Menschenkette erinnert auf Theodor-Heuss-Brücke an Krieg

aus Krieg in der Ukraine

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Am 24. August bildeten Demonstranten eine Menschenkette auf der Theodor-Heuß-Brücke, um an den Krieg in der Ukraine zu erinnern. Foto: Jörg Henkel

Am Mittwochabend haben Demonstranten auf der Theodor-Heuss-Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden an den Krieg in der Ukraine erinnert.

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MAINZ/WIESBADEN. Es sind eindrucksvolle Momente auf der Theodor-Heuss-Brücke: Anlässlich des ukrainischen Nationalfeiertags zieht ein Demonstrationszug von Mainz nach Kastel, um auf die Not des ukrainischen Volkes aufmerksam zu machen, welche durch den vor einem halben Jahr erfolgten russischen Überfall hereingebrochen ist.

Laut Polizeiangaben beteiligen sich mindestens 700 Teilnehmer an der Menschenkette, welche eine Stunde lang, von 19 bis 20 Uhr, auf der Brücke ausharren soll. Ukrainische Fahnen, Transparente und Fotografien werden hochgehalten – letztere sind besonders erschütternd: Sie zeigen sowohl zerstörte Städte als auch die Opfer des russischen Angriffskrieges. Das Leid Einzelner vermittelt den Schrecken des Krieges.

Mahnwachen in vielen weiteren Städten

Organisiert hat die Aktion der Ukrainische Verein Mainz, in vielen weiteren europäischen Städten werden zeitgleich ebenfalls Mahnwachen abgehalten. Deutlich ist, dass die Demonstranten in größter Sorge um ihr Land, dabei aber weit von jedwedem Defätismus entfernt sind.

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Lyudmyla Kolos ist zweite Vorsitzende des Ukrainischen Vereins Mainz. Im AZ-Gespräch umreißt sie ihre persönliche Situation sowie die Vorgehensweise ihres Vereins: Kolos stammt aus dem Westen der Ukraine, wo sie noch viele Angehörige hat. Dort, führt Kolos aus, sei die Lage, anders als im Süden und im Osten des Landes, „Gott sei Dank noch gut,“ die Bedrohung indes allgegenwärtig: Gerade zum Tag der Unabhängigkeit der Ukraine gebe es Warnungen vor russischen Angriffen. Die Ukrainer seien bereit, ihr Land zu verteidigen. Lyudmyla Kolos: „In der Ukraine gibt es so gut wie keinen Mann mehr, der Zivilist ist. Mein Papa ist 59 Jahre alt. Er sagt, dass er jederzeit bereit sei, einer Einberufung zu folgen.“

Der Zusammenhalt innerhalb der ukrainischen Gemeinschaft in Mainz sei groß, betont Kolos: Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartnern, etwa den Maltesern, „Mombach hilft“ oder Mainz 05 und vielen weiteren würden zahlreiche Hilfstransporte in Richtung Heimat organisiert. Während Kolos spricht, senden vorbeifahrende Schiffe und Autos Signale der Solidarität aus: Hupen ertöne, Ermutigungen zum Durchhalten werden aus Fenstern gerufen.

Wie schätzt Lyudmyla Kolos die Unterstützung ihrer Heimat durch Deutschland ein? Prinzipiell ist sie angetan ob der Solidarität in weiten Teilen der Gesellschaft; von der Politik hätte sie sich, das gibt sie klar zu erkennen, vor Kriegsausbruch mehr erwartet: „Wir haben früh vor der Pipeline „Nord Stream 2“ gewarnt und Anfang des Jahres auf die Gefahr eines russischen Angriffs hingewiesen – da hieß es seitens der deutschen Politik immer: „Wir sind neutral.“ Hätte man unsere Warnungen ernst genommen, wäre es vielleicht nicht zur Eskalation gekommen. Jetzt bekommen wir aber Hilfe.“

Eine Sorge treibt Lyudmyla Kolos um: dass sich die Menschen in Deutschland an die Schreckensmeldungen gewöhnen. Eine solche Entwicklung sei im Laufe der Kriege in Syrien und Afghanistan zu verzeichnen gewesen. „Ich hoffe, dass wir die Hilfe aufrecht erhalten können. In den ersten Wochen des Krieges haben unzählige Privatpersonen gespendet, dann ist die Welle zurückgegangen.“ Man brauche dringend medizinische Produkte, um Verletzte behandeln und die Versorgung kranker Menschen gewährleisten zu können. „Unsere Hilfe kommt an“, man arbeite effizient, sagt Kolos in der Abendsonne mit Nachdruck – insofern bauten sie und ihre Mitstreiter auf weitere Sponsoren.