Protest in Postkartengröße

Das Bild „Noflowers“ von Susanna Storch zeigt den Blumenstrauß, den die Thüringer Linken-Vorsitzende, Susanne Hennig-Wellsow, dem gerade frisch gewählten Ministerpräsidenten Thomas Kemmerich (FDP) vor die Füße geworfen hatte. Foto: Storch

Die Schau „Place of Cards“ zeigt zehn Kunstwerke zum Thema „Rechts“. Die Werke und ein Film sind auf der Homepage der Mainzer Kulturbäckerei zu sehen.

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MAINZ. Die Corona-Pandemie beherrscht das Weltgeschehen. Dabei gehen so manch andere Themen unter, zum Beispiel die Gefahr von Rechts. Damit dieses Thema nicht in Vergessenheit gerät, haben sich die Initiatoren der Kulturbäckerei, die Initiative für ein Soziokulturelles Zentrum in der Mainzer Neustadt e.V., eine besondere Ausstellung einfallen lassen.

Unter dem Titel „Place of cards“ haben sie zehn Künstlerinnen und Künstler eingeladen, Kunstwerke in Postkartengröße zum Thema „Rechts“ für die Ausstellung einzureichen. Vorausgegangen war die Petition einer Berliner Initiative unter dem Titel „Die Vielen“, die für Diskussionsstoff im Vorstand der Kulturbäckerei gesorgt hatte. „Die Vielen“ beziehen sich dabei auf das Jubiläum „75 Jahre Kriegsende“. Die Petition überzeugte und die Kulturbäckerei hat diese Erklärung für Rheinland-Pfalz unterzeichnet. „Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteure dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur“, so der Subtext zur Ausstellung.

In einem Videofilm auf der Seite der Kulturbäckerei werden die Kunstwerke vorgestellt. Sie sollen und sie können für sich sprechen. So präsentiert Susanna Storch ein realistisch gemaltes Werk, das sich auf eine reale Politszene bezieht, die für einiges Aufsehen in Deutschland gesorgt hat. Statt FDP-Politiker Thomas Kemmerich zum Wahlerfolg in Thüringen zu gratulieren, wirft die Landesvorsitzende der Linken, Susanne Hennig-Wellsow, ihm den Blumenstrauß vor die Füße. Der Protest richtete sich dagegen, dass Kemmerich mit den Stimmen der AFD gewählt wurde. Mit diesem Werk verlässt Susanna Storch ihr gewohntes Themenfeld, die Hausfassaden, und malt ein brisantes Thema mit meisterlicher Leichtigkeit.

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Sandra Heinz, auch sie in Mainz keine Unbekannte, erklärt: „Für das Projekt habe ich eine Fotoarbeit gestaltet, die sich auf meinen Zyklus ,Unantastbar’ bezieht. Eine Serie von Material-Unikatdrucken von Hemden, die auf Artikel 1 der Grundrechte verweisen. Für meine Arbeit habe ich in das Foto von einem dieser Hemden einen Button mit der Aufschrift eingefügt: Die Kunst bleibt frei.“

Projekttage erstmal auf Eis gelegt

Der Künstler namens Brandstifter ist immer für eine politische Aussage gut, und so bezieht sich sein fotografiertes Selbstporträt auf seine eigene Freiheit. Astrid Eisinger, ebenfalls aus Mainz, hat des „Pudels Kern“ gefunden und Sabine Amelung hat „XPinselstriche“ zu einem Bild vereint. Stefanie Manhillen lässt ein beinahe königliches Antlitz über diese Entwicklungen staunen – „Ach“. Nicolas Hönig zeigt die „Morgenstund“ als Hirschmenschwesen und Nicole Heidel präsentiert fliegende Muscheln über strengem Untergrund „Differenz“. Zu einem „Ort für die Andern“ führt Nicolas Werner den Betrachter.

Eigentlich waren auch Projekttage geplant. Die zehn Postkarten sollten in einer Auflage von zehn, an zehn Tagen an zehn kulturellen Orten in Mainz gezeigt werden. Jürgen Waldmann, Vorstandsmitglied der Kulturbäckerei, bedauert, dass das Projekt wegen Corona vorerst auf Eis gelegt wurde. „Ich hoffe, dass wir im Juni die Projekttage nachholen können.“ Bis dahin kann man sich an dem gelungenen Film erfreuen.