Mainzer Fastnacht: Cathrin Tronser ist neue...

31 Jahre war Heinz Tronser GdP-Sitzungspräsident. Ob seine Frau Cathrin das Amt genauso lange ausübt?Foto: hbz/Kristina Schäfer  Foto: hbz/Kristina Schäfer

Nach 31 Jahren hat der Ur-Mainzer Heinz Tronser sein Amt als Sitzungspräsident bei der Garde der Prinzessin (GdP) an seine Frau Cathrin Tronser übergeben. Die 39-Jährige ist...

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MAINZ. Nach 31 Jahren hat der Ur-Mainzer Heinz Tronser sein Amt als Sitzungspräsident bei der Garde der Prinzessin (GdP) an seine Frau Cathrin Tronser übergeben. Die 39-Jährige ist die erste Frau die – jenseits von Damensitzungen – bei einer Traditionsgarde das Amt als Sitzungspräsidentin einnimmt.

Herr und Frau Tronser, warum bricht die Garde der Prinzessin mit der Tradition, einen Mann ins Amt des Sitzungspräsidenten zu heben?

Cathrin Tronser: Ganz ehrlich? Weil es niemanden gibt, der das kann (lacht).

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Heinz Tronser (nickt): Die GdP ist bekannt dafür, dass sie Frauen fördert. Das Sitzungspräsidentenamt ist eines der schwierigsten Ämter überhaupt. Ein guter Büttenredner ist noch lange kein guter Sitzungspräsident und umgekehrt. Das Amt lebt sehr stark von der Spontaneität und dem Gefühl zum Publikum. Wenn ein Redner gut ist, hat es der Sitzungspräsident einfach. Wenn jemand aber nicht ganz so gut ankommt, dann ist er gefordert, 800 Leute bei Laune zu halten. Deshalb reißen sich nicht viele um dieses Amt. Ich musste schauen: Wer könnte das machen? Viele trauen es sich aber nicht zu. Cathrin hat ja schon Erfahrung gesammelt und macht das sehr gut.

Frau Tronser, erzählen Sie mal von Ihren Erfahrungen ...

Cathrin Tronser: 2007 habe ich zum ersten Mal den Generalappell 11 mal 11 Jahre Garde der Prinzessin am 1. Januar moderiert. Heinz hatte mich erst kurz nach Weihnachten gefragt, ob ich das machen möchte. Ich hatte damals noch gar keine Erfahrung. Danach hieß es: Jetzt machst du auch noch die Sitzung auf dem Leichter – der Cassian Carl. Danach sollte ich auch noch die närrische Weinprobe mitmoderieren. 2013 habe ich erstmals die zweite Hälfte bei der Großen Gardesitzung im Schloss übernommen.

Wie waren die Reaktionen?

Cathrin Tronser: Im Schloss hatte ich ein bisschen Angst um unsere älteren Mitglieder, dass die einen Herzinfarkt bekommen, wenn da auf einmal eine Frau am Mikrofon steht (lacht). Da war ich froh, dass Rettungssanitäter anwesend waren. Eine süße Anekdote kann ich erzählen. Karl Halbmann war damals unser ältestes Mitglied – er ist mittlerweile leider gestorben. Nach der Sitzung hat er mich an der Hand genommen und gesagt: ‚Schätzchen, es hat mir gefallen, was du da oben gemacht hast. Aber sag es bloß keinem!‘ Das war der Ritterschlag.

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Frau Tronser, Sie sind auch stellvertretende Vorsitzende und Sitzungspräsidentin des lesbisch-schwulen Fastnachtsvereins „Rosa Käppscher“.

Cathrin Tronser: Ja. Das hat anfangs für Gesprächsstoff gesorgt. Nach dem Motto: ‚Der Tronser ist ein armer Teufel. Gerade mal ein paar Jahre ist er verheiratet und hat einen Sohn bekommen und dann ist die Cathrin lesbisch.‘ Sogar mein damaliger Chef hat Anrufe bekommen, was denn passiert sei. Mein Mann hat nur bemitleidenswerte Blicke geerntet. Heute ist das aber kein Thema mehr und wir haben inzwischen unseren zweiten Sohn.

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Sitzungspräsidentschaft aus?

Cathrin Tronser: Das Amt ist kein Auftritt. Wir verstehen uns nur als Brückenbauer. Dass heißt: Nicht wir stehen im Vordergrund, sondern die Aktiven. Heinz Tronser: Ganz genau. Es gibt Sitzungspräsidenten, bei denen man immer das Gefühl hat, dass sie einen guten Redner mit eigenen Gags toppen wollen. Das ist nicht unser Stil. Wir greifen erst dann ein, wenn wir gebraucht werden. Wenn ein Redner toll war, hat er seinen Erfolg verdient und wenn er nicht so gut ankommt, ist es unsere Aufgabe, ihn zu puschen.

Frau Tronser, was werden Sie anders machen als Ihr Mann?

Cathrin Tronser: Ich bin doch etwas akribischer, was die Vorbereitung angeht. Also, ich schreibe alles auf. Das ist aber nur ein Spickzettel wie in der Schule. Letztlich spreche ich, genauso wie mein Mann, komplett frei. Bei mir wird es bestimmt eine aktivere Komiteebeteiligung geben, ähnlich wie bei den Rosa Käppscher. Der Rest wird sich in den kommenden Jahren ergeben, beispielsweise durch jüngere Komitee-Mitglieder.

Rechnen Sie mit Reaktionen auf die weibliche Sitzungspräsidentin?

Heinz Tronser: Es wird mit Sicherheit ein paar Skeptiker geben. Ich erinnere mich, als ich 2002 den Verein übernommen habe. Beim ersten Offizierstreffen hatte ich die Ehefrauen miteingeladen. Plötzlich war die Hölle los. Viele ältere Mitglieder haben mich angefahren: ‚Bist du bescheuert? Wir wollen einen schönen Abend haben.‘ Ich habe die Teilnahme der Frauen aber kontinuierlich eingefordert. Irgendwann war es normal. Vor ein paar Jahren habe ich das gemischte Komitee eingeführt. Und das kommt sehr gut an.

Cathrin Tronser: Seitdem ist das Komitee viel aktiver, freundlicher und gut aussehender.

Frau Tronser, wollen Sie Ihren Mann nun auch als Präsident der Garde der Prinzessin beerben?

Cathrin Tronser (lacht): Nein, auf keinen Fall. Als wir Kinder bekommen haben, hat mein Mann gesagt, er schaut mal, wie lange er die beiden Ämter noch macht, damit wir mehr Zeit für die Familie haben. Das ist das Einzige, was ich an dieser Amtsübergabe nicht verstanden habe.

Das Interview führte Carina Schmidt.