USM-Schmierereien: Mainz 05-Vorstandschef Kaluza setzt weiter...

Eine Wand in der Mainzer Altstadt - das Bild ist Teil der Fotodokumentation, die die Grünen im Ortsbeirat Altstadt zusammengestellt haben. Foto: Renate Ammann

Für den neuen Vorstandsvorsitzenden des 1. FSV Mainz 05, Johannes Kaluza, sind die Schmierereien „Gewalt gegen Sachen“. Er positioniert sich bei diesem Thema eindeutig:...

Anzeige

MAINZ. Für den neuen Vorstandsvorsitzenden des 1. FSV Mainz 05, Johannes Kaluza, sind die Schmierereien, die vermutlich aus der Ultraszene von Mainz 05 stammen, „Gewalt gegen Sachen“. Er positioniert sich bei diesem Thema eindeutig und sagt im Gespräch mit der AZ: „Ich bin für einen Dialog mit allen Fangruppierungen und möchte verstehen, welche Bedürfnisse es gibt. Aber wir müssen eine klare Grenze ziehen zwischen Fankultur und Fangewalt.“

Am Dienstag traf Kaluza mit dem Mainzer Polizeipräsidenten Reiner Hamm zusammen. Bei diesem Antritts- und Kennenlerngespräch ging es unter anderem auch um die Schmierereien, die sich über das gesamte Stadtgebiet ziehen und oft die Buchstabenkombination „USM“ (für: Ultra Szene Mainz) oder „FSV“ enthalten.

Kaluza dämpft jedoch die eventuell in das Gespräch gesetzten Erwartungen. Ein konkretes Ergebnis gebe es nicht. „Fangewalt, ob gegen Personen oder Sachen, darf es nicht geben und das muss sanktioniert werden. Wie wir als Verein darauf reagieren, müssen wir aber erst noch konkret besprechen, so etwas braucht Zeit. Ich will keinen Schnellschuss“, sagt er.

Anzeige

Grüne dokumentieren Sachbeschädigungen

Kaluza hat, auch im Vorfeld seiner Wahl zum Vorstandsvorsitzenden mit vielen Fangruppierungen gesprochen, auch mit Vertretern der Ultra-Szene. „Das ist eine sehr heterogene Gruppe. Viele reflektieren, was passiert und nicht jeder findet alles gut“, formuliert Kaluza vorsichtig. Er sei im intensiven Gespräch, wolle das aufgebaute Vertrauen nicht kaputtmachen. Er verspricht: „Ich arbeite an dem Thema Schmierereien.“ In dieser Woche werde es eine Konferenz mit Vertretern anderer Bundesligavereine geben, bei der auch das Verhalten der Fans ein Thema sein werde. Kaluza will sich dort auch informieren, wie andere Vereine mit Schmierereien von Ultras umgehen. „Dieses Problem hat ja nicht nur Mainz.“

Unterdessen lassen die Grünen im Ortsbeirat Altstadt – einem Stadtteil, der stark von den Schmierereien betroffen ist – das Thema weiterhin auf der Tagesordnung. Ortsbeiratsmitglied Renate Ammann (Grüne) hat sich die Mühe gemacht, die Sachbeschädigung in einer Fotoserie zu dokumentieren. „Mehr als 50 Prozent aller Schmierereien gehen auf das Konto sogenannter Mainz-05-Fans“, sagt sie. Schon im Juni dieses Jahres hatte sich der Ortsbeirat deshalb an den neuen Vorstand des Vereins gewandt. Mit dem Appell, Maßnahmen gegen die Schmierereien zu ergreifen. Die Fotodokumentation soll demnächst an Mainz 05 übergeben werden.

Mit gutem Beispiel vorangehen

In der Ortsbeiratssitzung am 13. September werden die Grünen einen Antrag stellen, in dem auch die Verwaltung aufgefordert wird, Gespräche mit dem Vorstand von Mainz 05 aufzunehmen. „Die Stadt sollte den Verein an den Reinigungskosten beteiligen und veranlassen, gemeinsam mit der Fanbetreuung geeignete Konzepte zur Verhinderung künftiger Straftaten zu entwickeln“, sagt Ammann.

Anzeige

Der Ortsbeirat sieht aber auch die Stadt gefordert, wenn es um die Beseitigung von Schmierereien an öffentlichen Gebäuden, Schildern oder Verteilerkästen geht. „Es ist kontraproduktiv, wenn die Stadt nicht mit gutem Beispiel vorangeht“, so Ammann. Selbst beschmierte Hinweistafeln auf das historische Mainz würden nicht überall gereinigt.

Von Alexandra Eisen