Uriges Restaurant „Am Holztor“ im Mainzer Lauterenviertel...

Versteckt zwischen der Rheinstraße und dem Rheinufer im gründerzeitlich-wilhelminischen Lauterenviertel befindet sich das urige Lokal „Am Holztor“, das deftige, gutbürgerliche Küche serviert.Fotos: Jean Wallau  Foto:

Etwas versteckt liegt zwischen der Rheinstraße und dem Rheinufer im gründerzeitlich-wilhelminischen Lauterenviertel das von Stammgästen und solchen, die auf der Suche nach...

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MAINZ. Etwas versteckt liegt zwischen der Rheinstraße und dem Rheinufer im gründerzeitlich-wilhelminischen Lauterenviertel das von Stammgästen und solchen, die auf der Suche nach einem urigen Lokal sind, geschätzte Restaurant „Am Holztor“. Mir war es zuerst aufgefallen, als ich einen befreundeten Kollegen in dieser Gegend besuchte. Und feststellte, dass sich schräg gegenüber ein Restaurant befand, das mir den Anschein einer Traditionsgaststätte vermittelte. Mein Interesse war geweckt.

Und mein Entschluss, dorthin einen Freund einzuladen, wurde mit einem angenehmen Abend mit gutem Essen und fruchtigen Weinen belohnt. Mithin ist das „Am Holztor“ eine kleine Entdeckung. Nicht so für die zahlreichen Stammgäste. Diese Mischung aus Jung und Alt findet sich schon früh im Lokal ein. Auch typisch für eine Mainzer Traditionsgaststätte: Wir wurden zu anderen Gästen hinzugesetzt; reserviert wurden für uns also statt eines Zweiertisches zwei Plätze an einem großen Tisch. Das hat uns gefallen, woran unsere Tischnachbarn einen gewichtigen Anteil hatten.

Klassiker nach „Holztorart“

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Nach Beratung durch die freundliche und umtriebige Kellnerin, die uns mit einem unaufdringlichen „Du“ wie selbstverständlich in die Gästeschar aufnimmt, werden Wurstsalat mit Bratkartoffeln (9,60 Euro), Bauernsülze mit Bratkartoffeln (8,90 Euro) und ein halbes Hähnchen nach Art des Hauses mit Salat und Pommes Frites bestellt (11,80 Euro). Die „Holztorart“ bedeutet, dass das Hähnchen am Ende noch kurz in der Fritteuse krossgebraten und ganz heiß serviert wird. Auch die Bratkartoffeln werden ausreichend lange in der Pfanne zubereitet.

Nach „Holztorart“ bedeutet aber auch eigene Akzente bei anderen Speisen. Es lohnt sich, das zum Beispiel beim saftigen Wurstsalat selbst herauszufinden. Auf der übersichtlichen Speisekarte finden sich Klassiker der sogenannten gutbürgerlichen Küche wie Schnitzel (ab 11,60 Euro) oder Rumpsteaks (21,90 Euro), aber auch die für Rheinhessen typischen kalten Vorspeisen wie „Handkäs mit Musik“ (ab 4,20 Euro) oder „Spundekäs“ (4,90 Euro).

Für mich ist „Am Holztor“ bestens geeignet, Gäste von außerhalb mit den speziellen Zutaten und besonderen Speisen unserer Region vertraut zu machen. Im Sommer kann das auch auf der lauschigen Terrasse vor dem Lokal der Fall sein. Nicht zu vergessen natürlich, die Weine aus Rheinhessen. Ab 3,40 Euro gibt es eine Silvaner-Müller-Thurgau Cuvée als Wein für alle Gelegenheiten (Weingut Prieß, Ingelheim-Großwinternheim). Uns hat ganz besonders der Schelmenstück-Riesling vom Weingut Fogt in Badenheim überzeugt (5,60 Euro).

Oder aber auch die beiden Roten: zum einen die Cuvée „Emilie“ vom Essenheimer Weingut Wagner (4,50 Euro) oder die Cuvée „Deux Noirs“ mit der relativ unbekannten Rebe Dunkelfelder vom Weingut Prieß (5,40 Euro). Für einen Liter hausgesprudeltes Tafelwasser sind nur 3,90 Euro zu bezahlen. Diese Preise sind auch ein Beleg dafür, dass die Betreiber vom „Holztor“ es ernst meinen mit ihrem Motto, gutbürgerliche Küche und regionale Weine zu fairen Preisen anzubieten. Und das mit Qualitätsbewusstsein.

Das Ambiente in dem rustikal-charmanten Restaurant lässt erkennen, dass es hier um die Bewahrung einer gastlichen Tradition mit modernem Engagement geht, die die 130-jährige Vergangenheit mit dem Heute verbinden will. Deshalb sind die Gastwirte – und hier in erster Linie Jörn Karner – bemüht, auch im Netz präsent zu sein. Dort findet der Leser überwiegend positive bis sehr positive Kommentare. Auf die wenigen negativen, bemüht sich Karner einzugehen. So sollte Kundennähe und -pflege meines Erachtens auch sein.

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Von Jean Wallau