarbeiterin Johanna Kerber. Nach einem kurzen Check-in geht es aufs Zimmer – bequem mit dem Fahrstuhl. Er ist nicht der erste Gast. Denn seit Freitag, 27. März, bietet das ausgewiesene Inklusions-Hotel, das von der Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen (gpe) geführt wird, Obdachlosen in der Corona-Krise einen geschützten Raum.

Stadt Mainz ist bundesweit Vorreiter

„Mir ist es ein Anliegen, ein Wort des Dankes zu sagen“, sagt die Sozial- und Gesundheitsministerin des Landes Rheinland-Pfalz, Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD). Sie besucht das Hotel, um sich ein Bild von der Situation zu machen und mit den Mitarbeitern zu sprechen. Diese sind aus ihrer Kurzarbeit zurückgekehrt, um nun solidarisch in der Krise zu helfen. „Wir haben von der Not gehört und haben sie auch gesehen. Wenn es darum geht, Notunterkünfte zu schaffen, warum nicht das leere Hotel nutzen, wo auch die Mitarbeiter zur Verfügung stehen“, erklärt die Ministerin. Denn die Stadt Mainz ist bei diesem Projekt ein Vorreiter – bundesweit. Entstanden ist die Initiative auf Anfrage des Ministeriums bei der Stadt in Zusammenarbeit mit Mediziner Prof. Dr. Gerhard Trabert. So wird Obdachlosen, die zur Risikogruppe gehören, von nun an ein gemütliches Zimmer mit modernem Bad zur Verfügung gestellt.

Ein großräumiges Bett, ein Fernseher und drei Mal täglich eine Mahlzeit – all das können die Gäste jetzt genießen. Drei Sterne eben. Dreißig Bewohner sollen es insgesamt werden. Zudem betont Jörg Greis, Geschäftsführer der gpe: „Die Schutzlosigkeit im öffentlichen Raum fällt weg. Die Bewohner können nun die Hygiene so einhalten, wie es gerade vorgeschrieben ist.“

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Derweil sieht Dr. Eckart Lensch, Dezernent für Soziales und Gesundheit, die Stadt beim Schutz von Obdachlosen gut aufgestellt: „Wir haben eine gute allgemeine Versorgung mit verschiedenen Playern. Ich finde es gut, dass die ,Armut und Gesundheit’ in Kooperation mit dem Hotel Obdachlosen die Möglichkeit bietet, sich zurückziehen zu können.“

Für die Mitarbeiter des Hotels ist Solidarität selbstverständlich: „Wir helfen anderen und haben Arbeit. Der Mensch zählt – Nächstenliebe“, sagt Ana Pusic. Die Nächstenliebe ist auch bei den Bewohnern spürbar: „Mir gefällt alles. Ich finde es gut. Es war neu für mich, dass es ein Hotel ist.“ Daran müsse sich der Bewohner jetzt erst einmal gewöhnen. Am Ende wünscht sich die Sozialministerin, dass sich viele Kommunen ein Beispiel an Mainz nehmen würden. „Es ist ganz wichtig, in solchen Zeiten ein Zeichen des Zusammenhalts zu setzen. Ein ganz großer Akt der Solidarität.“