Plätzchen-Aktion für Jacobsen-Bau: Initiative setzt sich...

Matthias Müller (li.) und Sascha Köhl von der Initiative "Freunde des Mainzer Rathauses" halten vor der Ratssitzung Flyer für den Erhalt des Arne Jacobsen-Baus hoch. Foto: Sascha Kopp

Kleine Faltblätter und liebevoll eingepackte Plätzchen werden am Nachmittag vor dem Rathaus an die Stadtratsmitglieder, die zur Ratssitzung kommen, verteilt. Das Ziel der...

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MAINZ. Vor dem Rathaus stehen rund 40 meist junge Menschen. Sie verteilen am Mittwochnachmittag kleine Faltblätter und liebevoll eingepackte, selbst gemachte Plätzchen an die Stadtratsmitglieder, die zur Ratssitzung kommen. „Unser Rathaus muss Rathaus bleiben!“ steht auf den Flyern der Initiative „Freunde des Mainzer Rathauses“, die sich im Oktober gegründet hat und in der sich vor allem Studierende und Mitglieder des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege engagieren.

Ihr Ziel: Sie wollen verhindern, dass sich die Stadt von dem denkmalgeschützten Gebäude trennt und mit der Verwaltung in ein Bürohaus umzieht. „Wir wollen mit unserer Aktion auf die architektonische Bedeutung des Rathauses aufmerksam machen“, sagt Matthias Müller, Professor für Kunstgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität. Mit drei geometrischen Figuren, in denen auch das Gebäck geformt ist, symbolisieren sie die Bedeutung des Werks des dänischen Architekten Arne Jacobsen. Das Dreieck steht für die Grundform des Gebäudes: „Wir lieben Ecken und Kanten“, kommentiert die Initiative diese Figur. Im kreisrunden Ratssaal „schlägt das Herz der Demokratie“. Und das Gitter als markantes Element der Fassade wird beschrieben mit: „Wir sind für klare Linien.“

Bürgerentscheid über Sanierung?

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Eine Entscheidung zur Zukunft des Rathauses fiel im Stadtrat wie erwartet nicht. Es war nur ein Sachstandsbericht, den die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung ohne Aussprache entgegennahmen. Sicher aber ist, dass die Frage der Rathaussanierung zu den Themen gehören wird, die die Kommunalpolitik in den kommenden Monaten bestimmen werden.

Nach dem Vorliegen des agn-Gutachtens, wonach die Sanierung statt der zunächst erwarteten 50 Millionen Euro nun über 60 Millionen Euro kosten soll, hatte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) auf die Bremse getreten, um den Fraktionen mehr Zeit zur Beratung zu geben. Wie berichtet hatte Ebling vorgeschlagen, über einen Bürgerentscheid ein Votum Pro oder Kontra Rathaussanierung zu erhalten.

Entscheidung für erste Jahreshälfte 2018 geplant

Vermutlich noch im Dezember soll es eine Veranstaltung zum Rathaus geben: Entweder als Sitzung des Hauptausschusses oder als Information für die Bevölkerung. Im Januar könnte in einer Sondersitzung des Stadtrates darüber befunden werden, ob ein Bürgerentscheid, womöglich gemeinsam mit der Bibelturm-Abstimmung, eingeleitet werden soll. Eine andere Variante wäre, dieses Ratsvotum in der regulären Sitzung am 7. Februar herbeizuführen.

Der OB jedenfalls strebt eine verbindliche Entscheidung zum Rathaus in der ersten Jahreshälfte 2018 an. Denn bis 30. Juni kann die Stadt das West-Immo-Gebäude an der Großen Bleiche für einen Ankauf reservieren. Dieses gilt als mögliche Alternative, sollte sich die Stadt vom Arne-Jacobsen-Gebäude trennen. Ob private Investoren überhaupt Interesse an der Rathaus-Immobilie haben könnten, müsste noch geklärt werden.

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Von Michael Erfurth