Totenvesper für Karl Lehmann: Im Gebet und der Trauer vereint

Der Domchor begleitet die Totenvesper gesanglich und betritt den Hauptaltar vor den Geistlichen. Vor den Kondolenzbüchern bildet sich nach dem gemeinsamen Gebet eine lange Schlange.Foto: Sascha Kopp  Foto: Sascha Kopp

MAINZ. Es gibt kaum noch einen Platz im Dom am Sonntagnachmittag. Die Menschen stehen auf der Treppe des Ostchores und in den Gängen, beten und singen tief berührt mit. ...

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MAINZ. MAINZ. Es gibt kaum noch einen Platz im Dom am Sonntagnachmittag. Die Menschen stehen auf der Treppe des Ostchores und in den Gängen, beten und singen tief berührt mit.

Es ist 15 Uhr, gerade hat 30 Minuten lang die größte Glocke des Mainzer Doms, die Martinusglocke geläutet. In vielen anderen Stadtteilen und Orten des Bistums tun es die Kirchengemeinden dem Dom gleich. Das Bistum trauert.

Die Nachricht vom Tod Kardinal Lehmanns lässt die Menschen in die Stadt strömen. Man könnte meinen, sie wollen in diesem Moment nah bei „ihrem Karl“ sein, in ihrem und seinem Dom. Am Marienaltar des Domes brennen zahllose Kerzen; viele Menschen haben sich bereits in die Kondolenzlisten eingetragen, die auf einem Tisch vor den Altarstufen ausliegen.

Die überwältigende Anteilnahme, auch in den vergangenen Tagen, als bekannt war, dass Kardinal Lehmann im Sterben liege, habe auch ihn und das Bistum beeindruckt und berührt, sagt Bischof Peter Kohlgraf in der Totenvesper am Sonntagnachmittag.

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„Schön, dass sie alle da sind“, begrüßt er die vielen hundert Menschen, die in den Dom gekommen sind. „Wir haben hier im Dom viele Feste gefeiert“, erinnert er an schöne Momente mit dem Kardinal. „Wir haben die Bilder im Kopf von den vielen Jahren, in denen er das Bistum geprägt hat“, sagt er. Insbesondere die Bischofsweihe im August 2017 bleibe ihm im Gedächtnis, als Lehmann Kohlgraf zum Bischof von Mainz geweiht hat. Es war der letzte Gottesdienst Lehmanns im Mainzer Dom.

„Wir möchten ihm über den Tod hinaus von ganzem Herzen danken.“ Er glaube, dass Kardinal Karl Lehmann in seinen letzten Tagen seinen Frieden mit Gott gemacht habe, „und dass er heute gut in Gottes Hände übergegangen ist.“ Am Sonntag „Laetare“, dem Freudensonntag, dürfe man sich trotz der Trauer freuen“, sagt Kohlgraf. „Es ist eine Freude, die tiefer geht als oberflächliche Fröhlichkeit. Aber in diese Freude darf sich auch eine Träne mischen.“

Der Domchor gestaltet die sehr musikalische Vesper mit, singt eine Mottete von Heinrich Schütz. Lehmann war ein großer Befürworter und Förderer der Musica Sacra am Dom.

Der Mainzer Bischof rief erneut dazu auf, bis zur Beerdigung Lehmanns „eine Gemeinschaft des Gebetes“ für den Verstorbenen zu sein. Ab kommendem Mittwoch wird täglich in der Seminarkirche in der Augustinerstraße die Sext gebetet und ein Requiem gefeiert.