Mainzer „Star Ballet“ und ihre Talente in Riga erfolgreich

Julianna Correia Dreyssig ist in Riga als größtes Talent des Wettbewerbs ausgezeichnet worden. Ihr Ziel ist es, für das Mariinski-Ballett in St. Petersburg zu tanzen. Foto: hbz/Judith Wallerius

Die großen russischen Ballettschulen haben Konkurrenz aus Mainz. Die Privatschule „Star Ballet“ hat sich international einen Namen gemacht.

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MAINZ. Die Bolschoi-Ballettakademie in Moskau oder das Mariinski-Ballett in St. Petersburg zählen zu den renommiertesten Ballettschulen der Welt. Junge Tänzer werden hier auf höchstem Niveau ausgebildet und können sich auf eine erfolgreiche Zukunft freuen. Bei Wettbewerben stehen sie fast immer unschlagbar auf den ersten Plätzen. Konkurrenz zu den großen Schulen kommt ausgerechnet aus Mainz. Genauer gesagt von der Ochsenwiese in Gonsenheim. Die Privatschule „Star Ballet“ hat sich nahezu unbemerkt von der hiesigen Öffentlichkeit international einen Namen gemacht.

Riga im März 2019: Zwei Tänzer und sechs Tänzerinnen machen bei der „Dance Olympiad“ von sich reden. Beim Tanzcontest in der lettischen Hauptstadt haben die Schüler nahezu alle Preise ihrer Kategorien abgeräumt und die Gonsenheimer Ballettschule zum Gesamtsieger des Wettbewerbs gemacht. Die meisten Medallien gewann Julianna Correia Dreyssig. In fünf Kategorien belegte sie den ersten Platz, beispielsweise im Duett mit Joel Geier. Auch die anderen Tänzerinnen Julia Köhler, Carla Weber, Mia Ortmann, Ella Brunn und Helen Bühner standen mindestens ein Mal ganz oben auf dem Treppchen. Joel Geier und Jakob Philips wurden insgesamt sieben Mal Erster.

Für Irina Starostina, Leiterin der Schule, ist das gute Abschneiden keine Überraschung: „Wir bieten im Vergleich zu den meisten Schulen in Deutschland eine professionelle Ballettausbildung.“ Starostina und ihr Team haben allesamt eine achtjährige Ausbildung durchlaufen und können auf 20 Jahre Berufserfahrung zurückblicken. „Erst dann darf beispielsweise in Russland unterrichtet werden. In Deutschland ist das nicht der Fall. Darunter leidet letztlich die Qualität des Unterrichts.“ Sechs Lehrer unterrichten derzeit rund 500 Kinder und Erwachsene. Neben Ü-50 Kursen und Hobby-Ballett für Kinder ab drei Jahren werden auch Profiausbildungen angeboten. 30 Schüler, darunter drei männliche, nehmen momentan an der zeitaufwendigen Ausbildung teil. „Erfolg kommt nur mit viel Disziplin, Willen und Unterstützung der Eltern“, weiß Starostina.

Dass der Erfolg keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen die Dimensionen der Schulen. Die beiden staatlichen Schulen aus den Metropolen Russlands gelten als weltweite Elite und nehmen jedes Jahr nur wenige Talente in ihre Reihen auf. „Star Ballet“ ist hingegen eine kleine, private Schule. „Wir treten gegen Balletthochschulen mit ganz anderen Mitteln an. Teilweise sind wir auf Wettbewerben die einzige private Schule. Und trotzdem gewinnen wir gegen diese renommierten Institutionen“, so Starostina.

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Als kommender Star gilt die 13-jährige Julianna. In Riga ist sie als größtes Talent des Wettbewerbs ausgezeichnet worden. Sie hat neben dem Beenden ihrer Tanzausbildung einen weiteren großen Traum, für den sie Mainz verlassen muss: „Ich möchte Primaballerina im Mariinski-Ballett in St. Petersburg werden“, sagt sie. Für großes Aufsehen hat die junge Mainzerin bereits gesorgt. Bei einem Turnier in Jekatarinburg schlug sie deutlich ältere Tänzer der großen russischen Schulen und wurde im selben Jahr Weltmeisterin in ihrer Altersklasse.

Starostina ist sich sicher, dass Julianna und die anderen Tänzer ihren Weg gehen werden, und hofft auf mehr gesellschaftliche Anerkennung: „Ballett liegt irgendwo zwischen Hochleistungssport und Kunst. Wir haben viele Talente in unserer Schule. Wenn ich durch Mainz laufe, sehe ich viele potenzielle Tänzer. Aber in Deutschland ist Ballett nicht so beliebt, wie es in anderen Ländern ist. Ich hoffe, das ändert sich irgendwann.“