Mainzer kippen den Bibelturm mit Nachdruck – und sorgen für...

Während die Gegner des Bibelturms um BI-Sprecher Thomas Mann (linkes Bild, Mitte) die Beerdigung des Projekts Bibelturm feiern, herrschen bei Baudezernentin Marianne Grosse (links) und OB Michael Ebling (Mitte) betretene Mienen vor. Nino Haase, der zweite Sprecher der Bibelturm-Gegner, zeigte sich von der Eindeutigkeit des Votums der Mainzer Bürger überrascht.Fotos: Sascha Kopp  Foto:

Zu Beginn ist noch alles da. Wein, Brezeln und ein bisschen Hoffnung. Die Bürgerinitiative für den Bibelturm des Gutenberg-Museums hat sich im Foyer des Rathauses versammelt....

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MAINZ. Zu Beginn ist noch alles da. Wein, Brezeln und ein bisschen Hoffnung. Die Bürgerinitiative für den Bibelturm des Gutenberg-Museums hat sich im Foyer des Rathauses versammelt. „Ich bin guten Mutes“, sagt Markus Kohz, der Haus-und-Hof-Fotograf der Bibelturm-Freunde. Auch wenn das längst nicht alle seien. Sonst herrscht gespannte Ratlosigkeit. Ganz anders im Haifa-Zimmer. Eine Abordnung aus Frankfurt hält hier noch einen Vortrag über die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt. Man könne Architekten und Stadtplanern die Gestaltung der Städte nicht mehr anvertrauen, heißt es zum Schluss. „Denen ist der gesunde Menschenverstand abhandengekommen.“ Donnernder Applaus. Mit den letzten Besuchern kommen die beiden Sprecher der Bürgerinitiative aus dem Saal ins Foyer. Das Gefühl? „Gut“, sagt Thomas Mann und strahlt. Eine halbe Stunde vor der Verkündung des Ergebnisses dringt Siegesgewissheit aus jeder Pore.

Während die Gegner des Bibelturms um BI-Sprecher Thomas Mann (linkes Bild, Mitte) die Beerdigung des Projekts Bibelturm feiern, herrschen bei Baudezernentin Marianne Grosse (links) und OB Michael Ebling (Mitte) betretene Mienen vor. Nino Haase, der zweite Sprecher der Bibelturm-Gegner, zeigte sich von der Eindeutigkeit des Votums der Mainzer Bürger überrascht.Fotos: Sascha Kopp  Foto:

Zur Pressekonferenz kommen alle Protagonisten gemeinsam, OB Michael Ebling steigt zuerst aus dem Aufzug, die BI-Sprecher Nino Haase, Dr. Henning von Vieregge, Thomas Mann und Johannes Strugalla sowie Dezernentin Marianne Grosse folgen. Niemand möchte sich etwas anmerken lassen. Nur aus einem Gesicht lässt sich das Ergebnis ablesen. Marianne Grosse wäre wohl lieber an jedem anderen Ort. Es sind zu diesem Zeitpunkt um 19.30 Uhr erst 43 von 55 Stimmbezirken ausgezählt. Und doch ist das Ergebnis so eindeutig, dass der Rest es nicht mehr verändern wird. Fast 78 Prozent der Mainzer, die ihre Stimme abgegeben haben, haben sich gegen den Bibelturm entschieden, 22 Prozent dafür.

Haase pustet durch. „Wir sind davon ausgegangen, dass das Nein überwiegt. Aber 78 Prozent überraschen mich wirklich.“ Das zeige, dass eine Mehrheit der Mainzer nicht mit den Plänen einverstanden gewesen sei. Nun gehe es darum, die Aufmerksamkeit konstruktiv zu nutzen und die Leute mitzunehmen. Man müsse nun sehen, wie die Stadt weiter vorgehen wolle. Die BI sei in der Bürgerschaft verankert und wolle die Verwaltung unterstützen. „Uns ist klar, dass dieses Ergebnis eine gewisse Verantwortung mit sich bringt. Wir können jetzt nicht sagen, dass das Thema abgehakt ist.“

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Für Strugalla hat „das Misstrauen gewonnen und Mainz verloren“. Es gebe ein großes Misstrauen gegenüber der Stadt und den Verantwortlichen. Der Informationsfluss der Stadt sei zu spät gekommen, um die Vorurteile, die sich schon gebildet hätten, geradezurücken. Sein Kollege von Vieregge geht noch weiter. OB Ebling solle „seine doppelte Niederlage“ eingestehen. Der Bürgerentscheid habe Unfrieden statt Frieden gebracht – und der Bibelturm werde nach langjähriger Vorarbeit nicht gebaut. Es sei ein Tiefpunkt in seiner Karriere, aber in der Krise liege auch eine Chance. „Jetzt ist Führung gefordert.“ Im Werben für den Bibelturm habe man den OB und die Dezernenten vermisst.

Ebling warb für Gelassenheit. Es habe keine Richtungsentscheidung gegeben, sondern eine Entscheidung in einer Sachfrage. Die Auseinandersetzung um den Bibelturm sei teilweise „zutiefst unmainzerisch“ abgelaufen, nun gehe es darum, eine Phase der Befriedung einzuläuten, „die Energie für die Zukunft des Museums zu kanalisieren.“

Grosse hält sich auf der Pressekonferenz sehr kurz. Anschließend ist sie im Foyer bei den Freunden des Turms. Es gibt trotzigen Applaus, viele lange Umarmungen. Die Brezeln sind weitgehend weg, Wein gibt es noch – und auch Hoffnungsreste. So ein Ergebnis habe sie natürlich nicht erwartet, sagt Grosse. Es habe so viele Unterstützer gegeben. „Ich bin echt enttäuscht.“ Das Wichtigste sei aber, dass dieser Abend nicht das Ende des Museums sei.

Dr. Annette Ludwig steht lange neben ihr. „Ich respektiere das Ergebnis“, sagt die Museumsdirektorin, „auch wenn es bitter ist.“ Nach Jahrzehnten der Konjunktive seien sie die ersten gewesen, die sich auf den Weg gemacht hätten, das Museum zu erneuern. Im Werben für den Bibelturm habe sich in den letzten Monaten eine aktive Bürgerschaft zusammengetan, „das hat viel Potenzial und da wird bestimmt weitergearbeitet.“ Gleich am Montag habe sie einen Termin beim OB. Wie oft betont gebe es keinen Plan B, die vorhandenen Mittel würden nun wohl erst einmal in den Schellbau investiert. „Es gibt keinen Grund, verzweifelt zu sein. Ich mache weiter.“