Netzreaktionen zur Schließung des „50 Grad“ in Mainz

Mit dem jetzt bevorstehenden Umbau des Eltzer Hofs in ein Bürohaus wird auch der alte Konzertsaal abgerissen. Archivfoto: Kaster  Foto:

Die AZ-Berichterstattung über die näherrückende Schließung des Clubs „50 Grad“ in der Mittleren Bleiche hat im Netz zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Über 400 Mal...

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MAINZ. Die AZ-Berichterstattung über die näherrückende Schließung des Clubs „50 Grad“ in der Mittleren Bleiche hat im Netz zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Über 400 Mal wurde der Artikel über den demnächst startenden Umbau des Eltzer Hofs bei Facebook kommentiert. Das Bedauern darüber, dass die Disco im Keller des historischen Gebäudes vermutlich zum 1. August mit dem beginnenden Abriss des ehemaligen Konzertsaals im Innern des Eltzer Hofs ihren Betrieb einstellen muss, ist groß.

„Und schon wieder macht ein Club zu. Wo sollen wir noch hin“, kommentiert eine Facebook-Nutzerin den Artikel. „Mainz ist voll mit jungen Leuten. Da muss man mehr tun und nicht immer wieder was zumachen“, so eine andere Leserin. „Wie bitte? Der beste Club in Mainz und dann so was ... unfassbar. Echt schade“, lautet ein weiterer Kommentar.

Ein anderer Leser kommentiert den geplanten Abriss des Konzertsaals, der seit 2004 wegen der hohen Asbestbelastung nicht mehr genutzt wird: „Wie leichtfertig man mit solchen historischen Gebäuden umgeht und an gewinnbringende Investoren verschachert! Erinnere mich gerne an die Konzerte im Eltzer Hof ...“

Die Jungen Liberalen Rheinhessen sprechen von einer „Vernachlässigung des Mainzer Nachtlebens durch die Politik“: „Landesregierung und Stadtspitze müssen die Interessen der jungen Menschen in Mainz im Blick behalten“, sagt der neugewählte Kreisvorsitzende der FDP-Jugendorganisation, Alexander Puderbach. „Eine Stadt wie Mainz kann es sich nicht leisten, jegliches Nachtleben an den Rand zu drängen. Wir JuLis in Mainz sehen auch die Landesregierung hier in der Pflicht. Dem Betreiber des ‚50 Grad‘ muss eine angemessene Chance gegeben werden, seinen Club zumindest an anderer Stelle in Mainz weiter betreiben zu können.“

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Das Land begründet den Verkauf der Immobilie an einen Investor, der den Eltzer Hof entkernen und in ein Bürohaus, womöglich noch mit einigen Wohnungen, umbauen will, mit den „Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit“. Eine Sanierung des Konzertsaals habe sich als unrentabel erwiesen. „Das extrem kompakt gehaltene Hallenkonzept der 1960er Jahre entsprach nach über 40 Betriebsjahren nicht mehr den heutigen Anforderungen“, heißt es in einer Antwort des Finanzministeriums auf eine AZ-Anfrage. Der langjährige Mieter der 2004 geschlossenen Halle, die Kongress-Gesellschaft der Stadt (heute: Mainzplus Citymarketing), habe passendere Alternativen gefunden. Auch gebe es seither mit der Erweiterung der Rheingoldhalle und der Phoenix-Halle/Halle 45 in Mombach weitere Kapazitäten im Veranstaltungsbereich.

Aufgrund der Schadstoffbelastungen und Brandschutzmängel sei mit dem Käufer des Eltzer Hofes der Rückbau des Konzertsaals vertraglich fest vereinbart worden, so das Finanzministerium. Das Bieterverfahren für den Verkauf der Immobilie sei auf Grundlage der Machbarkeitsstudie „Eltzer Kultur Hof“ in Verbindung mit einer rechtsgültigen Bauvoranfrage durchgeführt worden. Sollte der Käufer von dieser Bauvoranfrage abweichen wollen, müsse er diese in eigener Verantwortung klären. Das heißt, mit der städtischen Baubehörde.

Von Michael Erfurth