Verkauf des Eltzer Hofs: Mainzer Club 50 Grad muss am 1....

Das 50 Grad in Mainz muss schließen. Archivfoto: Thomas Pirot

Nach dem Verkauf des Eltzer Hofs in Mainz muss der sich im Keller befindliche Club 50 Grad schon bald schließen. Der Club soll dann einer Tiefgarage für das entstehende...

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MAINZ. Der Club 50 Grad im Eltzer Hof muss in wenigen Wochen schließen. Wie Matthias Orlowski, Geschäftsführer der Keller-Disco in der Mittleren Bleiche berichtet, will der neue Eigentümer des Gebäudekomplexes schon bald mit dem Umbau des Eltzer Hofs in ein Bürohaus beginnen. „Wir müssen zum 1. August zumachen,“ sagt Orlowski der AZ. Nur, wenn sich die Abrissarbeiten verzögern würden, könnte der Club noch etwas länger offen bleiben.

Seit 2001 betreibt Orlowski gemeinsam mit Pascal Hedrich mit Erfolg das bei jungen Mainzern beliebte 50 Grad. Schon seit längerer Zeit ist indes klar, dass er seinen Club schließen muss. Denn das Land als frühere Eigentümerin der Immobilie hatte das Gebäude schon vor einigen Jahren zum Verkauf angeboten – und in den Umbauplänen war die Disco nicht mehr vorgesehen. Denn im Keller soll eine Tiefgarage entstehen.

Orlowski ist nun auf der Suche nach neuen Räumen für das 50 Grad. „Das ist in Mainz aber sehr schwer, da die Stadt in der Innenstadt keine neuen Clubs mehr genehmigen will.“ Diskotheken gelten wie Spielhallen als Vergnügungsstätten – und die seien im Stadtkern nicht mehr erwünscht. Der Club-Standort an dieser Stelle der Mittleren Bleiche sei ideal gewesen, da es in direkter Nachbarschaft keine Wohnbebauung gibt.

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Ehemaliger Konzertsaal wird abgerissen

Orlowski bedauert nicht nur, dass in den Plänen des Landes kein Platz mehr für seine Disco vorgesehen war. Auch, dass der ehemalige Konzertsaal des Eltzer Hofs abgerissen wird, findet er schade. Er habe mit seiner „Fifty Degree Entertainement GmbH“ gemeinsam mit dem Ingelheimer Bauunternehmer Gemünden und der stadtnahen MAG im vergangenen Jahr ein Konzept erarbeitet, wie der im Jahr 2004 geschlossene Veranstaltungssaal wiederbelebt werden könnte. Damals waren bei Umbauarbeiten der städtischen Kongress-Gesellschaft hohe Asbestbelastungen festgestellt worden. „Wir hätten die Halle gerne wieder revitalisiert“, so Orlowski. Die Idee war, dass in der Halle nicht nur wieder Konzerte über die Bühne gehen sollten, sondern der Saal auch für Ausstellungen des benachbarten Landesmuseums, für Orchesterproben oder Vereine hätte vermietet werden können. Zumal es in der Innenstadt keinen Saal gebe, in dem auch lautstarke Konzerte stattfinden könnten.

Das Vorhaben sei bei Oberbürgermeister Michael Ebling auf Zustimmung gestoßen, da damit an die Tradition des Eltzer Hofs als kulturelles Zentrum angeknüpft worden wäre. „Im März 2017 haben wir dem Land diese Pläne vorgelegt. Aber leider ohne Erfolg.“

Zuschlag für Berliner Immobilien-Unternehmen

Das Land hat, wie die AZ aus gut unterrichteten Kreisen erfuhr, den Eltzer Hof Anfang des Jahres an ein Immobilien-Unternehmen aus Berlin verkauft, das mit über fünf Millionen Euro einen weitaus höheren Betrag auf den Tisch gelegt hat, als die Bietergruppe um Orlowski und Gemünden zahlen wollte. Dabei hat das Land wohl vertraglich verbindlich vorgegeben, dass die seit Jahren leer stehende Halle im Gebäudeinneren abgerissen werden muss. Eine Projektgruppe aus Montabaur, die ebenfalls Interesse an der Immobilie angemeldet hatte, erhielt den Zuschlag nicht.

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Der Gebäudekomplex soll nunmehr, so weitere AZ-Informationen, in ein Bürogebäude umgewandelt werden. Pläne, die noch Bestandteil einer Bauvoranfrage in der Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats Anfang Juni waren und die neben Büros unter anderem ein Café, Seminar-, Besprechungs- und Vortragsräume und im Dachgeschoss sechs Wohnungen vorsahen, sind demnach nicht mehr aktuell.

Fassade wird nur teilweise abgerissen

Die Gebäudeteile des nach dem Zweiten Weltkrieg wiederaufgebauten Eltzer Hofs entlang der Mittleren Bleiche sollen demnach weitgehend erhalten bleiben. Nur entlang der Bauhofstraße werde demnach ein Teil der Fassade abgerissen, da diese Öffnung für die Arbeiten zum Abriss des früheren Veranstaltungssaals benötigt wird.

Von Michael Erfurth