Nach Brand in Rheingoldhalle: Großer Saal erst ab 2021 wieder...

Foto: Sascha Kopp

Nach dem Brand der Rheingoldhalle in Mainz Mitte Mai liegen nun die Gutachten vor - mit unguten Neuigkeiten für den großen Saal und die geplanten Veranstaltungen.

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MAINZ. Angenehm sei das nicht, sagte Günter Beck. Er könne sich schönere Dinge vorstellen, als die Schadensregulierung nach einem Großbrand vorzustellen, so der Bürgermeister am Dienstag. Nach dem Brand der Rheingoldhalle gibt es nun einen konkreten Fahrplan und konkrete Erkenntnisse, die auf den vorliegenden Gutachten basieren. Diese sorgen bei Bürgermeister Beck für eine Gefühlslage, die sich zwischen „hätte schlimmer kommen können“ und „Bauchschmerzen“ bewegt.

70 Veranstaltungen im großen Saal betroffen

Fest steht: Der große Saal der Rheingoldhalle wird frühestens ab Januar 2021 wieder zur Verfügung stehen. Zwar sind die Ursache des am 16. Mai in einer Zwischendecke ausgebrochenen Feuers und auch die Schadenshöhe weiterhin unklar, Gewissheit gibt es dabei aber beim Blick auf den Kalender. „Sechs Monate sind weg. Der ganze Zeitplan ist zerschossen“, sagte Günter Beck. Eigentlich sollte der große Saal der Rheingoldhalle ab Oktober 2019 wieder nutzbar sein. Das ist nun nicht möglich. Stattdessen sollen bis Ende Oktober die Schäden des Brandes beseitigt sein. Erst dann soll es mit den ursprünglich geplanten Bauarbeiten weitergehen, die jedoch umstrukturiert werden: Statt in getrennten Bauabschnitten soll nun parallel am großen Saal, dem Rheinfoyer, den Kellnergängen, der Haustechnik und in den alten Spielbankräumen gebaut werden.

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Das Dach der Rheingoldhalle nach dem Brand.
Ein Großbrand beschäftigt derzeit die Feuerwehren aus Mainz und der Umgebung. Das Dach der Rheingoldhalle steht in Flammen. Über 100 Einsatzkräfte versuchen derzeit, das Feuer einzudämmen. Schwierigkeit bereitet den Einsatzkräften, an die Brandnester heran zu kommen. Der beißende Brandrauch zieht in die Mainzer Innenstadt. Die Umgebung ist weiträumig abgesperrt. Foto: Sebastian Stenzel/Wiesbaden112.de
Ein Großbrand beschäftigt derzeit die Feuerwehren aus Mainz und der Umgebung. Das Dach der Rheingoldhalle steht in Flammen. Über 100 Einsatzkräfte versuchen derzeit, das Feuer einzudämmen. Schwierigkeit bereitet den Einsatzkräften, an die Brandnester heran zu kommen. Der beißende Brandrauch zieht in die Mainzer Innenstadt. Die Umgebung ist weiträumig abgesperrt. Foto: Sebastian Stenzel/Wiesbaden112.de
Kein Verständnis hatten Passanten für die Sperrungen rund um den Brandort - Retter seien teils massiv angepöbelt worden.

Der neue Zeitplan hat auch mit den eingeplanten Zuschüssen zu tun. Für den ersten Bauabschnitt hat die Stadt Fördergelder in Höhe von 4,8 Millionen Euro zugesagt bekommen. Diese würden verfallen, wenn die Baumaßnahmen nicht bis Ende 2020 abgeschlossen sind. „Wir werden alles tun, um den 31. Dezember hinzubekommen“, versicherte Beck.

Dass der große Saal im Jahr 2020 nicht zur Verfügung stehen wird, trifft in erster Linie die darin geplanten Veranstaltungen. „70 Veranstaltungen werden betroffen sein“, sagte August Moderer, der Geschäftsführer von Mainzplus Citymarketing. Er hoffe, dass 20 bis 25 Veranstaltungen zu retten seien. „Der Rest wird wohl abwandern.“ Weil es bisher keinen Schuldigen gebe und es sich bei dem Brand um höhere Gewalt handele, würden jedoch keine Regressansprüche gestellt werden, so Moderer. Die Mainzplus Citymarketing sei rund um die Uhr in Gesprächen mit den Kunden und hat bereits alternative Locations, wie das Schloss, das KUZ, den Frankfurter Hof oder mobile Lösungen, wie ein Zelt vor der Rheingoldhalle angeboten. „Wir arbeiten jeden Tag daran, den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten“, sagte Moderer. Denn die Gefahr bestehe, dass abgewanderte Kunde nicht wiederkehren.

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Deswegen richtet sich der Blick bereits nach vorne. „Wir haben schon erste Anfragen für 2021“, sagte Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz. Es sei wichtig, dass Vertrauen in den Kongressstandort Mainz zurückzugewinnen. „Dafür müssen wir verbindliche Termine anbieten“, so Matz. Die gute Nachricht sei, dass ab dem 1. Januar 2021 der erste und der zweite Bauabschnitt fertigstellt sein sollen.

Derzeit konzentrieren sich die Arbeiten auf das Dach der Rheingoldhalle, im Inneren der Halle mussten sie unterbrochen werden. „Im Schutt wurde Asbest gefunden“, erklärte Günter Beck. Nun müsse zunächst lokalisiert werden, wo genau der Asbest herkomme. „Ich hoffe, dass wir nicht viel finden“, so Beck. Frank Intra, der Projektleiter und Prokurist der Rheingoldhalle GmbH, vermutet, dass sich der Asbest dort befindet, wo die Feuerwehr versucht hatte, in die brennende Halle einzudringen. Bei Schadstoffmessungen im Vorfeld sei kein Asbest gefunden worden. „Sonst hätten wir ihn ja damals schon entsorgt“, stellte Günter Beck klar.

Bürgermeister Beck bemängelt fehlende Geduld

Der Bürgermeister hofft nun auf die Solidarität der Beteiligten. „Teilweise fehlt mir da auch das Verständnis“, sagte Beck. Unmittelbar nach dem Brand sei manch einer nicht geduldig genug gewesen, „um die Verantwortlichen mal Luft holen zu lassen“, so Beck. Nun müssten gemeinsam Lösungen gefunden werden. „Und wenn wir den Gutenbergsaal vollstopfen bis zum geht nicht mehr.“ Dieser ist nach wie vor voll nutzbar und bisher für 2020 für 130 Veranstaltungen gebucht. Wenn es nach Beck geht, könnten es noch mehr sein.

Für die Fastnachtsvereine bedeutet der neue Zeitplan, dass sie in der Kampagne 2020 nicht wie geplant den großen Saal nutzen können. „Da können sie dann erst wieder 2021 rein“, sagte Manuela Matz. Günter Beck ist jedoch überzeugt, dass die Vereine „einen Plan B“ in der Schublade haben. Auch die Bürgerhäuser, die im kommenden Jahr fertiggestellt sein sollen, könnten genutzt werden. „Die Stadt muss jetzt zusammenstehen“, forderte Manuela Matz.