So blicken die OB-Kandidaten aufs Mainzer Marktfrühstück

aus OB-Wahl in Mainz

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Das Mainzer Marktfrühstück erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit.

Ballermann am Fischtorplatz oder Ausdruck von Geselligkeit: Muss sich das Konzept fürs Marktfrühstück ändern? Die Oberbürgermeister-Kandidaten haben da unterschiedliche Ansichten.

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Mainz. Über 5000 Menschen sind vergangenes Jahr zum ersten Marktfrühstück nach drei Jahren gekommen und mit ihnen auch die seit Jahren anhaltenden Beschwerden der Anwohner, Händler und Beschicker. Zwar wird die Weinschorle nicht mehr nur am Liebfrauenplatz und am Rheinufer ausgeschenkt, sondern außerdem auf dem Gutenbergplatz und am Leichhof. Der Großteil der Menschen trifft sich dennoch vor dem Römischen Kaiser, auf dem Liebfrauenplatz ist samstags regelmäßig kein Durchkommen mehr. Man fürchtet das Gefahrenpotenzial der Besuchermassen. Und immer wieder ist der zurückbleibende Müll derjenigen, die sich Verpflegung und Getränke selbst mitbringen, ein Thema. Muss das Konzept des Marktfrühstücks angepasst werden und wenn ja, wie? Das haben wir die Mainzer OB-Kandidaten gefragt.

Marc Engelmann (FDP)

Marc Engelmann ist der Kandidat der FDP bei der Mainzer OB-Wahl.
Marc Engelmann ist der Kandidat der FDP bei der Mainzer OB-Wahl. (© Sascha Kopp)
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„Das Marktfrühstück ist zu einem absoluten Erfolgs- und Glücksfall für uns geworden und natürlich soll es erhalten bleiben. Das bedeutet aber nicht, dass das Konzept unverändert bleiben muss. Gerade in den vergangenen beiden Jahren hat es zum Teil sehr massive Beschwerden von Anwohnern, umliegenden Geschäftsbetreibern, aber auch vonseiten der Marktbeschicker gegeben. Das müssen wir ernst nehmen und sollten Ideen zur Verbesserung des Konzepts aufgreifen. Da die Besucheranzahl, gerade zu Saisonbeginn, mittlerweile gigantisch ist, sollten wir von städtischer Seite mit einem professionellen Veranstalter das Konzept überarbeiten. Die Mainzer Winzer als Veranstalter sind dafür sicherlich offen. Als Verwaltung und Politik sollten wir uns stärker in diesen Prozess einbringen, damit das Marktfrühstück auch langfristig auf möglichst breite Akzeptanz stößt.”

Nino Haase (parteilos)

OB-Kandidat Nino Haase kandidiert als unabhängiger OB-Kandidat.
OB-Kandidat Nino Haase kandidiert als unabhängiger OB-Kandidat. (© Sascha Kopp)

„Das Marktfrühstück ist mittlerweile ein überregional bekanntes Aushängeschild für die Mainzer Lebensart und unsere Weinkultur, was erhalten bleiben muss. Allerdings ist der Andrang gerade zu Beginn der Saison eine zu hohe Belastung für die Anrainer. Es muss der Fluss für das alltägliche Leben gesichert werden. In dieser Zeit benötigen wir mehr Sicherheitspersonal sowie ein abgestimmtes Wegenetz, damit die Zugänge zu den Gewerbetreibenden und Gastronomien freigehalten werden. Außerdem brauchen wir vor Ort mehr und gut sichtbare Toiletten. Bei diesen Themen muss die Stadt finanziell und personell unterstützen. Und wir müssen frühzeitig kommunizieren! Dass der „Runde Tisch Marktfrühstück 2023“ mit dem Ordnungsdezernat wegen des Wahlkampfes noch nicht durchgeführt wurde, ist unglücklich.”

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Lukas Haker (Die Partei)

Lukas Haker tritt für "Die Partei" bei der Mainzer OB-Wahl an.
Lukas Haker tritt für "Die Partei" bei der Mainzer OB-Wahl an. (© Sascha Kopp)

„Es gibt einige Dinge, die am Marktfrühstück reformiert werden müssen. Einerseits muss das Marktfrühstück wesentlich später anfangen, da es sonst nicht attraktiv genug ist für die Jugend, andererseits ist das Angebot der Getränke etwas zu kurz gedacht. Es muss neben regionalem Wein und Weinschorle (würg) auch noch guter Apfelwein und Wodka-E angeboten werden. Dann werden nicht nur Rentner oder mittelständische Eltern in ihrer verfrühten Mid-Life-Crisis das Marktfrühstück besuchen, sondern auch 14-Jährige bis hin zu Dauerstudenten.”

Mareike von Jungenfeld (SPD)

Mareike von Jungenfeld tritt für die SPD bei der Mainzer OB-Wahl an.
Mareike von Jungenfeld tritt für die SPD bei der Mainzer OB-Wahl an. (© Sascha Kopp)

„Das Mainzer Marktfrühstück ist Tradition im Herzen der Stadt. Ich würde gerne wieder etwas mehr zu den Wurzeln zurückkehren unter Beibehaltung der Standorte am Leichhof, am Rhein und am Theater. Die Entzerrung ist ein sinnvolles Instrument zur Entlastung des Liebfrauenplatzes. Darüber hinaus halte ich eine Kopplung an die bestehenden Marktzeiten für sinnvoll. Grundsätzlich wünsche ich mir mehr gegenseitige Rücksichtnahme rund um den Liebfrauenplatz auch für die umliegenden Geschäfte und die gastronomischen Betriebe. Als Oberbürgermeisterin möchte ich sehr schnell mit allen Akteur:innen zusammenkommen und an einer gemeinsamen Lösung arbeiten, die auch für die Zukunft trägt.”

Martin Malcherek (Die Linke)

Martin Malcherek kandidiert für die Linke.
Martin Malcherek kandidiert für die Linke. (© Sascha Kopp)

„Mit der Domkulisse hat Mainz einen der schönsten Wochenmärkte in ganz Deutschland. Der Andrang auf das Marktfrühstück zeigt, dass es in Mainz einen großen Bedarf an Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum gibt. Andere Menschen treffen zu können, ohne – wie in Kneipen und Clubs – konsumieren zu müssen, ist gerade für junge Leute mit schmalem Geldbeutel wichtig. Die Stadt muss dieses Bedürfnis ernst nehmen und auch abseits des Marktfrühstücks Räume und Anlässe schaffen. Das trägt zur Entzerrung ebenso bei, wie das Marktfrühstück das ganze Jahr über durchzuführen. Der Hof des Gutenbergmuseums könnte besser eingebunden werden, so entsteht mehr Platz und es werden neue Berührungspunkte zu einer wichtigen Kultureinrichtung geschaffen. Nach Ende des Marktfrühstücks sollte durch städtisches Personal gereinigt werden.”

Manuela Matz (CDU)

Manuela Matz ist OB-Kandidatin der CDU.
Manuela Matz ist OB-Kandidatin der CDU. (© Sascha Kopp)

„Das Marktfrühstück lebt von seinem besonderen Flair, von der Lage am Markt, vom Mainzer Lebensgefühl, einfach von seinem ursprünglichen Charakter und Konzept. Das macht Erfolg und Anziehungskraft aus. Inzwischen hat das Marktfrühstück Ausmaße erreicht, die es aber leider unausweichlich machen, das Konzept ein wenig anzupassen. Der Standort am Markt ist für mich nicht verhandelbar, aber zusätzliche Flächen rund um den Dom als Alternativen können den Andrang entzerren. Das haben wir im vergangenen Jahr bereits am Beispiel des Leichhofs gesehen. In diesem Jahr soll die Marktfrühstück-Saison erstmals früher starten. Das heißt, es wird mehr Termine und damit auch mehr Optionen geben, das Marktfrühstück zu besuchen. Das kann auch zu einer Entzerrung führen. Grundsätzlich gilt aber, wie in allen Lebensbereichen: Ohne gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Besuchern und Anwohnern funktioniert es nicht.“

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Christian Viering (Grüne)

Christian Viering kandidiert für die Grünen bei der OB-Wahl in Mainz.
Christian Viering kandidiert für die Grünen bei der OB-Wahl in Mainz. (© Lukas Görlach)

„Ich will als Oberbürgermeister gemeinsam mit den Marktbeschicker*innen und den Mainzer Winzer*innen darüber sprechen, wie das Marktfrühstück in Zukunft besser funktionieren kann. Darüber, wie die Abläufe des Wochenmarkts und das beliebte Marktfrühstück in Balance gebracht werden können. Ich möchte aber auch, dass wir die Besucher*innen von Markt und Marktfrühstück an dem Prozess beteiligen, um für mögliche Weiterentwicklungen ein ganzheitliches Bild zu haben. Mir wäre wichtig, den Markt auch dafür zu nutzen, Künstler*innen die Möglichkeit zu geben, dort niedrigschwellige und uneingeschränkt zugängliche Kulturangebote zu machen. Dadurch können wir die kulturelle Vielfalt in Mainz, über die gemeinsame Schorle am Samstagmorgen hinaus, weiter stärken und sichtbarer machen.”