Messerattacke auf Fahrlehrer: 32-Jähriger muss in Haft

Justitia mit Waage und Schwert.

Im Mainzer Prozess gegen einen 32-Jährigen ist das Urteil gesprochen. Der Staatsanwalt hatte elf Jahre Haft gefordert. Worin das Gericht mildernde Umstände sah.

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Mainz. Zu siebeneinhalb Jahren Haft wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung hat das Mainzer Schwurgericht am Mittwoch einen 32 Jahre alten Mann aus Somalia verurteilt. Dieser war am Mittag des 22. März 2022 mit einem großen Küchenmesser auf seinen ehemaligen Fahrlehrer losgegangen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Es ist laut Gericht „reines Glück“ gewesen, dass das Opfer überlebte. Der Angreifer hatte dem 49-Jährigen das Messer wuchtig in Kopf und Hals gestoßen, dabei aber keine lebenswichtigen Adern getroffen.

Staatsanwältin forderte elf Jahre Haft

In seinem letzten Wort bat der Angeklagte den als Nebenkläger im Prozess anwesenden 49-Jährigen um Verzeihung. „Es ging mir nicht gut, ich habe mich irrational verhalten.“ Zuvor hatten die Verteidiger im Namen ihres Mandanten dem Opferanwalt eine Schmerzensgeldzahlung von 30.000 Euro zugesichert, von denen 10.000 Euro bereits bezahlt worden sind.

Die Anträge der Parteien hätten unterschiedlicher kaum ausfallen können. Während die Staatsanwältin am Anklagevorwurf wegen versuchten heimtückischen Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung sowie einer weiteren gefährlichen Körperverletzung eine Gesamtstrafe von elf Jahren Haft forderte, beantragten die Verteidiger zwei Jahre Haft auf Bewährung wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung. Anklägerin und Opferanwalt, der zehn Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert hatte, hatten eine verminderte Schuldfähigkeit ausgeschlossen.

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Heimtücke sei nicht bestätigt

Ob der 32-Jährige seinen Fahrlehrer wegen des dreimaligen Durchfallens durch die Prüfung oder wegen angeblicher Diskriminierung wegen seines Wechsels vom Islam zum Christentum angegriffen hat, blieb im Prozess unbeantwortet. Vor Gericht hatte der Angeklagte angegeben, er habe ständig Stimmen gehört, die ihm sagten, er solle diejenigen verletzen, die ihm Böses angetan haben. Ein Gutachter hatte dieses Stimmenhören ausgeschlossen, jedoch festgehalten, dass der Angeklagte an einer bipolaren affektiven Störung mit manischen Episoden leide. Eine solche sei zur Tatzeit akut und seine Steuerung deshalb womöglich eingeschränkt gewesen.

Dies sowie das Fehlen eines Mordmerkmals sahen die Verteidiger als Strafmilderungsgründe. Die Heimtücke sei nicht bestätigt, denn das Opfer habe sich auch nach eigener Aussage zum Täter umgedreht, kurz bevor dieser zugestochen habe. Eine Arg- und Wehrlosigkeit sei damit nicht gegeben, die Tat deshalb ein versuchter Totschlag. Das Gericht führte dagegen aus, selbst wenn der Fahrlehrer den Angreifer noch erkannt haben mag, außer einem Zusammenzucken habe er keine Zeit mehr zum Ausweichen gehabt, somit sei er wehrlos und der Angriff heimtückisch gewesen.

Zur Strafmilderung führten letztlich die laut Gutachter mögliche eingeschränkte Steuerungsfähigkeit sowie der Täter-Opfer-Ausgleich in Form der angekündigten Schmerzensgeldzahlung. Das Gericht führte aus, der Angeklagte sei Erstverbüßer und aufgrund von Sprachbarrieren besonders haftempfindlich. Er sei überwiegend geständig gewesen und habe versucht, sich zu entschuldigen. Letztlich sei auch er schwer verletzt worden, als ihm ein wegen eines Unfalls zufällig in der Nähe stehender Polizist mit mehreren Schüssen vor der Fahrschule niederstreckte.