Mainzer Gastronomen fordern festes Datum für Betriebsöffnung

aus Coronavirus-Pandemie

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Ata Delbasteh (li.), Betreiber der Bergschön-Restaurants, und OB Michael Ebling sind sich einig: Die Gastronomie braucht klare Ansagen. Foto: hbz/Stefan Sämmer

Die Restaurants, Kneipen und Cafés wünschen sich Sicherheit für die Wiedereröffnung ihrer Gastronomien. Zustimmung erhalten sie unter anderem von Bürgermeister Ebling.

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MAINZ. Als „beklemmend“ empfindet es Oberbürgermeister Michael Ebling, derzeit durch die Innenstadt zu laufen: Restaurants, Kneipen, Cafés – alles, was in besseren Zeiten für das leibliche Wohl der Mainzer essenziell war, ist seit Ende März für den Publikumsverkehr geschlossen. „Wir Mainzer sind ein lebenslustiges Völkchen, doch ohne unsere Esskultur, da geht es uns nur eingeschränkt gut“, sagt das Stadtoberhaupt.

Während Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Mittwoch in ihrer Regierungserklärung verkündete, alle Geschäfte – auch jene mit mehr als 800 Quadratmetern Ladenfläche – dürften ab kommendem Montag wieder öffnen, warten die Gastronomen weiterhin auf ein Ende des Shutdowns. „Die Geduld ist nicht mehr groß,“ glaubt Ebling und richtet sich an Bundes- und Landesregierung: „Ich hoffe, dass es bald klare Ansagen geben wird.“

Zustimmung erhält Ebling von Ata Delbasteh. Der Betreiber der Bergschön-Restaurants sagt:„Was wir von der Politik brauchen, ist ein festes Datum zur Wiedereröffnung. Ein Datum, auf das wir hinarbeiten können.“ Dabei verweist er auf die Hygiene-Expertise der Branche und fordert:„Wir sind vorbereitet, haben tagtäglich mit Hygienevorschriften zu tun.“ Man sei in der Lage, Konzepte zu erarbeiten, wie der Betrieb wieder vorsichtig anlaufen könne. Für die hiesige Veranstaltungsbranche existiere bereits ein 40 Seiten langer Vorschlag für die Zeit nach der Schließung. Darin beispielsweise enthalten: Videoübertragungen aus Gastronomieküchen in den Gästebereich. So könne für mehr Transparenz und Vertrauen gesorgt werden.

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Delbasteh lobt das Programm „Mainz hilft sofort“

Für eine sofortige Öffnung plädiert der Gastronom nicht, aus Angst vor einem Bumerang-Effekt: „Wenn wir jetzt öffnen, die Infektionszahlen daraufhin wieder ansteigen und wir dann erneut schließen müssen, wäre das eine wirtschaftliche Katastrophe.“

Die ist für viele bereits Realität: Murielle Stadelmann vom Weinhaus Bluhm ist verärgert:„Wir sind die Ersten, die schließen mussten und die Letzten, die öffnen dürfen.“ Auch nach einer eventuellen Wiedereröffnung werde die Lage prekär bleiben: „Wenn wir die Gäste auf 1,50 Meter Abstand setzen müssen, kann ich in meinen kleinen Räumen maximal 15 Gäste gleichzeitig bewirten. Wie soll ich damit meine Rechnungen begleichen?“ Den Staatszuschuss von 9000 Euro hält sie für ungenügend:„Davon kann ich gerade mal einen Monat lang Miete und Betriebskosten bezahlen.“Und auch die Betriebsschließungsversicherung, in die sie jahrelang eingezahlt habe, zahle entweder nichts oder eine inakzeptable Summe.

Wo ist also der Ausweg für die Gastronomen? Ata Delbasteh verweist darauf, dass nicht nur Bund und Länder, sondern auch die Stadt einen Beitrag leisten könne. Lobend erwähnt er das Programm „Mainz hilft sofort“. Die städtische Initiative sieht unter anderem vor, im laufenden Jahr von Restaurants keine Gebühren für ihre Außenbestuhlung zu erheben.

Ein Anfang, doch natürlich kein Ersatz für den täglichen Verdienstausfall, weiß auch Oberbürgermeister Ebling: „Niemand hält eine Betriebsschließung bei laufenden Kosten mehrere Monate lang durch.“ Ein festes Datum zur Wiederaufnahme der hiesigen Gastronomie sei daher überlebenswichtig. „Nicht, dass wir irgendwann durch die Stadt laufen, und all die kulinarischen Angebote sind verschwunden.“