Nach Brand der Rheingoldhalle: Veranstaltungen auf Prüfstand

Das Zelt auf dem Jockel-Fuchs-Platz könnte als eine Ausweichstätte für Veranstaltungen im Kongresssaal dienen.  Foto: Lukas Görlach

Nach dem Brand in der Rheingoldhalle prüft Mainzplus Alternativen für Kongresse. Kritik gibt es derweil an teils massiven Pöbeleien gegen Retter.

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MAINZ. Vier Tage nach dem Brand der Rheingoldhalle herrscht im Gutenbergsaal zwar längst wieder das normale Tagesgeschäft (wir berichteten), bei Mainzplus Citymarketing allerdings hat die unvorhergesehene Situation für spontanes Umdisponieren gesorgt. Geschäftsführer August Moderer und sein Team planen die gebuchten Kongresse und Veranstaltungen, die ab Oktober für den großen Kongresssaal der Rheingoldhalle gebucht sind, nochmal neu – zumindest in der Theorie. Noch immer hoffen die Kongressleute, dass die Schäden im hinteren Teil der Halle, wo der Große Saal gerade saniert wird, sich in Grenzen halten und die Wiedereröffnung im Herbst stattfinden kann. Offizielle Einschätzungen, wie groß die Schäden durch das Feuer und das Löschwasser sind, gibt es bislang nicht. Dass es einen Wassereinbruch im Kongresssaal gibt, ist nach AZ-Informationen inzwischen klar. Die Folgen für die Renovierung sind nach wie vor unbekannt.

Weswegen Mainzplus mit allen Kunden in Kontakt trete und für den Fall, dass die Halle ab Herbst nicht zur Verfügung stehe, über Alternativen spreche, sagt August Moderer. Dabei stoße er bei den Veranstaltern auf großes Verständnis und Kooperationsbereitschaft. „Wir gehen davon aus, dass wir so gut wie alle Veranstaltungen durchführen können. Mit oder ohne Kongresssaal“, meint er. „Wir haben bereits Kontakt zu einem Zeltbauer aufgenommen“, meint er. Auch das derzeit auf dem Jockel-Fuchs-Platz installierte Zelt eigne sich gut für Kongresse und andere Veranstaltungen – und auch für Fastnachtssitzungen. In einer adäquaten winterfesten Version könnten auch hier etwa 1300 Menschen Platz finden. August Moderer ist, auch mit ein paar Tagen Abstand zum Tag des Brandes, noch immer voller Dankbarkeit für die Arbeit der Feuerwehr, Polizei und anderen beteiligten Institutionen.

Mainz-Plus-Chef Moderer: „Es war grauenhaft“

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Ein Telefonanruf am frühen Donnerstagmorgen hatte ihn aufgeschreckt. Jemand aus Moderers privatem Umfeld hatte den Rauch am Morgen von der Rheinstraße aus gesehen und ihn informiert. Was geht dem Kongresschef einer Stadt durch den Kopf, wenn er hört, dass seine Kongresshalle brennt? „Es war grauenhaft“, sagt Moderer. Sein erster Gedanke und seine erste Frage seien gewesen, ob Menschen in der Halle sind, ob es Verletzte gibt. Zunächst Erleichterung, dass dem nicht so ist. Er war um 6.50 Uhr der erste vonseiten der Stadt, der vor Ort war. Gleich danach kam Tim Sandrock, technischer Leiter für die Veranstaltungen in der Rheingoldhalle, dann informierte er den OB.

Moderer und Sandrock sind zutiefst beeindruckt ob des höchstprofessionellen Lage-Managements durch die Retter. „Alle eineinhalb Stunden gab es eine Besprechung mit allen Beteiligten“, blicken sie zurück. Dankbar seien sie gewesen, dass die Verantwortlichen der Feuerwehr auch beim unzähligsten Mal des Nachfragens, ob man denn den Gutenbergsaal retten und die Tagung darin weiter stattfinden könne, noch immer voller Verständnis reagiert hätten. Natürlich hatte für August Moderer – nachdem klar war, dass keine Menschen verletzt wurden – die weitere Bespielbarkeit des vorderen Saales und der dortigen Foyers Priorität. Und die konnte die Feuerwehr schließlich aufrechterhalten. Am Freitag wurde dort bereits wieder mit etwa 500 Menschen getagt.

„An diesem Tag ist wirklich jeder Schritt Hand in Hand mit allen Beteiligten gelaufen“, sagt Tim Sandrock voller Respekt vor der Arbeit der Feuerwehren und der Polizei. Auch die Johanniter hätten mit der Verpflegung der weit über 100 Einsatzkräfte ganze Arbeit geleistet. Was der Tag auch bewirkt habe: „Wir sind jetzt noch viel dafür sensibilisiert, Rettungswege freizuhalten.“

Lob für Besonnenheit und Professionalität

Umso bewundernswerter sei die Besonnenheit und Professionalität, wenn man sehen müsse, wie unverschämt und verständnislos viele Passanten reagiert hätten. „Diese Beamten, die die Straße absperren und am Löschen sind, wurden aufs Übelste beschimpft“, berichtet August Moderer. Von Fußgängern, von Joggern, die nicht von ihrer üblichen Route abweichen wollten, von Radfahrern, die keinen Umweg in Kauf nehmen wollten. „Das war unfassbar. Eine solche Rohheit und solches Unverständnis habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Mainzplus-Geschäftsführer.

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Nachdem der Gutenbergsaal, der laut Tim Sandrock komplett autark vom hinteren Teil der Halle betrieben werden könne, von Experten auf Wassereinbruch und Funktionstüchtigkeit der technischen Anlagen untersucht wurde, starteten dort wieder die Aufbauarbeiten für den Kongress.

Kongresssaal bleibt beschlagnahmt

Diese Woche findet von Dienstag bis Donnerstag das große CIMT-Meeting einer Gesellschaft für Krebs-Immuntherapien statt. Genutzt werden wie geplant der Gutenbergsaal, die Foyers und das Zelt. 850 Teilnehmer, 1.800 Übernachtungen, ein Bruttoumsatz von 400.000 Euro, so beziffert Mainzplus den Gewinn für Mainz.

Derweil laufen die Ermittlungen der Kriminalpolizei in dem vom Brand betroffenen Bereich weiter. Nachdem die Brandermittler bereits am Freitag eine vorsätzliche Brandstiftung als Brandursache ausschlossen, erklärt Polizeisprecher Rinaldo Roberto jetzt: „Inzwischen können wir auch einen elektrotechnischen Defekt ausschließen.“

An der Stromversorgung und der weiteren Verkabelung seien keine Defekte oder Auffälligkeiten festgestellt worden. Am Dienstag sollen nun weitere Untersuchungen folgen, um zu prüfen, ob es möglicherweise durch anderweitige Defekte, Fahrlässigkeit im Zuge der Sanierungsarbeiten, oder die „Verkettung unglücklicher Umstände“ zum Ausbruch des Feuers gekommen sein könnte. Solange eine Straftat – und eine solche wäre auch eine fahrlässige Brandstiftung – nicht ausgeschlossen werden kann, bleibt der Kongresssaal von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt, so Roberto. Am Tag vor dem Brand sollen im Nordost-Bereich der Rheingoldhalle, in dem das Feuer ausbrach, noch Handwerker zugange gewesen sein. Im Raum steht, dass es im Rahmen der Arbeiten zu einem Schwelbrand gekommen sein könnte.