„Mainz bleibt Mainz“ bietet das volle Programm

Großes Finale bei "Mainz bleibt Mainz" mit den Hofsängern und dem TSV-Schott-Ballett „Fantasy“. Foto: Sascha Kopp

Die Zuschauer können sich bei der diesjährigen Ausstrahlung von „Mainz bleibt Mainz“ nicht nur auf einen politischen Rundumschlag, sondern auch auf ein beineschmeißendes...

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MAINZ. Johannes Bersch teilt aus. Mit Sätzen, die sitzen. Jeder Schuss ein Treffer. Klimawandel, Dieselfahrverbot, Wechselspiele in der CDU und die Trennung von Helene Fischer. Alle Themen arbeitet Bersch von seinem römischen Streitwagen aus ab. Als Moguntia zeigt er auf der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“, die an diesem Freitag um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt wird, wofür die politisch-literarische Mainzer Fastnacht steht. Sein Vortrag ist geschliffen, der Applaus im Kurfürstlichen Schloss riesig – das merkt man schon in der Generalprobe.

Großes Finale: Die Mainzer Hofsänger dürfen standesgemäß zum Ende der TV-Sitzung ran. Hier werden sie vom TSV-Schott-Ballett „Fantasy“ unterstützt.
Premiere: Helmut Schlösser als Annegret Kramp-Karrenbauer (links) und Florian Sitte als Angela Merkel stehen gemeinsam auf der Bühne.
Willkommene Abwechslung: Die Alten vom Komitee, Christian Schier (links) und Michael Emrich, stimmen auf den nächsten Beitrag ein.
„Gude!“ sagt der Sprachassistent Christian Schier (rechts), wenn man ihn auf den Mainzer Dialekt einstellt. Zusammen mit Martin Heininger zeigt er die Probleme auf, die moderne Technik so mit sich bringt.
Großes Finale.
Gefeierter Obermessdiener: Andreas Schmitt reißt das Publikum mit.
Arme Paketboten: Die Schnorreswackler haben schwer zu tragen.

Und einer, der es eben noch richtig abbekommen hat, würdigt Bersch mit großen Worten. Sitzungspräsident Andreas Schmitt erinnert an verstorbene Urgesteine der Mainzer Fastnacht: „Ernst Neger, Rolf Braun und Jürgen Dietz gucken auf dich und applaudieren wie wir.“ Dabei hatte Moguntia in ihrem Vortrag noch vom heißesten Tag des Jahres gesprochen, an dem ein kleiner Bub hinter dem Obermessdiener hergelaufen war. Mit der Begründung: „Es ist nun mal der schattigste Platz in Mainz.“ Kein Problem für Schmitt.

Bersch ist einer von fünf politischen Rednern. Die anderen stehen ihm in nichts nach. Da ist beispielsweise der knallhart analysierende Protokoller Erhard Grom, der nach dem stimmungsvollen Beginn mit dem Einmarsch der Garden und Schwellkoppträger Thorsten Ranzenberger den ersten Redebeitrag des Abends hat. Zur Weltraummission „Bavaria One“ des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder hat er einen Vorschlag parat, der viel Gehör findet: „Schießt besser Söder auf den Mond, denn das ist Raumfahrt, die sich lohnt. Und bitte ohne Wiederkehr, den Seehofer gleich hinterher.“ Das erste „Uiuiui“ des Abends ist ihm dafür sicher.

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Sitte hat die Säle im Griff

Lars Reichow arbeitet als Anchorman der „Fastnachtsthemen“ den Unterschied zwischen Mainz und Washington heraus: „Bei uns regiert der Narr auf Zeit.“ Doch Reichow kann auch ohne die große Weltpolitik, das stellt er an diesem Abend unter Beweis. „So einen Filz wie in Wiesbaden, wird es in Mainz nie geben.“ Das Publikum ahnt, dass die rheinland-pfälzische Stadt bei diesem Vergleich nicht allzu gut wegkommt. Den Wiesbadener Filz „den hatten wir schon längst“, sagt Reichow. „Filzbaden kommt von Vilzbach! Die haben bei uns gelernt“, sagt Reichow.

Obermessdiener Andreas Schmitt bekommt schon während seines Vortrags Standing Ovations. „Ehret die Schöpfung und ihre Gesetze und wagt euch nicht, die Lindenstraße abzusetze.“ Klare Worte. Schmitt hat den Laden nicht nur in seiner Paraderolle, sondern auch als Sitzungspräsident im Griff.

Die Säle im Griff hatte während der Kampagne auch Florian Sitte als Angela Merkel. Bei der Fernsehfastnacht feiert der Zahnarzt nun eine Premiere. Während seines in der Kampagne hochgelobten und bejubelten Vortrags als Merkel, die im Kanzleramt die Kisten packt, kommt Helmut Schlösser als Annegret Kramp-Karrenbauer auf die Bühne. Dass dieser Part des Vortrags noch nicht zu 100 Prozent eingespielt ist, spüren auch die Zuschauer.

Kinder bei „Bares für Rares“ verkaufen

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Die werden dafür zwischendurch immer wieder von den „Alten vom Komitee“ – dargestellt von Christian Schier und Michael Emrich – abgeholt und charmant auf den nächsten Beitrag eingestimmt. Zweimal dürfen die „Schnorreswackler“ nach den Alten ran. Sie besingen die Paketboten und das Feinstaubproblem. Das TSV-Schott-Ballett „Fantasy“, das ebenfalls nach den Alten im Komitee auf die Bühne darf, ist mit spektakulären Hebefiguren und Würfen eine willkommene Abwechslung. Dass auch Männer die Beine höher schmeißen können als allgemein gedacht, beweist das Prinzengarde-Ballett in einer gelungenen Co-Produktion mit Thomas Neger zu „Meenz bleibt Meenz“.

Denn natürlich ist die Mainzer Fastnacht nicht nur politisch-literarisch. Sie ist auch musikalisch. Stellvertretend dafür stehen die Mainzer Hofsänger beim großen Finale. Doch zuvor zeigt auch schon Andy Ost als Musik-Therapeut, was ein einzelner Mann mit Gitarre alles ausrichten kann.

Musikalisch wird es auch bei Detlev Schönauer, der sich als „Mainzer Lehrer“ zum Ende seines Vortrags ans Klavier setzt. Auf die Melodie von Frank Sinatras „My Way“ singt er „Was is des Mainz schee“. Auch Martin Heininger und Christian Schier greifen zum Finale ihres Vortrags zum Mikrofon. Sie sind nach ihrem Vortrag „Schieri“ – ein sprachgesteuerter Assistent aus dem Hause „Veräppel“ – die Ersten, die eine Zugabe spielen dürfen.

Auch Partymuffel Ernst Lustig, alias Jürgen Wiesmann, hat mit der modernen Zeit so seine Probleme. Und die Angst, dass ihn seine Kinder bei „Bares für Rares“ verkaufen, wenn er zuviel von früher erzählt. Nicht von früher, sondern von den kriminellen Machenschaften in Mainz erzählt Alexander Leber als „Meenzer Polizist“ – auch bekannt als „Rambo der Vilzbach“. Dank Wiesmann, Leber und Co. kommt bei „Mainz bleibt Mainz“ auch der Kokolores nicht zu kurz. Die Sitzung zeigt das volle Programm, das die Mainzer Fastnacht zu bieten hat. Ein Rundumschlag, der zwischendurch auch ernste Töne findet. Beispielsweise von Lars Reichow: „Es gibt zu viele Narren auf der Erde, aber sie wissen nicht, wann Aschermittwoch ist.“ Helau.