OB-Wahl: Das sagen die Kandidaten zur Rheinhessenstraße

aus OB-Wahl in Mainz

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Auf dem Abschnitt der Rheinhessenstraße zwischen Hechtsheim und Ebersheim werden in absehbarer Zeit Tempolimits und Markierungen angepasst.

Über den Ausbau der Straße zwischen dem Hechtsheimer Wirtschaftspark und Ebersheim wird schon lange diskutiert. Auch die OB-Kandidaten haben ganz unterschiedliche Meinungen dazu.

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Mainz. Schon lange gärt der politische Streit um die Rheinhessenstraße. Es gibt immer wieder Stimmen, vor allem aus dem rheinhessischen Umland, die einen vierspurigen Ausbau der unfallträchtigen Straße fordern. Die Stadt Mainz aber will die viel befahrene, zweispurige Straße zwischen dem Hechtsheimer Wirtschaftspark und Ebersheim für den Autoverkehr nicht erweitern. Was sagen die sieben bislang bekannten Oberbürgermeister-Kandidaten zu dieser Streitfrage?

Marc Engelmann (FDP)

Marc Engelmann ist der Kandidat der FDP bei der Mainzer OB-Wahl.
Marc Engelmann ist der Kandidat der FDP bei der Mainzer OB-Wahl. (© Sascha Kopp)

Marc Engelmann wäre auf jeden Fall für den vierspurigen Ausbau der Rheinhessenstraße. Und der OB-Kandidat der FDP hält wenig von einer einspurigen Bustrasse in abgetrennter Seitenlage. Er bezweifele, dass die Kosten im Verhältnis zum Nutzen stünden, wenn dann dort „alle 20 Minuten” ein Bus entlang fahre. Das sei der Versuch, die Leute in den Bus zu zwingen, die sich ohnehin nicht in den Bus zwingen lassen würden. Und letztlich würden alle (auch die Busse) wieder in demselben Stau stehen. Befragungen würden vermutlich ergeben, dass 90 Prozent der Fahrzeuge in Richtung Autobahn unterwegs seien. „Man muss dafür sorgen, dass der Verkehr bis dahin abfließen kann”, betont Engelmann. „Dann haben wir ihn auch nicht in der Innenstadt.” Grundsätzlich sei er sogar der Meinung, dass die Stadt Mainz bei der Frage des Ausbaus eigentlich kein Mitspracherecht habe. Letztlich sei nur der Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz (LBM) zuständig. Er finde es kühn, wenn sich die Stadt querstelle, obwohl sie eigentlich kein Mitspracherecht habe. Eine Straßenbahntrasse über Ebersheim nach Nieder-Olm sei seinem Kenntnisstand derzeit unwirtschaftlich.

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Nino Haase (parteilos)

OB-Kandidat Nino Haase kandidiert als unabhängiger OB-Kandidat.
OB-Kandidat Nino Haase kandidiert als unabhängiger OB-Kandidat. (© Sascha Kopp)

Die Rheinhessenstraße vierspurig auszubauen, ist für Nino Haase keine Option. Denn dann entstünden die Nadelöhre dahinter, glaubt er. Vor allem morgens sei die Straße allerdings extrem überfüllt. Seine Idee: „Wir müssen es stattdessen schaffen, dass dort weniger Autos morgens in die Stadt fahren. Das kann mit einer weiteren Spur, einer reinen ÖPNV-Spur gelingen”, sagt Nino Haase. Auch über ein Straßenbahnprojekt müsse man in diese Richtung dann nachdenken. Die riesigen Flächen an und auf dem Messegelände sollten zudem als Park-and-Ride-Anlage genutzt werden. Insgesamt herrsche viel zu wenig Kooperation mit dem Umland. Das spiegele sich ganz konkret in der Debatte um die Rheinhessenstraße wider. Aber auch unter touristischen Gesichtspunkten werde die Verbindung mit Rheinhessen viel zu wenig genutzt. Mit einer Lösung für die Rheinhessenstraße könne endlich eine langfristige Kooperation zwischen Mainz und Rheinhessen eingeläutet werden.

Lukas Haker (Die Partei)

Lukas Haker ist Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Wiesbaden und geht für „Die Partei” ins Rennen.
Lukas Haker ist Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Wiesbaden und geht für „Die Partei” ins Rennen. (© Lukas Görlach)

„Die Rheinhessenstraße muss sechsspurig ausgebaut werden”, fordert Lukas Haker, der OB-Kandidat der Satirepartei „Die Partei”. Mit sechsspurig meine er sechs Spuren pro Fahrtrichtung, fügt der 23-Jährige hinzu. Eine Einschränkung hat er noch: „Die sechs Spuren pro Fahrtrichtung sollen ausschließlich für die Mainzelbahn sein.”

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Mareike von Jungenfeld (SPD)

Mareike von Jungenfeld bei ihrer Wahl zur OB-Kandidatin.
Mareike von Jungenfeld bei ihrer Wahl zur OB-Kandidatin. (© Sascha Kopp)

Einen Ausbau der Rheinhessenstraße für den Autoverkehr lehnt Mareike von Jungenfeld ab. Stattdessen solle die Straße um eine Schnellbusspur erweitert werden, auf der zu den jeweiligen Stoßzeiten Busse in die eine oder andere Richtung fahren könnten. Doch auch dies sei nur eine vorübergehende Lösung, da es langfristig darum gehen müsse, das rheinhessische Umland mittels Straßenbahn an Mainz anzubinden. Wohin die Trassen genau verlegt werden könnten, müsse erst geprüft werden und hänge von verschiedenen Prozessen und Faktoren ab. Bis diese langfristige Lösung jedoch umgesetzt sei, bestehe eine weitere mittelfristige Option darin, Park and Ride-Parkplätze am Stadtrand zu schaffen, wie zum Beispiel im Parkhaus in der Generaloberst-Beck-Straße, um den Pendlern dort den Umstieg auf die Straßenbahn Richtung Innenstadt zu ermöglichen.

Martin Malcherek (Die Linke)

Martin Malcherek
Martin Malcherek (© Sascha Kopp)

Martin Malcherek setzt auf die Ergänzung der Rheinhessenstraße um eine ÖPNV-Spur. „Entscheidend ist, dass der Verkehr fließt und es keinen ,Stop-and-go’ gibt. Und der ÖPNV sollte dabei Vorrang haben”, sagt der Oberbürgermeisterkandidat der Partei „Die Linke”. Wie diese ÖPNV-Spur genau bespielt werde – also ob mit Bus, Straßenbahn oder in anderer Form –, das sei dann die nächste Frage. Martin Malcherek: „Dabei sollte man kreativ sein. Ich habe auch schon mal den Vorschlag gemacht, auf die ,Rider’-Idee zu setzen – also auch so eine Art Taxi einzusetzen für die Anbindung von Stadtteilen, die nicht so doll frequentiert sind. Ein nächtlicher Bus nach Ebersheim dürfte sich wohl nicht lohnen. Aber dann sollte man den Leuten für denselben Preis, den sie für den Bus gezahlt hätten, ein Taxi zur Verfügung stellen.” Entscheidend sei, dass die Menschen den ÖPNV nutzen könnten „und zuverlässig von A nach B kommen”.

Manuela Matz (CDU)

Manuela Matz ist OB-Kandidatin der CDU.
Manuela Matz ist OB-Kandidatin der CDU. (© Sascha Kopp)

Ein Ausbau der Rheinhessenstraße ist für Manuela Matz alternativlos. „In meinen Augen kommen wir an einer Erweiterung dieser wichtigen Verkehrsachse nicht vorbei“, sagt Matz. Die aktuelle Situation sei nicht länger hinnehmbar. Neben den beiden bestehenden Fahrspuren für den Individualverkehr brauche es zusätzlich in jede Fahrtrichtung eine eigene ÖPNV-Spur. „Nur so können wir den ÖPNV für die Menschen auf Dauer attraktiv machen. Das funktioniert nicht, wenn der Bus ständig im Stau steht. Wir müssen vernünftige Fahrzeiten anbieten können“, so die CDU-Politikerin. Auf absehbare Zeit sei auch eine Straßenbahntrasse eine Option. Unabhängig davon werde es immer Individualverkehr geben. Dieser müsse daher auch weiterhin in der Verkehrsplanung eine Rolle spielen. „In die konkreten Umsetzungspläne für einen Ausbau der Rheinhessenstraße sollten zudem auch Sicherheitsüberlegungen einfließen. Was etwa das Entschärfen des Begegnungsverkehrs angeht“, sagt Matz.

Christian Viering (Grüne)

Christian Viering kandidiert für die Grünen bei der OB-Wahl in Mainz.
Christian Viering kandidiert für die Grünen bei der OB-Wahl in Mainz. (© Lukas Görlach)

„Ein vierspuriger Ausbau und der damit gesteigerte Individualverkehr widerspricht dem Bekenntnis zum 1,5 Grad Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens”, sagt der OB-Kandidat der Grünen. „Ich möchte den Menschen klimafreundliche Alternativen bieten und mit einer Straßenbahntrasse über Ebersheim nach Nieder-Olm ein Angebot zur nachhaltigen Mobilität machen. Zudem möchte ich als Oberbürgermeister bereits im Jahr 2023 mit dem Landkreis gemeinsam besprechen, welche weiteren Möglichkeiten es zum Ausbau des Straßenbahnnetzes es noch gibt.” Eine einspurige Bustrasse in abgetrennter Seitenlage könne laut Viering ein platzsparender Kompromiss sein, der zu einem spürbaren Zeitgewinn für den ÖPNV führen könne. Seine Priorität liege allerdings ganz klar auf dem Ausbau der Straßenbahn.