Schreib mal wieder – Mainzer Uni will besseren Kontakt zu...

Aus Mainz in die Welt und wieder zurück: Die Johannes Gutenberg-Universität zentralisiert ihre Alumni-Arbeit um die Beziehungen unter anderem für die Lehre nutzen zu können.

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MAINZ. Was haben die Nachrichtenmoderatorin Gundula Gause, Schauspieler Mario Adorf, der deutsche Botschafter in Algier, der Autor Michel Friedman, Talkshow-Moderator Andreas Türck, der Rektor der Universität von Namibia und Skandalrapper Felix Blume, auch bekannt als Kollegah, gemeinsam? Kleiner Tipp: Der Musikgeschmack ist es vermutlich nicht – wobei man das nicht so genau weiß. Was sie aber definitiv verbindet, ist ihr Studium an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Als Ehemalige oder auch Alumni der JGU sind sie damit auf dem Campus seit einigen Jahren das Ziel verstärkter Bemühungen.

Datenbank mit über 1800 Absolventen aufgebaut

Die Uni habe sich zum Ziel gesetzt, besser in Kontakt mit ihren Abgängern zu bleiben, erläutern Uni-Präsident Prof. Georg Krausch und Dr. Kristina Pfarr, die Leiterin des Bereichs Universitätsförderung und Alumni. Dabei geht es keineswegs nur um die Promis, sondern um alle ehemaligen Studierenden, Mitarbeiter und Professoren, die die JGU mit oder ohne Abschluss verlassen haben. Man schätze, dass es rund 100 000 lebende Alumni der Uni weltweit gebe, sagt Krausch. Zu möglichst vielen von ihnen wolle man den Kontakt halten.

Lange Zeit sei die Alumni-Arbeit fast ausschließlich dezentral abgelaufen, erklärt der Uni-Präsident. „Dadurch gibt es große Unterschiede zwischen den einzelnen Fächern. In einigen wie der Publizistik oder den Wirtschaftswissenschaften ist sie stark ausgeprägt, in anderen dagegen kaum.“ Das Ziel sei es nun aber nicht, einen zentralen Alumni-Verein zu etablieren. „Die Abgänger identifizieren sich ja häufig nicht mit der Uni als Ganzes, sondern mit dem Bereich, den sie während ihres Studiums oder Arbeitens kennengelernt haben.“ Aus diesem Grund gehe es viel mehr darum, die dezentralen Alumni-Aktivitäten der Fächer und der mehr als 30 unabhängigen Freundeskreise und Alumnivereine zentral zu unterstützen.

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Einer der wichtigsten Schritte auf diesem Weg sei der Aufbau einer zentralen Datenbank, erklärt Pfarr. Seit 2015 erhalten alle Absolventen ein personalisiertes Glückwunschschreiben des Uni-Präsidenten mit der Bitte, sich dort zu registrieren, damit die Uni sie auch nach dem Abgang mit Infos versorgen kann. Etwa zehn Prozent aller Absolventen folgten der Einladung bisher, sagt die Leiterin der Stabsstelle. Ungefähr 1800 Alumni habe man so bisher in die Datenbank aufnehmen können. „Damit sind wir ganz zufrieden. Zudem erreichen wir über die Social Media-Kanäle der Universität mehrere Zehntausend Follower.“ Für diejenigen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt in die Datenbank eintragen wollen, gebe es diese Möglichkeit jederzeit über die Website, betont Pfarr. Der nächste Schritt soll nun ein eigenes Internetportal für Alumni sein, das derzeit aufgebaut wird. Dort sollen sich Absolventen und Mitarbeiter ebenfalls eintragen können, um nach anderen Alumni zu suchen, sich in Gruppen zu organisieren und für die Newsletter der Uni erreichbar zu sein. Der Start ist für Anfang 2019 geplant. Dann dürfen alle Absolventen einmal angeschrieben werden, ob sie über das Portal in Kontakt bleiben möchten. „Sonst sind sie erstmal für uns verloren“, erklärt Pfarr. Die nostalgische Rückkehr zur Uni finde dann erst deutlich später statt.

Neben Datenbank und Portal sollen auch eine Alumni-Card, die unter anderem verschiedene Vergünstigungen verspricht, und das verstärkte Branding die Bindung der Studierenden und Absolventen an ihre Alma Mater stärken. So hat die Uni beispielsweise Talare angeschafft, die von den Fachbereichen für Zeugnisverleihungen kostenlos ausgeliehen werden können, hat Foto-Hintergründe, Roll-ups, Buttons und große Würfel mit dem JGU-Logo erstellen lassen, um für ein professionelleres Ambiente bei den Feiern zu sorgen.

Das große Geld sei bei der besseren Bindung der Alumni nicht das Ziel, sagen Krausch und Pfarr. „Das ist anders als in den USA, wo es bei den Alumni knallhart um die Finanzierung der Uni geht“, erläutert der Uni-Präsident. In einer amerikanischen Uni vergleichbarer Größe seien in dem Bereich University Development um die 250 Leute tätig, die unter anderem Spenden sammelten – in Mainz sind es fünf. „Es geht um eine bessere Vernetzung, die in Forschung, Lehre und Weiterbildung unterschiedlich helfen kann“, sagt Krausch. Darum, Leute für Vorträge zu finden, Studierenden bei der Orientierung zu helfen und eventuell einen einfacheren Kontakt zu Unternehmen und anderen Institutionen zu ermöglichen. Darüber hinaus könnten die Alumni die Arbeit der Uni kritisch spiegeln. Und nicht zuletzt seien die Alumni ja auch Botschafter der Uni. Oder wie Krausch es formuliert: „Wir wollen uns mit positiver Konnotation im Gespräch halten.“