„Street Jumper“ feiert 10. Geburtstag

Mit Spiel- und Sportangeboten tourt der „Street Jumper“ durch die Mainzer Stadtteile. Viermal pro Woche können sich Kinder und Jugendliche austoben. Foto: hbz/Stefan Sämmer

In vier Mainzer Stadtteilen machen sie jede Woche Halt: die Betreuer des „Street Jumpers“ vom Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“. Nun feiert das Projekt runden...

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MAINZ. Seit genau zehn Jahren sucht der „Street Jumper“ Kinder und Jugendliche in benachteiligten Wohngebieten der Stadt auf. Jetzt feierte das niedrigschwellige Gewaltpräventions- und Lotsenprojekt mit dem bunten Freizeit- und Gesundheitsmobil zusammen mit seinen Kooperationspartnern auf der großen Wiese auf der Zitadelle runden Geburtstag.

Viermal pro Woche zwischen 15 und 19 Uhr unterbreitet ein zehnköpfiges Team von fest angestellten Sozialarbeitern und Pädagogik-Studenten vom Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ 200 Kindern in vier verschiedenen Stadtteilen attraktive Angebote, die Freude machen und die Gesundheit fördern sollen. In der Lerchenberger Gustav-Mahler-Siedlung, in den Hochhäusern der Gonsenheimer Elsa-Brändström-Straße, auf dem Finther Layenhof sowie in der Zwerchallee, die seit Oktober 2015 als Flüchtlingsunterkunft dient, wird gemeinsam gekocht, gebacken, gebastelt – und es wird sich viel bewegt bei Sport und Spiel. Und so ganz nebenbei lernen die Sechs- bis Zwölfjährigen eine Menge, was ihnen im Leben weiterhilft. Insbesondere die Wertschätzung gegenüber sich selbst und anderen sei ihnen wichtig, betonen die Verantwortlichen. „Das klappt auch gut und alle fühlen sich bestens aufgehoben“, freut sich Projektleiterin Gisela Bill. Anfangs sei es eine echte Pionierarbeit gewesen, in die Siedlungen zu fahren und loszulegen. Das Vorläuferprojekt fand von Anfang 2003 bis Ende 2008 in der damaligen Obdachlosensiedlung in der Zwerchallee statt. „Als die Zwerchallee aufgelöst wurde, hatte Gisela Bill die Idee, mit einem alten Campingmobil in die Stadtteile zu fahren, in denen die meisten der Kinder jetzt zu Hause sind, die vorher in der Zwerchallee gelebt haben“, erläutert Prof. Gerhard Trabert, Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland. Im Verlauf der Jahre sind so mehrere tausend Kinder in den Genuss der Resilienzarbeit gekommen, mit der die Kinder fit gemacht werden sollen, knifflige Lebenssituationen gesund und stark durchzustehen.

Die Bilanz des Projekts fällt laut Gisela Bill „rundum positiv“ aus. „Wir haben ein super Team und ich kann mein Glück gar nicht fassen, dass alle so unwahrscheinlich engagiert sind“, schwärmt die frühere Landtagsabgeordnete der Grünen. Laut Trabert ist es auf der einen Seite toll, „was wir für eine Akzeptanz und Solidarität von der Bevölkerung und von Sponsoren spüren“. Auf der anderen Seite indes sei es „frustrierend zu sehen, dass das soziale System in Deutschland so viele Lücken hat – und die Kinder die Leidtragenden sind“.

Wie Gisela Bill erklärt, finanziert sich das Projekt „Street Jumper“ rein über Spenden – von Stiftungen, Unternehmen und Privatpersonen. „Wir sind ganz bitter darauf angewiesen, dass wir möglichst viele Spenden kriegen.“ Auch nach genau zehn Jahren müsse man immer noch ums Überleben kämpfen. Mit dem Umweltministerium führt man gerade ein Ernährungsprojekt durch. „Das Projekt ‚Street Jumper‘ ist gelebte Inklusion und gelebte Willkommenskultur“, resümierte Trabert. „Und wir werden an dieser Willkommenskultur festhalten, so lange es uns gibt.“